Drangsal in den Waldstätten

Unterstatthalter Meyer in Andermatt klagte:

«Man stiehlt und schlachtet Vieh; man plündert auf offener Straße; man mißhandelt die armen Leute und raubt das Heu aus Scheunen und Ställen. Ehemals haben die Bewohner unseres Tales mit Pferden und Ochsen einen Teil ihres Brotes verdient. Allein seit dreizehn Monaten mußten der Säumer mit seinen Pferden und der Schlittenknecht mit seinen Bergochsen immer nur für die französische Armee fronen. Der Säumer verlor hiebei durch Unglück und Raub den bessern Teil seiner Pferde. Oft kaufte er seine geraubten Tiere zurück. Bald wurden sie ihm aber von neuem entrissen. Von 220 Pferden haben wir im Tal Urseren noch zwölf. Im letzten Winter waren 40 Bergochsen mit dem Transport der fränkischen Waren beschäftigt; nun bleiben uns noch zwei; vielleicht sind sie aber auch schon geschlachtet. Was soll aus uns werden, wenn sie uns noch die wenigen Milchkühe rauben?»

Aufzeichnungen aus Schwyz:

«Dieser Tag (der 29.Mai 1799) war für das ganze Muotatal ein Tag des Schreckens; denn die Franken taten sehr wild und erlaubten drei Stunden lang zu plündern, ausgenommen im Kloster. Die meisten Einwohner flüchteten auf die Berge und ließen all ihren Hausrat im Stich. Melk Wiget wurde mit dem Gewehr in der Hand gefangengenommen und gleich erschossen.

Auch Friedli Gwerder wurde erschossen. . .»

«Ende September standen im Flecken Schwyz 53 Häuser immer noch ganz leer. Von den 125 bewohnten Gebäuden gab es 62, in denen nur einzelne Weibsbilder hausten.

Am 3.Oktober mußten fünfzig Mann zur Begrabung der Toten im Muotatal gestellt werden. Am folgenden Tage verlangte der Platzkommandant von Schwyz 200 Mann zum Wegtransport der Verwundeten. Um Heu herbeizuschaffen, wurden täglich 50 Mann gebraucht. Die Franzosen beanspruchten fast immer die Hälfte der Einwohner zu Dienstleistungen.››Ein helvetischer Beamter (Zschokke):«In den Waldstätten blieben viele Wiesen wegen der Flucht ihrer Besitzer ungemäht. Eine ungeheure Menge Hornvieh wurde geraubt. So wird man im nächsten Summer nicht einmal mehr alle Alpen befahren können.Gibt es denn kein Gesetz, mit dem man die französischen Befehlshaber zwingen könnte, ihre Bundesgenossen (die Schweizer) mehr zu respektieren ?»