Ligerz
bestand laut Regionbuch aus den Siedlungen Ligerz, ein Dorf von 60 Häusern und zwei obrigkeitlichen Rebgütern (Thorberg und Aarberg, das früher den von Muleren gehörte)
Die "Festi" mit 3 Häusern "auf altem Mauerwerk gebaut"
Schernelz-Cerniol; 14 Häuser
Klein-Twann (westlich des Baches); 17 Häuser
Bipschal; (franz. Bevesier); 5 Häuser und ein obrigkeitliches Zehntenhaus
Brunnmühle; 2 Häuser
Endlich gehörte im Mittelalter in das Gericht Ligerz noch die abgegangene Ortschaft Halten
Das Regiment der Patrizier
heute bekommt jeder Bürger eine Stimmkarte, mit dieser kann er seine Stimme abgeben, wählt so seiner Meinung nach wie er eine Sache sieht. Oder wählt seine Partei die seine Meinung am besten vertritt.
im 18.Jahrhundert bestand im Kanton Bern eine ganz andere politische Ordnung. Die Bürger waren nicht gleichberechtigt. In vielen Dingen herrschte die Stadt über das Land. Die Stadt ? Nein, nicht alle ihre Bewohner regierten mit. Die Hintersassen, übten keine politischen Rechte aus. Vollberechtigt waren nur die Nachkommen derer, die schon vor dem Jahre 1651 das Burgerrecht besassen.
Ja, mit der Zeit entstanden auch unter diesen Burgern zwei Klassen. Die erste bestand aus solchen Familien, deren Mitglieder - Väter und Söhne - immer in die Räte gewählt wurden. Das waren die Regierenden. Man nannte sie Patrizier. Sie besetzten nicht nur den Grossen und den Kleinen Rat aus ihren Reihen, sondern erhielten auch sämtliche Landvogteistellen und alle andern höheren Ämter. Um 1790 gab es etwa 70 patrizische Familien.
Zur 2. Klasse der Burgerschaft gehörten um 1790 ungefähr 170 Familien. Ihre Mitglieder hätten auch das Recht gehabt, in die Räte und zu Beamten gewählt zu werden. Deshalb bezeichnete man sie als Regimentsfähige. In Wirklichkeit wurden sie aber nie gewählt. Hingegen hatten sie wie die Patrizier Anteil am Burgernutzen, d.h. an Holz und Allmendland.
Die Patrizier, die weder arm noch sehr reich waren, übten keinen der gewöhnlichen Berufe aus. Es gab unter Ihnen also weder Bäcker, Schmiede, Metzger, Sattler, Schreiner noch Zimmerleute. Sie betrieben auch kein Geschäft. Womit verdienten sie sich denn ihr Brot ? Mit Regieren.
von den jungen Patriziern
Im 18. Jahrhundert konnten die Patrizier frühestens nach dem erfüllten 29.Altersjahr in den Großen Rat gewählt werden. Womit beschäftigten sie sich bis zu diesem Zeitpunkte?
Mit sehr wenig. Wenn der Hauslehrer sie notdürftig herangebildet hatte, so arbeiteten sie manchmal als Sekretäre in einem staatlichen Büro gegen ein Taschengeld.
Viele dienten eine Zeitlang als Offiziere im Ausland. Die meisten unternahmen überdies eine zwei- bis dreijährige Reise in die Fremde. Hier lernten sie manches kennen, was ihrer Heimat später zugute kam, zum Beispiel Fortschritte in der Landwirtschaft.
Nicht selten aber nützten sie diese Zeit nicht gut aus, sondern verschwendeten Geld, tranken über den Durst und gewohnten sich sonst allerlei Übles an.
Zu Hause ergab sich ein großer Teil der jungen Patrizier dem Müßiggang. Hierüber berichtet ein Münsterpfarrer (David Müslin) jener Zeit:«Sobald sie unter den Händen des Perückenmachers weg waren, fand man sie schon vormittags zu halben Dutzenden in den Arkaden versammelt, wo sie miteinander von den Neuigkeiten des Tages plauderten und jeder Weibsperson starr ins Gesicht schauten und überhaupt alle Vorübergehenden scharf musterten, bis die Stunde des Mittagsmahles sie nach Hause rief.
Den wenigsten kam es in den Sinn, sich mit den Grundsätzen der Regierung bekannt zu machen oder die Landesgesetze und die vaterländische Geschichtezu studieren.››
Ein bernischer Patrizier (Carl Viktor von Bonstetten) bestätigt:«Das große Übel der Aristokratie war die Untätigkeít der patrizischen Jugend vom 15.Lebensjahr an bis zum Eintritt in den Großen Rat. Ich selbst war nicht der Unwissendste meines Ranges, und doch wußte ich nichts von dem, was ich hätte wissen sollen.››
Eine Zeitung spottete:«Morgens um 9 Uhr stehet der junge Patrizier auf, laufet eine halbe Stunde die Kammer auf und nieder, rufet dem Knecht, daß er ihm seinen Tee rüste, ziehet sich darauf an und lasset sich das Morgenessen zubereiten. Sendet seinen Diener, Tabak zu holen, ist übel mit ihm zufrieden, Weil sein Mississippi allzu trocken ist. Setzet sich zu Tisch. Geht um 1 Uhr sehen, wo er seine Freunde finde, gehet mit ihnen vor das obere Tor und leert mit ihnen fünf Flaschen guten Weins, kommt um 7 Uhr wieder in die Stadt, will nicht zu Nacht speisen, sondern lasset sich auf einer Zunft Bier holen und trinket solches mit seinen Freunden bei einer Pfeifen Tabak, gehet nach Hause um 12 Uhr und schlafet ganz wohl.››
Von der Bestellung des Großen Rates
Die wichtigsten Behörden im damaligen Bern waren der Große und der Kleine Rat. Der Große Rat bestand im 18.Jahrhundert aus wenigstens 200 und aus höchstens 299 Mitgliedern, die auf Lebenszeit gewählt wurden.
Der Kleine Rat zählte 27 Mitglieder. Er beriet gesondert, bildete aber zugleich einen Teil des Großen Rates. Wenn dieser Sitzung hielt, fanden sich die Mitglieder des Kleinen Rates also auch ein.
Irn 18.Jahrhundert wurde der Große Rat ungefahr alle zehn Jahre ergänzt, und zwar um Ostern. Wenn diese Ergänzungswahlen beschlossen worden waren, entstand unter den Patriziern eine ungeheure, ja, eine geradezu fieberhafte Aufregung. Warum? Erstens bedeutete es eine Ehre, in den Großen Rat zu kommen. Zweitens erhielten seine Mitglieder eine bescheidene Besoldung. Drittens, die Patrizier konnten erst, nachdem sie in den Großen Rat gekommen waren, einträgliche Ämter versehen, zum Beispiel das Amt eines Landvogtes.
Wenn ein Patrizier das erste Mal versuchte, in den Großen Rat zu kommen, so war er mindestens 29 jährig. Wurde er übergangen, so mußte er wieder zehn Jahre warten. Wovon sollten er und seine Familie unterdessen leben? Er war gezwungen, vom Vater, von Brüdern, Oheimen oder Schwiegereltern Geld zu leihen und also Schulden zu machen. War es da ein Wunder, daß die jungen Patrizier und ihre Frauen und Kinder, ihre Väter und Mütter, ihre Tanten und Oheime mit größter Spannung dem Ausgange der Wahlen entgegen sahen?
Wie wurden diese vorgenommen? Die 27 Mitglieder des Kleinen Rates und 16 Großräte, die man ausloste, konnten mindestens je «einen neuen Regenten» ernennen. Sie ernannten fast ausnahmslos den nächsten Familienangehörigen: Den Sohn, den Schwiegersohn, den Bruder, den Neffen. Hatte ein Wahlherr weder einen Sohn noch einen Schwiegersohn, wohl aber eine heiratsfähige Tochter, so wurde für sie hurtig ein Mann gesucht. Meistens brauchte sich ein Wahlherr nicht lange umzuschauen; denn es gab junge Männer genug, die gern auf diese Weise zu einer Frau und - in den Rat kamen.
«Eine solche Tochter», so berichtet jener schon erwähnte Patrizier (Carl Viktor von Bonstetten), «nannte man Barettlitochter. Barett oder Barettli hieß nämlich der schwarze Samthut, den die Mitglieder des Großen Rates bei ihren Amtsverrichtungen trugen und den sie nun ihrem Bräutigam spenden konnte. Nichts war ergötzlicher als diese unvorhergesehenen Heiraten.» Vor den «Wahlen» besuchten die patrizischen Bewerber und ihre Angehörigen die verwandten Ratsherren, begrüßten sie freundlich, schüttelten ihnen die Hände und baten sie dringend, ja, beschworen sie: Vergeßt uns nicht, gebt uns die Stimme; verhelft mir, meinem Sohne, meinem Bruder,meinem Neffen zum Eintritt in den Großen Rat; wir werden ein andermal auch an euch denken !
Arn Karfreitag bestätigte der Große Rat die Männer, die der Kleine Rat und jene «Sechzehner» ernannt hatten. Am Nachmittag besuchten die Gewählten ihre patrizischen Freunde und Verwandten. Hiebei, so wird uns erzählt, «ging es an ein Küssen, Umarmen und Gratulieren, als wenn einem jeden eine reiche Frau oder ein erstgeborner Sohn worden wäre». Diejenigen aber, die nicht gewählt worden waren, die sogenannten «unglückhaftigen Burger», blieben traurig zu Hause, rangen kummervoll die Hände und stöhnten: Zehn jahre, zehn neue Jahre des Wartens, das ist eine lange Zeit !
Die Festlichkeiten nach den Osterwahlen
Am Ostermontag läuteten in der Stadt alle Kirchenglocken. Die neu bestellten Räte begaben sich ins Münster. Nach dem Gottesdienst zogen sie feierlich ins Rathaus hinüber, voran der Schultheiß mit dem Zepter, hinter ihm paarweise die Mitglieder des Kleinen und dann die des Großen Rates.
Soldaten «mit schön blasender Musik» begleiteten sie. Die Stadtwache in ihren sauberen roten Röcken mit den schwarzen Aufschlägen bildete Spalier und präsentierte das Gewehr.
Das Landvolk strömte an diesem Tage massenweise in die Stadt. Bald sah man Oberländer und Emmentaler auf der kleinen Schanze schwingen und ringen.Am Dienstag veranstalteten die Zunftleute farbenfrohe Umzüge. Die Küfer zum Beispiel erschienen in weißen Kleidern mit roten Streifen. Sie führten ein gewaltiges Faß mit sich. Auf ihm thronte ein kecker Geselle als Gott des Weines, brachte die Gesundheit der Zuschauer aus, trank auf ihr Wohl und gab Balancierkünste zum Besten. Unterdessen tanzten die Begleiter im Takte der Musik.Der Umzug der Mezger durfte sich auch sehen lassen. Ihre Schlachttiere, ein riesiger fetter Ochse, eine wohlgeschmückte Kuh und ein bekränztes Schaf, schritten majestätisch und viel bewundert durch die Gassen.