Die Bronzezeit
Die Bronze, bekanntlich eine Mischung von Kupfer und Zinn, stammt aus dem Osten. Die Vorzüge die sie voer dem Steine hatte, die leichtere Behandlung, die grössere Dauerhaftigkeit und rein äusserlich genommen, der in die Augen stechende Glanz beförderten ihre Verbreitung und Verwendung. So finden wir sie in der Westschweiz, in Ungarn, England, Skandinavien, Norddeutschland und Oesterreich.
Zu einer wahren Blüthe gelangte sie in der Schweiz und vermochte sich so lange zu halten, von einer Weltstellung war, der Bodenschättze entbehrte und keinen Handel führte oder vermittelte. Zuerst kamen Bronzebeile und Randleisten im Gebrauch, sowie Dolche und Schwerter von jener Schildblattform, wie sie zur Genüge aus dem Oriente bekannt ist. Die jüngere Bronzezeit brachte Hohlbeile, verzeirte Messer und Dolche und Schmucksachen aller Art: Nadeln, Knöpfe, schimmernde Armspangen. Ebenso zeugt die Töpferei von grosser Entwicklung. Material und Arbeit sind viel besser.
Noch dienten als Waffen: Schwert, Dolch, Lanze Pfeil, zum Schutze benutzte man den Schild. Aber die Zahl der Geräthe hatte sich bedeutend vermehrt. Zu Beil, Hammer, Meissel und Messer traten Wetzstein, Säge, Nähnadel und Grabstichel, Handsichel und Fischangel. Sogar Rasiermesser stellen sich ein. Modelle und Schmelztiegel dieser Werkzeuge fehlen nicht.
Eine noch grössere Zahl dient dem Luxus. Da sind Nadeln aller Art, Haarnadeln, Hals-, Finger- und Nasenringe; zum Befestigen und Heften der Kleider dienen Agraffen und Knöpfe; zierliche Beschläger haben hefte, bei Vornehmen sind sie gar aus Gold und Eisen. Glasperlen, Bernsteinketten, Amulette vollenden die Reihe.
Wohl lag der Mann immer noch der Jagd und dem Fischfang ob. Ihm gewiss war der Gebrauch des Pferdes vorbehalten, das man bereits zu zäumen wusste. Dass es auch Wagen gab, ist erwiesen. Eigentlich noch mehr hatte die Frau zu thun. Sie musste die Haushaltung besorgen, das Vieh füttern, Flachs und Mohn pflanzen. An vielen Gefässen findet man kleine Fingerabdrücke und schliesst daraus, die Töpferei sei Sache der Frauen gewesen. Unzweifelhaft haben sie die so wundervoll gewundenen und geformten Strähne (Strangen) gesponnen, die man in einigen Stationen aufgefunden hat und gewoben, sowie sie auch die Kleidungen angefertigt haben. Dass solche vorhanden waren, beweisen die zahlreichen Agraffen, Fibeln und Nähnadeln.
Auch das Innere des Hauses ist vollkommener geworden – es giebt Tafelgeschirre, ja eine Henkeltasse ist gefunden worden. Und damit auch die Kinder ihren Zeitvertreib hatten, erfand man die Spielklappen. Als Material gebrauchte man noch Knochen, Stein weniger mehr Horn, neuerdings Bernstein. Ein neuer Stoff kommt auch schon hinzu, wie Silber und Gold erst nur zur Verzeirung dienend, das Eisen, nach dem die dritte Periode der Urgeschichte benannt wird.
Die grösste Bronzestation am Bielersee war Mörigen, dessen Funde das Museum Schwab in Biel zieren. 1852 entdeckt, ist sie doch erst 1873 auf 1874 und zwar von den Herren F. von Fellenberg und F. von Jenner aus Bern gründlich erforscht worden. Sie ist ein wahrer Inpus der Bronzezeit.
Eine 900 Fuss lange auf Doppelreihen erbaute Brücke vermittelte die Verbindung mit dem Land. Diesem grossen Werk entsprach auch die ganze Anlage des Dorfes, das eine Hektare Flächeninhalt hatte. Als ein besonderer Fortschritt dürfen die Gusswerkstätten betrachtet werden, deren Erzeugnisse der ganzen Ansiedlung zu statten kamen.
Überhaupt unterscheiden sich die Pfahlbaudörfer der Bronzezeit von jenen der Steinzeit dadurch, dass sie in geringerer Zahl aber grösserer Ausdehnung und in grösserer Entfernung vom Lande angelegt wurden. Nach alledem erscheint das Geschlecht der Bronzezeit in einem vortheilhaften , ja glänzendem Lichte: Der vollbewehrte Krieger strahlt im Waffenschmuck, mit Pfeil und Lanze, mit Schwert und Schild. Die arbeitsamen Frauen kleiden sich in selbstgewobene, wohlgenähte Stoffe, des wärmenden Pelzwerks zu geschweigen; schimmerndeAgraffen halten die Kleider zusammen, Hals und Arm sind herrlich geschmückt mit Bändern und Spangen, die ein Einheimischer kunstvoll gefertigt oder ein Fremder gebracht.