Kriegssteuern – Ablieferung des patrizischen Silbergeschirrs
Mit der Erbeutung des Bargeldes und der Wertschriften begnügten sich die Franzosen noch nicht. Sie verlangten, daß die Schweiz die französische Besatzungsarmee unterhalte. Das verursachte sehr große Kosten. Die «Befreier» forderten zudem von einigen Klöstern und von den patrizischen Kantonen (Bern, Freiburg, Solothurn, Luzern) sowie von Zürich gewaltige Kriegssteuern. Die früher regierenden Familien sollten die verlangten Gelder zusammenlegen. Wie das in Bern geschah, erzählt der schon oft erwähnte Patrizier Albrecht Rudolf von Büren:
«Um die von den Franzosen verlangte Steuer aufzubringen, mußten die Angehörigen der 76 Familien, die im bernischen Großen Rat vertreten waren, ihr schönes Silbergeschirr opfern. Unter den französischen Angestellten gab es indessen Leute, die sich aus diesem Silbergeschirr aneigneten, was ihnen gefiel. Mein Vater wollte diesen Ärger nicht haben. Deshalb zerschlug und zerstampfte er alles Silberzeug, da man nur dessen Gewicht berücksichtigte, mit einem großen Hammer. Hierauf wurde das Geschirr, eine Menge Platten, Terrinen usw., in zwei große Körbe gepackt und nach dem Rathause getragen. Mein Vater beorderte hierzu meinen Bruder Ludwig und mich. Im Zimmer, in dem der Raub abzugeben war, lag hoch auf dem Boden aufgetürmt ein ungeheurer Haufen von schon abgeliefertem Silbergeschirr. Das unsrige ward gewogen und dann zu dem andern hingeworfen und mir ein Empfangsschein zugestellt. Mir blutete das junge Herz über den Verlust all dieser schönen, zum Teil sichtbar alten Stücke»
Die Plünderungen und Einquartierungen, der Raub der Staatsgelder, die Entwaffnung und die Erhebung von Kriegssteuern bedeuteten erst den Anfang des Unglückes, das über unser Land gekommen war.
Ein Denkmal im Grauholz erinnert an die Fehler, die damals begangen worden sind. Es trägt die mahnende Inschrift:
SEID EINIG