Die Grabhügel
Nachrichten über die letzten Jahrhunderte vor und die ersten nach Christi Geburt gewähren hier zu Lande noch Werke menschlicher Hände, die uns gerade im Seeland besonders häufig begegnen: Erdburgen und Grabhügel.
Dolmen, übereinander gelegte Felsblöcke, unter denen die Leichen bestattet und die gewöhnlich von einem kegelförmigen Hügel bedeckt waren, giebt es in der Schweiz nicht. Die ältesten Grabstätten sind hier weder tief in den Boden versenkt, noch von einem Erdaufwurf bedeckt. Ihre meist bronzenen (nicht steinernen) Beigaben, Schmuck und Kriegsgeräthe, deuten auf die Zeit der späten Pfahlbaubewohner hin.Einer späteren Periode gehören die Gräber an, welche den verbrannten oder unverbrannten Leichnam in freier Erde oder in gemauertem Grabe bergen und von einem Hügel bedeckt sind, den oft noch Steinkränze umgeben. Ein Hügel bedeckt oft mehrereGräbert. Die Höhe der Hügel erstreckt sich von einem bis zu zehn Metern. Da sie keine Stein- , wohl aber Bronze- und Eisengeräthe enthalten, werden sie in die ältere Eisenzeit zu verlegen sein. Römische, aber niemals christliche Funde in den Gräbern beweisen, dass diese Art Bestattung auch noch gebräuchlich war, als Helvetien zum römischen Reiche gehörte. Ja auch die Alemannen haben sie sich zu eigen gemacht.
Da die Westschweiz sich dem Romanenthum mehr erschloss als die Ostschweiz, wird man sich nicht wundern, in ihren Grabhügeln auf eine reichere und künstlerische Ausstattung zu stossen. (F.Keller, Beschreibung der helvetischen Heidengräber und Grabhügel, allg. Bemerkungen über die Heidengräber in der Schweiz, im 3. Band d. Mitth. Der Antiquar. Gesellschaft in Zürich und über die Grabhügelbestattung in der Schweiz im Anzeiger für schweiz. Alterthumskunde 1870, S. 189 – 196)
In dieselbe Zeit wie die Grabhügel werden wohl auch die Erdburgen oder Refugien zu versetzen sein. Auch hier, wie bei den Pfahlbauten, sind die einzelnen Alter deutlich zu unterscheiden. Die Burg Châtelard bei Beauvair enthielt 225 Steinäxte, 5 Rephiritzäxte u.f.w. Der Mont Terrible bei Pruntrut ergab sich als eine Burg aus der Uebergangszeit vom Bronze- zum Eisenalter.
Manche Erläuterung kommt uns aus Frankreich, dessen Bewohner mit den Helvetiern einer Rasse waren; es sei hier besonders auf Napoleons III. Brachtwerk Histoire de Jules Cèsar verwiesen.
Die Anlage einer Burg war gewöhnlich in der Weise gewählt, dass man den Ausläufer eines Bergrückens oder Höhenzuges, der nach drei Seiten steil abfiel, on dem Höhenzuge durch einen tiefen Graben trennte. Es ist selbstverständlich, dass die Stärke des Platzes durch Pfahlreihen noch erhöht wurde. Solche Erdburgen sind im Seeland die Teufelsburg bei Rüti, der Kastelenhubel bei Frienisberg, die Burg bei Aarberg, die Buirg bei Schwanden, der guldig Hubel bei Janzenhaus.
Bevor wir weiter gehen, sei noch einer Erscheinung Erwähnung gethan, die vielleicht nicht das Audsehen verdient, das man zuerst von ihr machte. Namentlich in der Umgebung von Biel sind viele Steine, meist errratische Blöcke, gefunden worden, deren Oberfläche eine Menge runder Vertiefungen zeigt, die das Aussehen von Näpfchen oder kleinen Schalen haben. Eine deutungsflüchtige Wissenschaft wollte in der Lage dieser Schälchen eine besondere Bestimmung erkennen.Bald war von Thierfiguren, bald von einer Himmelskarte, bald von Geographie die Rede, die in unverordentlichen Zeiten in Stein verewigt worden seien. Bis zum heutigen Tage lässt sich aber mit Gewissheit nicht mehrsagen, als dass die Steine mit grossen Schalen von Hand bearbeitet sein und zur Thier- oder Menschenopferung gedient haben dürfen, z.B. der Schalenstein im Luterholz bei Biel; die kleinen Aushöhlungen können durch einen natürlichen Prozess entstanden sein. Immerhin bedarf die Frage noch der Aufklärung