Letzte Warnungen

War es nicht doch noch möglich, im letzten Augenblicke das Vaterland zu retten? Einzelne Männer versuchten es, so Johannes von Müller und seltsamerweise ein Ausländer, nämlich der Wackere deutsche Arzt Johann Gottfried Ebel. Dieser Ebel hatte sich zwei Jahre in der Schweiz aufgehalten und sie ins Herz geschlossen. Nun lebte er in Paris. Zu seinen Patienten gehörten die einflussreichsten französischen Politiker. So vernahm er aus sicherer Quelle, was sie mit unserem Lande vorhatten. Im Spätjahr 1797 schrieb er Brief um Brief an den Bürgermeister von Zürich und an andere Freunde. Er ermahnte, er drängte, er beschwor sie:

Führt die notwendigen Neuerungen durch; nehmt die Untertanengebiete als gleichberechtigte, selbständige Orte auf; sorgt dafür, daß auch die Landleute studieren und Ämter bekleiden können und daß die Städter auf ihre bisherigen Vorteile in Handel und Gewerbe verzichten; denn «es kommt hier auf die Unabhängigkeit der Schweizernation an und nicht auf das Geldinteresse einiger hundert Familien».

Ebel erinnerte ferner daran, wie die Franzosen die besiegten Länder ausgeplündert und unterjocht hatten . Er warnte darum die Benachteiligten und die Neugesinnten dringend davor, die Franzosen herbeizurufen, um mit ihrer Hilfe die notwendigen Änderungen durchzuführen. Ja, er erklärte ausdrücklich: «Es ist toll und rasend, etwas Gutes in seinem Lande durch ein fremdes Volk bewirken zu wollen.»

Dann fuhr er fort: «Wenn ich in die Zukunft blicke und mir die Schweiz in den Klauen der Franzosen denke, so überfällt mich eine Seelentrauer, die ich noch nie kannte. - Retten, o retten Sie sich, derweil es noch Zeit ist. - Ich höre nicht auf, Lärm zu schlagen. Auf allen Hochwachten möchte ich Kanonendonner erschallen lassen, um jedes Schweizers Aufmerksamkeit zu wecken.»

In unserem Lande aber blieb alles beim Alten. Da schrieb Ebel, der später Schweizer Bürger wurde, voll Kummer: «Wehe, wehe über die edle Schweizernation, wenn ihre Führer und Väter so blind und schwach sind! Ich fange an zu verzweifeln.»