Der Tod des Generals – fliehende Patrizier

Als an diesem Montagmorgen die Sonne sich erhoben hatte, wie erzählt, General von Erlach zu seinem Adjutanten melancholisch gesagt: «Mein Freund, ich sehe die Sonne aufsteigen; aber ich werde sie nicht untergehen sehen.» Das Wort sollte sich erfüllen.

Nach den letzten Kämpfen auf dem Breitfeld floh er in der Richtung Thun, zuerst zu Pferd, dann auf einem Wagen. Vielleicht hoffte er, es werde ihm gelingen, neue Soldaten zu sammeln und mit ihnen die Stadt zu befreien. Bei Wichtrach stieß er auf betrunkene Landstürmer. Sie wußten nicht, daß Bern gefallen war. Darum hielten sie ihn für einen Vaterlandsverräter. Sie machten sich plötzlich an ihn heran und erschlugen und erstachen ihn auf eine schreckliche Weise.

Schultheiß von Steiger dagegen entkam mit Hilfe seines treuen Korporals ins Oberland; von hier floh er nach Deutschland.

Wie den Schultheißen von Steiger, so litt es noch manche andere Patrizier am 5.März und in den folgenden Tagen nicht in der Stadt. Faßten sie den Entschluß zu fliehen, so verkleideten sie sich meist als Bauern und ließen sich ihre gepuderten Haare schneiden. Die rasenden Bewohner der Landschaft sollten sie nicht erkennen. Nahm sich ein Patrizier nicht Zeit, Kleid und Haartracht zu ändern, so konnte er von Glück sagen, wenn die Landleute ihn nur einen «Franzosenfreund, Landesverkäufer und puderierten Donner» nannten, ihm aber sonst nichts zuleide taten.