Freunde des Vaterlandes schlagen politische Neuerungen – Reformen – vor; die Regierenden wollen aber nichts von solchen wissen

Verstand in der Eidgenossenschaft niemand, daß die bisherigen Untertanen im Rechte waren, wenn sie allerlei Änderungen wünschten? Doch, es gab Männer, die das begriffen. So schrieb ein Zürcher, der damals Gehilfe eines Arztes auf dem Lande war, schon vor den Unruhen in Stäfa:

«O, was gewänne Zürich, wenn es aus freiem Willen ein Opfer brachte, das es zuletzt gezwungen wird leisten müssen. Man weiß dort nicht, was ich täglich sehe und höre. Wären wir Landleute, wie müßte uns nicht der Totenfall drücken! Er wird hier und da noch so streng gefordert. Und was würden wir empfinden, falls wir Väter vieler Kinder wären, wenn keines freien Handel treiben oder ein sogenanntes feineres Handwerk erlernen dürfte und wir keinen unserer Söhne studieren lassen könnten?»

Noch früher hatte Albrecht von Haller vorgeschlagen, die Volksanfragen wieder einzuführen. Ein St.Galler aber forderte im Jahre 1789: «Keine Stiefbrüder mehr!» Er meinte damit: Die zugewandten Orte, zum Beispiel St. Gallen, Graubünden, Wallis und Genf, sollen als Vollberechtigte Stände in die Eidgenossenschaft aufgenommen werden. Der Geschichtsschreiber Johannes von Müller stimmte zu und fügte bei:

Die Landleute müssen auch politischen Einfluß ausüben können. «Ich weiß, es ist eine starke Zumutung, Rechte, die sich einige Städte vorbehalten haben, nun mit der Nation zu teilen. Ich habe nur eine Antwort: Es muß sein; tut es, damit es nicht andere tun. - Wenn man diese Neuerungen nicht unverzüglich vornimmt, so gibt es Unglück; die Axt ist dem Baume an die Wurzel gelegt!»

Was sagten die Patrizier und die Zunftherren zu diesen Vorschlägen? Sie wollten nichts von ihnen wissen. Die bisherige Ordnung schien ihnen gut. Überdies sicherte sie ihnen Vorteile. Die Patrizier vermochten sich nicht vorzustellen, wie sie ihr Brot verdienen könnten, ohne zu regieren. Infolgedessen waren selbst Männer, denen die Französische Revolution gefiel, gegen Neuerungen in unserem Lande. So bemerkte ein junger bernischer Patrizier im Herbst 1789:

«Als Mensch hat mir die Revolution Vergnügen bereitet. Es ist aber etwas ganz anderes, wenn ich daran denke, daß ich Berner und Edelmann bin. Wenn es dazu käme, daß wir mit den Vertretern unserer Untertanen die Regierung teilen sollten, die wir bis jetzt allein besaßen, ich würde, weiß Gott, hübsch zu meiner Partei stehen»