Ihre Entstehung

Napoleon war zur Überzeugung gekommen, unser Land müsse eine ganz  neue Staatsordnung erhalten. Wenn die Schweiz sich heute eine neue Verfassung geben wollte, so würde diese in Bern beraten. Damals war es anders. Napoleon befahl, daß die Schweiz einige Männer nach Paris senden solle; denn Paris war nicht nur die Hauptstadt Frankreichs, sondern auch die unseres Landes. - Von hier kamen die obersten Befehle. - Die Kantone ernannten 65 Abgeordnete, unter ihnen Peter Ochs und Heinrich Pestalozzi. Im Dezember 1802 trafen sie in Paris ein.

An einem Sonntag empfing Napoleon, umgeben von seinen Mitkonsuln, seinen Ministern und zahlreichen Generälen, fünf dieser schweizerischen Abgesandten. Er erklärte ihnen in einer Rede, was er mit der Schweiz vorhabe. Er sagte: Im Innern wird sie unabhängig bleiben. «In allem aber, was Frankreich angeht, muß sie französisch sein wie alle an Frankreich angrenzenden Länder»

Er sprach auch über die Kantonsverfassungen, erlaubte jedoch den Schweizern, diese zur Hauptsache selbst zu entwerfen. Die Ordnung für das gesamte Land aber arbeitete Napoleon aus. Die Schweizer vernahmen lange nichts von ihr; der Erste Konsul und seine Minister hielten sie geheim. Endlich wurden zehn Schweizer zu einer Sitzung eingeladen. Oben am Tische nahm Napoleon Platz. Zu seiner Rechten setzten sich fünf Schweizer, die am liebsten zu der Ordnung vor 1798 zurückgekehrt wären. An seine Linke schlossen sich die Anhänger einer stärkeren Einigung, die sogenannten Unitarier, an. Ein Minister las die ganze Verfassung vor. Die Schweizer durften Einwände machen; allein Napoleon blieb fast immer bei seiner Meinung. Beide Parteien verwunderten sich aufs höchste, wie gut er die Geschichte der Schweiz und die Verhältnisse in ihr kannte.

Nach drei Wochen ließ Napoleon an einer neuen Sitzung einem jener zehn Schweizer die reich verzierte Urkunde feierlich überreichen. Dann empfing er sämtliche Abgeordnete zu einer Abschiedsaudienz. Er ging der Reihe nach von einem zum andern und richtete ein paar freundliche Worte an ihn. Zu Peter Ochs aber bemerkte er kurz und schneidend: «Die Revolution ist zu Ende, Herr Ochs.»Die 63 Schweizer kehrten heim. Es hätte eigentlich genügt, daß nur einer von ihnen nach Paris gereist wäre, um das Werk Napoleons abzuholen.