Schwimmbad Limpachtal in Messen
Seit langem bestand im Limpachtal und seiner nächsten Umgebung das Bedürfnis nach einer zentral gelegenen Schwimmbadanlage. Es waren vor allem auch die Schulen, die das Fehlen einer solchen Anlage empfindlich spürten und den notwendigen Schwimmunterricht oft nur unter erschwerten und zeitraubenden Umständen erteilen konnten. Dazu kam, dass modern eingerichtete Schwimmbäder auf dem Lande immer beliebter wurden. Diese Umstande führten dazu, dass für das Limpachtal und seine nähere bernische und solothurnische Umgebung die Erstellung eines eigenen Schwimmbades in Erwägung gezogen wurde. Folgerichtig entsandte der Gemeinderat Rapperswil im Frühjahr 1967 eine Zweierdelegation an die Gründungsversammlung einer Studienkommission.
Geplant war die Errichtung einer öffentlichen Anlage oberhalb des Restaurants lschbad in einer bescheidenen Grössenordnung mit einem Kostenaufwand von etwa 260‘000 Franken. Spätere Erweiterungsmöglichkeiten sollten nicht zum vornherein ausgeschlossen werden.
Die Gemeinde Messen würde das benötigte Areal gratis bereitstellen. Der Hauptinitiator, Viktor Kleinert aus Oberramsern, würde für die Vorstudien und Projektausarbeitung privat einen Beitrag von 15000 Franken zur Verfügung stellen. Grundsätzlich fand die Idee im Limpachtal eine begeisterte Aufnahme, obwohl auch verschiedene Gemeindevertreter ihre Bedenken der Finanzierung und den Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen gegenüber äusserten.
Lange Gesichter gab es am 26. August 1967, als der Gemeinderat von Rapperswil vernahm, dass das Schwimmbad nun auf rund 800‘000 Franken zu stehen kommen würde. «Die Diskussion ergab, dass es vermutlich schwer werden wird, bei unseren Bürgern für dieses Projekt auf Gegenliebe zu stossen, besonders mit Rücksicht darauf, dass der Weg nach dem lschbad als zu weit empfunden werden könnte.»
Man wollte darum in Schüpfen anfragen, was dort geplant werde. Der Gemeinderat Schüpfen antwortete, dass die Erstellung einer Badeanlage zu den Zukunftsaufgaben seiner Gemeinde gehöre, und dass man einem Zusammenschluss mit Rapperswil zur Realisierung eines Schwimmbades positiv gegenüber stehe. Man schloss aus dieser Antwort, dass der Schwimmbadgedanke in Schüpfen noch in weiter Ferne liege. Erneute Betroffenheit löste der Ende November 1967 von der Schwimmbadgenossenschaft Messen zugestellte neue Kostenteiler aus, der vom ursprünglichen Schwimmbadplan wesentlich abwich und die Gemeinde Rapperswil finanziell erheblich stärker belastete, nämlich mit 84‘000Franken.
«Es besteht die Auffassung, dass man mit einem solchen Kreditbegehren an der Gemeindeversammlung auf verlorenem Posten sei,» Man beschloss, der Versammlung eine Mitbeteiligung von 50 000 Franken vorzuschlagen. «Man sieht aber trotzdem Opposition aufkommen»
Hohe Wellen an der Gemeindeversammlung
Unter dem Titel «Schwimmbadangelegenheit» wurde das Geschäft für die Gemeindeversammlung vom 9. Dezember 1967 traktandiert. Gemeindepräsident Ferdinand Muster stellte das Projekt vor und fuhr wörtlich fort: «Der Gemeinderat ist zum Schluss gekommen, dass die Notwendigkeit eines Schwimmbades unbestritten ist und früher oder später einmal gelöst werden muss. Bei einem solchen Unterfangen handelt es sich um ein Regionalwerk, welches unmöglich von einer einzigen oder vielleicht zwei Gemeinden gelöst werden kann. Vielmehr bedarf es der Anstrengung mehrerer Gemeinden, wenn etwas Rechtes und finanziell Vertretbares zustande kommen soll. Mit Rücksicht darauf dass der ständig zunehmenden Landflucht nach bester Möglichkeit begegnet und unserer Jugend in der ländlichen Region etwas geboten werden sollte, kam der Gemeinderat zum Schluss, der Gemeindeversammlung eine Mitbeteiligung von 50 000 Franken zu beantragen,»
ln der Diskussion wurden die Anlagekostenberechnung und die aufgestellte Betriebskostenberechnung in scharfen Worten als völlig unrealistisch kritisiert. Die Vertreter der Lehrerschaft, welche bisher überhaupt nie konsultiert worden waren, erachteten die Entfernung zum Schwimmbad als Haupthindernis zur Erteilung eines regelmässigen Schwimmunterrichts. Es sei zu riskant, sich mit Schülergruppen mit dem Fahrrad auf einer Hauptstrasse zum Schwimmbad zu bewegen. Mit 86 gegen 20 Stimmen wurde die finanzielle Mitbeteiligung der Gemeinde wuchtig abgelehnt.
Die Schwimmbadgenossenschaft lässt nicht locker
Das Schwimmbad wurde schliesslich ohne Beteiligung der Gemeinde Rapperswil realisiert. Die Schwimmbadgenossenschaft gab allerdings die Hoffnung nicht auf, wenigstens den Schulbezirk Bittwil - Zimlisberg nachträglich zu einer finanziellen Mitbeteiligung zu bewegen. Man dachte an einen einmaligen Beitrag von 10000 Franken und eine Defizitgarantie für 1/24 der jährlichen Betriebskosten. Im Verlaufe des Jahres 1969 wurde eine von 67 Mitbürgern aus dem Schulbezirk Bittwil-Zimlisberg unterzeichnete lnitiative eingereicht. Der Gemeinderat möge das Angebot der Schwimmbadgenossenschaft Messen prüfen und der Gemeindeversammlung zur Beurteilung vorlegen.
Die Gemeindeversammlung muss ein zweites Mal entscheiden
An der Gemeindeversammlung vom 13. Dezember 1969 argumentierten die lnitianten aus Bittwil-Zimlisberg, dass das Bad sehr schön ausgebaut worden sei, und dass dieses Gemeinschaftswerk vorbehaltlose Zustimmung verdiene. Ein Beitrag der Gemeinde würde als ein Akt der Solidarität und der Sympathiebezeugung gegenüber den Nachbargemeinden angesehen. Sollte später in Schüpfen ein Bad entstehen, würden bestimmt gleiche Begehren von lnitianten aus Wierezwil, Frauchwil, Seewil und Rapperswil kommen. Man würde so den Interessen der einzelnen Dörfer besser gerecht, wenn man sich mit kleineren Beiträgen an verschiedenen Schwimmbädern beteiligen würde.
Die Gegner erklärten, dass die Gemeinde erst seit einem Jahr zentralisiert sei und jetzt nicht wieder jeder Schulbezirk eigene Wege gehen dürfe. Zudem handle es sich nicht nur um diesen einen, einmaligen Betrag, sondern die Mitbeteiligung am Defizit komme jährlich noch hinzu. Die grosse Mehrheit der Anwesenden stimmte schliesslich gegen eine finanzielle Beteiligung, womit die Schwimmbadangelegenheit endgültig besiegelt war.
Verständlich, dass auch einer Anfrage des Gemeinderates von Schüpfen am 10. September 1970 kein Erfolg beschieden war. Die Niederlagen mit dem Projekt Limpachtal schmerzten noch zu sehr, um sich schon wieder in ein neues Schwimmbadabenteuer zu stürzen.