Die Grafschaften

Karl der Grosse hat sein Reich in Gaue eingetheilt. Von solchen kommen hier in Betracht der Ufgau am linken und der obere Aargau am rechten Aarufer. Diese zerfielen später in Grafschaften.

Eine solche, dem Ufagu angehörend, war auch der Komitatus Pipinensis, den Lothar Ludwigs des Frommen Sohn im Vertrage von Verdun erhielt und den sein Sohn Lothar II noch 859 besass. Dass er mit der Juralandschaft identisch ist, beweist eine Urkunde von 866. Der Vertrag von Merfen theilte 870 das Gebiet dem Reiche Ludwigs des Deutschen zu (Fontes I. 232,235,239). Bald aber wurde der ganze mittlere und südliche Jura durch Welfen Rudolf vom Karolinger Reiche losgerissen und zu einem Königreich Hochburgund vereinigt. Der Name Grafschaft Pipins machte dem namen Grafsschaft Bargen Platz, der selbst, soviel wir wissen, ungefähr nur ein Jahrhundert im Gebrauche blieb, von 965 – 1040, bis zu jener Zeit also, da Hoch- und Niederburgund an das deutsche Reich übergegangen waren. Aber es ist uns weder ein pipinensischer noch ein bergensischer Graf bekannt.

Eben um die Mitte des 11.Jahrhunderts erscheinen die Grafen von Oltigen. Ob diese nur auf dem rechten Aarufer gewaltet, ob ihr Gebiet ein Theil des obern Aargaus gewesen, wissen wir nicht.

Am Ende des 11. Jahrhunderts wird der erste Graf von Fenis bekannt. Kurze Zeit später tauchen die Grafen von Laupen auf. Man hat viele Vermuthungen über ihren verwandschaftlichen Zusammenhang aufgestellt, ohne dass sich eine sichere Abstammung ergeben hätte. Nur eine Thatsache wird feststehen, dass nämlich Graf Ulrich von Fenis der Ahnherr der Grafen von Neuenburg ist.

Im 12. Jahrhundert spielt noch Graf Udelhard von Sogren, der auch von Seedorf genannt ist, im Seeland eine Rolle; ob er aber hier gräfliche Rechte besass ist unbekannt.

Wie das neuenburgische Haus die Grafenwürde erhalten hat, ist ungewiss. Die Grenzen ihrer Grafschaft waren die Aare im Osten, die Sigger im Nordosten, der erste Höhenzug des Jura bis Neuenstadt im Norden; wieweit sie sich nach Westen und Südwesten erstreckte, steht nicht fest; vielleicht hat einst noch Freiburg dazu gehört. Im Südosten reichte sie nicht weiter als bis zur Mündung der Saane in die Aare. Im 13. Jahrhundert wird diese Grafschaft zum erstenmale Aarburg genannt, im Gegensatz zur Landgrafschaft Kleinburgund, im Osten. Die Grafen von Fenis, deren Stammsitz die längst zerstörte Hasenburg bei Vinelz ist, besassen ausserdem noch Neuenburg und Ergenzach (Arconciel) im Freiburgischen.
Die Grafschaft galt als theilbar. Wie sich das Geschlecht bereits in eine gräfliche und herrschaftliche Linie( diese in Neuenburg) getheilt, verzweigte sich die erstere noch mehr: Von Ulrichs Söhnen erhielt der älteste, Rudolf um 1225 mit der landgräflichen Würde Nidau, Ulrich Aarberg und Berchtold Strassberg.

Diese Grafen(denn mit der Zeit gebrauchten alle den Titel) standen als Landes- und Herrschaftsherren in so enger Beziehung zu ihrem Gebiete, dass die Klasse des Adels hier nicht gedieh und auch an Zahl gering blieb.

Zum Dynastenadel gehörten:

Die von Ligerz, Lobsigen, Lyss (?), Oltigen, Schwanden, Strassberg (nicht zu verwechseln mit den Grafen) Twann

Zum niederen Adel, den Ministerialen: die von Biel, Büren, Erlach, Ins, Kallnach, Kosthofen, Lamligen, Ligerz, Lobsigen, Mett, Möringen, Nidau, Rugerol, Oltigen, Pheit, Pieterlen, Prägels, Schüpfen, Spins, Werde.

Strenge lassen sich hier die beiden Klassen nicht trennen. Der Stand einiger Familien, wie Lyss, ist nicht mit Sicherheit anzugeben. Andere sanken von dem vornehmen Range und setzten ihren Stamm als einfache Adlige fort. Oft aber übertrug ein Ort verschiedenen Geschlechtern seinen Namen, wie es z.B. Grafen, Freiherren und Edle von Oltigen gab.

Der Wanderer, der nach malerischen Trümmern der alten Ritterzeit sucht, wird enttäuscht werden. Von mittelalterlichen Burgen findet er nur mehr bei Vinelz (Hasenburg) , bei Büren (Strassberg) ,Ligerz und Oltigen Spuren und auch nur, wenn ein Landeskundiger ihm den Weg weist. Von Aarbergs altem Schlosse stehen nur mehr die Grundmauern. Das spätere trägt  wie jenes von Büren eine neueres Gepräge. Um so besser erhalten prangen die Schlösser von Erlach und Nidau und der Schlossberg bei Neuenstadt als Zierden der Landschaft, und alle diese mit Ausnahme von Ligerz und von den bischöflichen Schlossberg sind Grafensitze.