Die Eisenzeit

So wenig eine zeitliche Grenze zwischen der Steinzeit und der Bronzezeit gezogen werden kann, ist dies mit der Bronze- und der Eisenzeit der Fall. Das Eisen kam in Gefolge der Bronze nach Mitteleuropa; nimmer mehr lässt sich sagen, wann und wieso das geschah. So gross aber war sein Import, dass die letzte Bronzezeit und die erste Eisenzeit zeitlich zusammenfallen. Immerhin mag der Beginn der ältern Eisenzeit, der sogenannten Hallstadtperiode, auf das Jahr 1000 angesetzt werden. Die Griechen und Illyrier waren es, die noch in der Bronzezeit von den Skythen das Eisen kennen lernten und den Hallstadtstyl ausbildeten, bevor sie sich nach Westen und Norden ausbreiteten und vorderasiatische Elemente aufnahmen, die sie auch weiter verarbeiteten. (Hörnes 532) So dehnte sich die Hallstadtkultur aus über Tyrol und die Schweiz, ganz Süddeutschland, Elsass und Frankreich; nur nach Spanien gelangte sie nicht. Ihre Blüthe erreichte sie in den Ostalpenländern.

Den Namen hat sie von dem Fundort Hallstadt in Oberösterreich, dessen grosse Salzschätze es wohl erklären, wie so viele Reichthümer herströmten. Lange hielt die Bronze dem eindringenden Eisen stand, lange bestanden sie neben einander, bis die Bronze zuerst in der Verfertigung von Waffen und Werkzeugen, dann von Schmucksachen zurücktrat. So finden sich zum Beispiel in Hallstadt selbst mehr bronzene als eiserne Schmucksachen, aber mehr eiserne als bronzene Waffen.

Mit dem Eisen kam eine nüchterne Zeit. Die Pracht und der Reichthum der letzten Bronzezeit, wie sie noch in die Hallstadtkultur hineinragte, musste weichen und wie es vielerorts z.B. in der Ostschweiz, mit den Pfahlbauten der Steinzeit gegangen war, als die ersten Metalle ihren Einzug hielten, so war es nun mit vielen Pfahlbauten der Westschweiz der Fall: Sie erlagen all jenen Neuerungen, die das Eisen mit sich brachte. Von allen Stationen des Bielersees kam eine mehr in der Eisenzeit zu Ansehen und Blüthe.

Wie aber die Hallstadtkultur von Osten her sich verbreitete, so sollte auch der Westen einen neuen Lebenszug erspüren. Lange bevor von einer Völkerwanderung die Rede sein konnte, erwiesen sich die Kelten als das beweglichste, unruhigste aller Völker. Fremden Einflüssen leicht zugänglich, unternahmen sie vom vierten Jahrhundert an die grössten Züge, bis nach Kleinasien, wo sie das Reich Galatien gründeten. Im Süden ihres eigenen Landes lag die griechische Handelsstadt Marseille: über das blaue Meer fuhren die Schiffe der Karthager, die den Kelten keineswegs fremd waren. Durch diese Beziehungen zu Hellas und Phönizien nahmen sie auf direkterem Wege viel Oreintalisches auf. So unterscheidet sich diese Zeit (400 bis zum Regime der neuen Zeitrechnung) die noch mehr den Charakter des eisernen Zeitalters gewinnt, ganz von der Hallstadtperiode . Man nennt sie nach dem Pfahlbaukastell bei La Tène unweit Marin am Neuenburgersee, wo an die 100 Eisenschwerter und Lanzen gefunden worden, die La Tène-Periode. Wohl ist die Kultur nicht still gestanden, wohl hat sie manche Annehmlichkeit gebracht: granitene Handmühlen erleichtern das Mahlen, Würferl dienen zum Zeitvertreib, einige noch rohe Münzen erleichtern den Handel, geschirrte Pferdfe ziehen den Wagen, vor allem aber wird das Thon auf Töpferscheiben geformt und weiss man Geräthen durch kostbare Schmelzarbeit Glanz und Werth zu verleihen, - aber all‘ diese Fortschritte retten nicht vor dem Ueberhandnehmen des nüchternen, oft rohen, immer praktischen Sinnes.

Der grösste Fundort der La Tène-Periode ist wohl Bibrach bei Autun, wo einst Cäsar die keltischen Helvetier schlug; aber , weit über die Grenzen Galliens hinaus drang sie. Ihre Spuren findet man in Ahlesford in Kent (England), in Hradist bei Stradonic in Böhmen, in Ungarn,Krain, ja im alten Epirus und im Norden eigneten sich Germanen und Skandinavier die Eisencultur an.

Etwa 400 Jahre währte die Herrschaft der Kelten. Oft genug stiessen sie im cisalpinischen Gallien mit ihren südlichen Nachbarn zusammen. Bis nach Rom drangen die kriegerischen Gesellen und in die Wagschale legte Brennus das eiserne Schwert. Doch ermannte sich Rom. Zurück wichen die Gallier. Die Cisalpina ward gewonnen, über die Alpen drang Roms Gebot und alsCäsar mit seinen Legionen Gallien durchkreuzte, sank der Kelten Herrlichkeit zusammen.

Die Helvetier fühlten nicht weniger des römischen Imperators Gewalt. Auch in ihrem Lande baute Rom seine Castelle und gründete Städte und Märkte. Die Dörfer alle im Bielersee gingen unter, wahrscheinlich in Feuer und Flammen.