Der Raub der Staatsgelder
Etwas vom wichtigsten war den Franzosen, den Staatsschatz Berns zu bekommen und nach Frankreich zu führen. Bei dieser Gelegenheit ließen französische Generäle, Offıziere und Beamte beträchtliche Teile der Gelder in ihren eigenen Taschen verschwinden. Dem klugen bernischen Münzwart, Gottlieb von Jenner, gelang es, für Bern einiges zu retten. Er erzählt hierüber:
«Eines Tages kam der Finanzberater der französischen Generäle zu mir und begehrte, daß ich ihn in das Salzkammergewölbe führe, wo sich die Geldfässer befanden. Auf dem Wege dahin äußerte er den Wunsch, einige silberne Lichtstöcke (Armleuchter, Kerzenhalter) zu besitzen, ich solle sie ihm verschaffen. Ich führte ihn in die Münze, wo sich mehrere befanden. Hier gab ich vor, ich müßte, um die Herausnahme des Geldes aus dem Salzgewölbe vorzubereiten, seine Schlüssel hiezu haben. Da er gutgelaunt war, weil er jene Lichtstöcke erhalten würde, gab er die Schlüssel also bald dem Kriegskommissär Bonstetten, der mir unterstellt war. Diesem gab ich in unserem Dialekt den Auftrag, von dem Geld im Salzgewölbe, das noch nicht gezählt war, soviel als möglich auf die Seite zu schaffen. Die Zeit war jedoch zu kurz, um lange suchen zu können, und so erwischte Bonstetten unglücklicherweise nur Silber statt Gold. Er und Salzkassaverwalter Steiger konnten 18 Säcke, zusammen 36 000 Bernfranken, vor unserer Ankunft im Gewölbe retten.»
Nach einiger Zeit sah man elf Wagen, mit je vier Pferden bespannt, die Stadt verlassen. Was sie wegführten und nach Südfrankreich transportierten, war Geld. Es machte nur einen bescheidenen Teil von dem aus, was die Franzosen aus bernischen Kassen raubten.
Ähnlich wie in Bern verfuhren sie in Solothurn, Zürich, Luzern und Freiburg. Beim Verladen der solothurnischen Gelder sah man, wie selbst die einfachen Soldaten, die bei der Arbeit mithalfen, in die Geldsäcke griffen und ihre Taschen füllten.