Entwaffnung und Freiheitsbäume
Dienstag, der 6.März, wäre Markttag gewesen. Aber es erschien nicht ein einziger Landmann, um etwas zu verkaufen, und in der Stadt blieben alle Läden und alle Weinkeller geschlossen. Die Berner erlebten an diesem Tage aber noch andere unerwünschte Überraschungen. Der Patrizier, Albrecht
Rudolf von Büren, erzählt:
«Am Dienstag, den 6.März, morgens, erging ein allgemeiner, scharfer Befehl, es sollten in kürzester Zeit alle Bewohner der Stadt Bern die Waffen abliefern und in das Zeughaus bringen, unter der Drohung der Todesstrafe, wenn bei einer Haussuchung noch solche gefunden würden. Da man die
Franzosen zu allem fähig hielt, geriet die ganze Stadt in Schrecken und Bestürzung. Ich, der Knabe, wollte von Ablieferung nichts hören und versteckte einen schönen, mit Silber beschlagenen Hirschfänger meines Vaters. Dieser wollte sich auch nicht fügen und eilte zum kommandierenden
General von Schauenburg. Allein schließlich kamen wir doch um unsere schönen Waffen. Auch viele andere lieferten mit Gold und Silber eingelegte Gewehre und Degen mit goldenen und silbernen Griffen in der Angst ihres Herzens ab.
Auf den Gassen aber fielen die französischen Offiziere und Soldaten über die Träger her und nahmen fort, was ihnen gefiel.
Bald wurden auf allen Plätzen Freiheitsbäume aufgerichtet, oben mit blechernen, grün angestrichenen Hüten, in der Mitte mit Fähnlein und mit revolutionären Inschriften. Gesindel beider Geschlechter tanzte im Ring um dieselben, darunter auch Stadtburger !»