Die Franzosen senden Armeen ins Land, aber versichern, dass sie die Truppen zurückziehen werden, sobald Bern und Solothurn die Volksherrschaft eingeführt hätten
Die Franzosen waren überzeugt: Wenn Bern fällt, fällt die ganze Eidgenossenschaft. Deshalb entschlossen sie sich, all ihre Kraft gegen Bern zu richten. Mitte Dezember 1797 sandten sie ein Heer in die schweizerischen Teile des heutigen Berner Juras. Dieses besetzte das St.Immer, das Münstertal und Biel. Ochs hatte hiezu geraten. Bern unterhielt mit diesen Gebieten seit Jahrhunderten ein ewiges Burgrecht und war verpflichtet, sie zu schützen. Was tat es? Der Große Rat ernannte Karl Ludwig von Erlach zum General und bot einige wenige Truppen auf. Sie bezogen hauptsächlich in Aarberg, Nidau und Büren Quartier. Der Gemeindepräsident von Höchstetten aber berief überraschend eine Gemeindeversammlung ins Schulhaus und stellte den Antrag: Wenn die Franzosen weiter vorrücken, wollen wir uns nicht zur Wehr setzen, sondern einen Freiheitsbaum aufrichten; das Land wird dann nicht geplündert.
Die schweizerischen Freunde der Franzosen wollten das Vaterland also nicht verteidigen.
Ende Januar 1798 marschierte ein zweites französisches Heer in bernisches Gebiet ein, nämlich in die Waadt. Jetzt erließ Bern ein allgemeines Truppenaufgebot und ermahnte die Mitstände zur Hilfe.
Die Franzosen begehrten die Eroberung des Landes nicht allein mit Waffen durchzuführen. Sie entschlossen sich vielmehr, Bern zuerst mit haßerfüllten und verleumderischen Worten anzugreifen. Sie hofften: Die Untertanen werden es dann nicht mit Eifer verteidigen und die verbündeten Orte es nur lau unterstützen.
So verfaßte der französische Gesandte in Basel anfangs Februar verschiedene Schriftstücke und Proklamationen «an die wackeren Schweizer und besonders an die Berner» und ließ sie in deutscher und französischer Sprache massenhaft verbreiten. In diesen Kundgebungen hieß es:
«Eure Obrigkeiten betrügen euch, wenn sie mit frecher Stirne verkündigen, daß die französische Republik sich eures Bodens bemächtigen wolle. Das Direktorium (die französische Regierung, die aus fünf Männern bestand) hat niemals einen solchen Plan gefaßt. Die französische Republik kennt in Helvetien nur einen Feind, und dieser ist noch mehr der eurige. Es ist der Rat von Bern, dieser wahnsinnige Tyrann, der euch seit langem barbarisch unterdrückt und gegen Frankreich treulose und schändliche Ränke schmiedet.
Sobald Bern und Solothurn die demokratischen Grundsätze durchgeführt haben, werden die französischen Truppen sich zurückziehen und damit beweisen, daß es dem Direktorium nur darauf ankam, das schlechte Regiment eurer bisherigen Herren zu beseitigen. Dagegen wird es das Gebietund die Selbständigkeit des Schweizervolkes immer achten und seinen Staat als frei und unabhängig anerkennen.»