Die bernische Zeit
Das 14. Jahrhundert, die Zeit der Kämpfe der Landesherren mit den aufstrebenden Gemeinwesen, brach auch die Macht der Grafen von Neuenburg deutscher Linie. 1366 erloschen die Strassberg, 1375 die Nidau,1420 die Aarberg.
Oft war in Bern mit ihnen in Berührung gekommen und nicht immer in freundschaftlicher Weise. Wie es kurze Zeit später mit den Kyburgern verfuhr, die ihm ihr Land antreten mussten, war es ihm theilweise in Seeland gelungen. Der glücklich geführte Krieg mit Oesterreich, welches nach dem Erbe von Nidau trachtete, brachte ihm dies letztere zu und damit die Landeshoheit des Seelandes. Bereits aber hatte Bern durch das Ausburgerthum sich viele Anhänger in jenen Gebieten erworben, wie das Tellbuch beweist.
Allmählich brachte Bern alle Gerichtsbarkeit an sich,so dass nicht, wie in anderen Theilen des Kantons, noch Herrschaften bestanden, die sich einer gewissen Unabhängigkeit erfreuten. So stand das Seeland in unmittelbarer Beziehung zu der Regierung von Bern.
Noch war innerhalb der neuen Aemter manches selbständige Gebiet – das Land der auffallend zahlrichen Klöster, das erst mit der Reformation an Bern gelangen sollte.
Versetzen wir uns wieder in die frühere Zeit, da zu seinem Seelenheil manch hoher Herr ein Gotteshaus stiftete oder reich begabte. Im Seeland hat es an solchen nicht gefehlt.
Graf Wilhelm von Burgund schaffte den Cluniacensern 1107 in Belmund, dann auf der St.Petersinsel ein Heim. Die Grafen von Neuenburg (Fenis) stifteten um 1090 die Benedictinerabtei St.Johannsen bei Erlach. Das Cistercienserkloster Frienisberg verdankte 1130 dem Grafen Udelhard von Sogern- Seedorf seine Gründung. In Gottstatt liessen sich um 1250 Dank der Vergabung der Grafen von Neuenburg deutscher Linie Prämonstratenser nieder.
Von geringer Bedeutung waren die Cluniacenserpriorate Leuzigen und Bargenbrück 1139; auch die Stiftercienserinnen von Tedligen gediehen neben Frienisberg nicht recht. Fast unbekannt sind die Niederlassungen der Johanniterritter in Tedligen und Biel. All deren Gebiet wurde 1528 fäcularisiert.
Begütert war eine grosse Zahl anderer Kloster im Seeland; es schien sich zu gehören, dass die Gotteshäuser der Schweiz Reben am Bielersee besassen.
Aus dem erworbenen Gebiete schuf Bern die Vogteien Aarberg,Nidau, Büren und Erlach; die fäcularisierten Klöster, die nicht 1484 mit dem Chorherrenstift in Bern vereinigt wurden, St.Johannsen, Frienisberg, Erlach und Gottstatt erhielten einen ‚obrigkeitlichen Schaffner‘. Gern hätte Bern noch das bischöflich baslerische Biel erworben, dessen Gebiet die Vogtei Nidau trennte; ein Versuch aber es zu thun, schlug fehl. Erst die neueste Zeit sollte Biel und Neuenstadt, mit denen man längst durch Verträge verbunden war, mit Bern vereinigen. Als dieses in der Revolution den untern Aargau und die Waadt verloren, gewährte ihm der Wiener Kongress eine Entschädigung im früheren Bisthum Basel.
Dass dem Seelande die bernische Regierung behagte, dürfte der Umstand beweisen, dass eine Reihe seiner Familien nach Bern zog und sich da einburgerte – die Bondeli, Büren, Dick, Diesbach, Erlach, Fasnacht, Gatschet, Gross, Güder, Hartmann, Henzi, Hug, Riehans, Probst, Roder, Scheurer, Scheuermeister, Tribolet, Tschiffeli, Walthard, Werdt, Wyttenbach, Ziegler u.a. (Burgerbuch).
Von Ausgestorbenen mögen nur die Kistler, Seedorf und Weingarten genannt sein. Noch heute, man braucht nur die Burgerverzeichnisse durchzulesen, besteht dieser Zug des Seelandes nach Bern. Wenn also die Stadt sich gewöhnt hat, je und je dem Seeland frische Kräfte zu entnehmen, so wird es nicht auffallen, dass z.B. gegenwärtig von unsern neun Regierungsräthen fünf dem Seeland entstammen.
Geographisch hat sich das Seeland im Laufe der Jahrhunderte verändert. Der Bielersee ist zurückgetreten. Der Name Port und viele Funde beweisen eine grössere Ausgehnung zur Römerzeit. Dagegen ist viel Land durch die periodischen Ueberschwemmungen von Zihl und Aare verloren gegangen. Schon im letzten Jahrhundert erkannte die bernische Regierung die Nothwendigkeit der Abhülfe. Allein ihre Mittel waren zu gering; was auch unter der Leitung des nachmaligen Feldzeugmeisters Benjamin Anton Tillier geschah, genügte nicht.
Auf Anregung des Arztes Rudolf Schneider in Nidau bildete sich 1839 zum Zwecke der Entsumpfung eie Actiengesellschaft, welche die Pläne des Graubündners La Nicca genehmigte. Aber erst 1867, nachdem die Eidgenossenschaft eine Subvention von 5 Millionen gesprochen, begannen die Arbeiten (Aarberg-Hagneckkanal, Nidau-Bürenkanal, Correction der Zihl zwischen dem Murten- und Neuenburgersee, der Aare zwischen Büren und der Emme-Mündung unterhalb Solothurns). Unter der Leitung der Ingenieure La Nicca und Bridel wurde die ‚Juragewässercorrection‘ durchgeführt, die, an sich ein grosses Werk, doch nicht ohne Nachtheile war.
Die Bevölkerung des Seelandes ist deutsch. Die Sprachgrenze zieht sich vom Dorfe Romond (Rotmund) auf der Jurahöhe über Pieterlen (Perles) dem Rücken des Bözingenberges entlang, setzt bei Frinvilier (Friedliswart) über die Schüss, steigt auf gegen Evilard (Leubringen), umgejht das deutsche Magglingen (Macolin) um nach Lamboing (Lamligen) zu gelangen, steigt gegen Chavannes(Schaffis) an den See hinab und springt hinüber, um zwischen Landeron und Erlach hindurchgehend, den Murtensee zu erreichen. Daher der gebrauch zweier Ortsbenennungen, einer deutschen und französischern und dies nicht nur an der Sprachgrenze, sondern fast bis zur Aare.
Es scheint, dass die Sprachgrenze zu Ungunsten des Deutschen verschoben wird, indem in Biel namentlich in officiellen Benennungen das französische vorgezogen wird.
Aber man wird zugeben müssen, dass dafür das deutsche im Westen sich bedeutend ausdehnt.
Weniger durch das Französische, als durch das alle Dialecte barbarisch zertrümmernde ‚eidgenössisches Deutsch‘ hat das Bieler-Deutsch gelitten, das nur von Wenigen mehr rein gesprochen wird. Dem Pfarrer Molz von Biel verdanken wir schriftliche Aufzeichnungen gereimte und ungereimte.