Die römische Zeit

Im Jahre 58 vor Chr. Hat Cäsar die nach Gallien auswandernden Helvetier geschlagen und in ihr Land zurückgetrieben. Helvetien kam unter römische Botmässigkeit zu stehen und wurde der Provinz Gallia Belgica zugetheilt. Mit der Herrschaft der Römer kam auch ihre Kultur. Das Land wurde dem Handel geöffnet und wohl kamen diesem die breiten Strassen zu statten, die zur militärischen Sicherung dienten.

Gerade das Seeland bietet noch viele Reste solcher Strassenanlagen. Vom Genfersee, wo Cäsar Reus (Colonia Equestris, Roviodunum, Rhon) gegründet , führte eine grosse Strasse zunächst den See entlang, dann nördlich nasch Aventicum (Wiflisburg, Avenches) und von da über Murten, Kerzers und Fräschelz. Gleich nördlich davon, im heutigen Kanton Bern, sind ihre Spuren deutlich zu ersehen. Wir können sie bis zum Merzligen-Moos verfolgen. Wahrscheinlich hat sie sich zwischen Mezligen und den Werdthöfen verzweigt und beiderseits um den Jensberg gezogen. Deutlich findet man sie noch heute 2-3 Fuss hoch, im Safnerenwald am Südabhang des Büttenberges; Pieterlen 1 Stunde links lassend, uog sdie sich durch die Felder südlich von Lengnau weiter nach Solothurn. Ebendahin führte vom Jensberg eine zweite Strasse, die von Dotzingen an über Rüthi, Arch und Leuzigen zu verfolgen ist.
Pflastersteine auf dem Wege nach Mett beweisen die Richtung nach dem Norden , dem Jura, wo ein vollständiges Netz von Wegen bestand.

Die Strasse vom Genfersee über Aventicum nach Solothurn war, die grtosse Pulsader, auf welcher der römische Verkehr durch die Schweiz sich bewegte.

Eine Strasse führte ferner von Bargen, Seedorf nördlich lassend, östlich; doch ist sie heute nur mehr bei Frienisberg und Bütschwyl nachzuweisen. Auch südlich vom Jolimont war ein Weg angelegt; in Gampelertmoos, bei Zihlbrück findet man Spuren, ebenso im Amtsbezirke Büren bei Busswyl, Büetigen und Diesbach.
Im Waadtlande dient der Name Chemin de l’Estrat oder Etrat zur Bezeichnung einer Römerstrasse; er stammt aus dem Lateinischen via strata, wie auch unser deutsches Wort Strasse. Im Seeland hat die Römerstrasse heute verschiedene Namen. Bei Kerzers Heidenweg, heisst sie bei Kallnach Römer- oder Gräfistrasse ( letzteres geht wie der waadtländische Name Chemin de la Reine in sagenhafter Weise auf die Königin Bertha zurück), bei kappelen nennt man sie Hochstritz, bei Port Heidenweg, ebenso bei Gampelen, Bargen und Seedorf, bei Dotzigen Hägstrasse (auch hier wird sie der Gräfin zugeschrieben) u  d auf dem Jensberg der hohle Weg. Verdienste um diese Erfoschungen haben die Herren Müller von Nidau, Schwab von Biel und Ingenieur Kutter von Bern.

Ueber den Bau der Strasse sagt F.Keller ‚Fast überall erhebt sie sich als ein Fuss hoher Damm über die Eebene …. Das eigentliche Fundament der Strasse ruht auf festen Lehm und ist ein 9 Zoll breites horizontales Steinbett, welches aus 22 bis 24 grossen aufracht gestellten Kieselsteinen besteht, deren Zwischenräume mit Steinsplittern ausgefüllt sind. Auf diese ungemein feste Unterlage ist der eigeentliche Strassenkörper, nämlich Kies und Sand (Grien) der keiner Reinigung unterworfen war, ausgebreitet. Die oberste Schicht welche eine geringe Wölbung erkennen lässt, besteht aus reinerem Kies.‘

Zu beiden Seiten dieses Mittelstückes war moch Raum für die Fussgänger, so dass nach Keller die ganze Strassenbreite 20 oder noch mehr Fuss betragen mochte (6m) Der wichtigste Punkt nun des ganzen Strassennetzes zwischen Aventicum und Solodurum war die Ortschasft Petinesca auf dem jensberg. – Gerade nördlich von Petinesca scheinen die Niederlassungen der Römer sehr zahlreich gewesen zu sein;Port an der Zihl hat gewissseinen Namen ‚Port‘ gerechtfertigt. Die Zihl birgt weithin in ihrem Laufe, bis Zihlwyl, eine Menge römischer Alterthümer. Indem wir die römischen Funde bei den Orten, wo sie gemacht wurden, erwähnen, mag hier ein kurzer Überblick genügen.

Die Gegend zwischen dem Neuenburger- und Bielersee, die St.Petersinsel, Ligerz und Umgebung, sodann die Aemter Nidau (obere und untere Grafschaft) und Biel zeigen die meisten römischen Spuren; das Amt Büren hat solche fast nur, wo die Starssen angelegt waren, bei Diesbach zerstreut und meistentheils unbedeutend sind die Fundorte im Amtsbezirk Aarberg.
Zwei Schriften des Alterthums selbst geben uns über die grosse Strasse Aufschluss: das Itinerarium Antonini, ein Reisebuch, das dem Kaiser Antoninus zugeschrieben, aber nicht vor Constantin verfasst wurde (Fontes I. 49-51) und die sog. Tabula Peutingeriana, eine nur mit Rücksicht auf die Entfernungen gezeichnete Karte der den Römern bekannten Erde. Letzere stammt aus der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts; erthalten ist nur mehr eine Kopie von 1265, die dem Rathsherren Konrad Peutinger von Augsurg gehörte. Das Itinerar giebt die Entfernung Petinescas von Aventicum auf 13 und von Solodurum auf 12 Meilen an, die Tab. Peut. auf 14 und 10. In Kilometer übertragen sind es für das erstere 28,8 und 22,2; für die letztere 31,1 und 22,2 – auf der heutigen Fahrstrasse beträgt die Entfernung 34,2 und 22 Kilometer. Es ist also die römische Distanzangabe eine überraschend genaue.