Jakob im Bruch

Mit kurzen eiligen Schritten, die Hacke geschultert wie ein Gewehr, so sah man den alten Jakob daher kommen, immer darauf erpicht, die Gelegenheit zu einem Schwatz nicht zu Versäumen. Er hatte ein gutes Gedächtnis und konnte sich mit Klarheit an den Einzug der Burbaki-Armee und an Einzelheiten aus dem ersten und zweiten Weltkrieg erinnern. Als er wieder einmal in seiner RoggetenRebe gearbeitet hatte und auf dem Heimweg begriffen war, klaffte ein grosses Dreieck in seiner Hose. Er sei am Zaun hängen geblieben, erklärte er mir; aber eigentlich habe sie ihren Dienst getan diese Hose, denn er habe sie gefasst als er Korporal geworden sei. Da ihr Träger damals 82 Jahre zählte, konnte ich nur erwidern: «Das muss ein guter Stoff gewesen sein! ›› Seine welsche Frau ging seit vielen Jahren nicht mehr unter die Leute, denn von einem Unfall her blieb sie im Gehen behindert und gewöhnte sich daran ihren «Jacot» allein ziehen zu lassen. Aus dem Jura stammend, hatte sie den schrulligen Seeländer geheiratet und sich wohl nie recht an seine eigene Art gewöhnt. Ältere Leute erinnerten sich an sie als an eine gutartige, lebhafte Person, die kokett ihren langen hintengerafften Rock schwenkte, wenn sie durch das Dorf getrippelt kam, mit einer Hand den «Chignon» festhaltend, den sie zuoberst auf dem Kopfe trug.


Früher hatte Joggi Geissen im Stall gehabt und eine Kuh. Letztere habe immer gehustet, wenn er sie zum Dorfbrunnen führte. Das ärgerte ihn und man hörte ihn brummen: «Suuf jetz u hör uf hueschte, süsch meine d'Lüt du heigisch d‘Uszehrig.» Das rüstige Zahnlücken-Männlein, dessen Gesicht jedes Jahr um einen Schatten dunkler wurde, war bis zuletzt in seinen Reben tätig, doch bemerkte er oft hässig, er sei nicht mehr viel wert.

Seine Batzen zählte er sorgfältig, wenn er im Laden das Notwendigste für den Haushalt einkaufte und dabei die Anwesenden mit seinen Sprüchen unterhielt. Bald nach seinem 90. Geburtstag starb Jakob in seinem alten grauen Haus im Bruch, als letzter männlicher Nachkomme des Geschlechts der «Lauben-Tschantré », das während Generationen bis 1924 die «Laube» in Alfermée bewirtschaftete. Seine Frau schien nach seinem Tode das Dasein neu zu geniessen. Sie wurde beweglicher, pflegte ihr Gärtchen und verlor ihre Menschenscheu. Dennoch überlebte sie ihren viel älteren Mann nur um fünf Jahre.