Albert Anker (1831-1910)

ist in der Erinnerung älterer lnser noch gegenwärtig, auch im Zusammenhang mit der «Gvätterli-» oder «Gäggelischuel» , die von Jumpfer Stähli, einer Angestellten von Madame de Pury, im 1970 für die Strassenkorrektion abgebrochenen Maderhüsli betrieben wurde (vgl. F. Probst M. Janson, Albert Anker, sein Dorf und seine Modelle, 1954, S. 19f und die entsprechende Aufzeichnung von Hans Busenhart im Kirchgemeindearchiv).

Fräulein Marie Anker gehörte zu den letzten, die den Maler vor seinem Tode besuchten; oft war Anker in ihrer Schulstube gestanden, betrachtete die Kinderschar und suchte nach Modellen - da flüsterte er etwa einem Blondschopf ins Ohr: «Gell, chunsch de morn es bitzeli zu mir.» -

Vor dem Aufkommen der Photographie wurden die Verstorbenen auf dem Totenbett zur Erinnerung gemalt. Als Anker einmal ein verstorbenes Kind zu malen hatte und aus der Stube kam, sass die Mutter in der Küche und weinte; da sagte der Maler zu ihr: Den reichen Leuten sterben die Kinder und den armen die Geissen.

Ein weiterer Erzähler weiss noch genau, wie Anker die Bärentreppe hinaufstieg, in Holzböden mit Filzschaft. und aus dem Hosensack hing ein Zipfel des Nastuchs, das nach Gebrauch jeweils nur zur Hälfte in die Tasche zurückkam.

Zu einer Modell stehenden Frau soll der Maler gesagt haben, es gäbe nichts Schöneres als geflickte Kleider.

An einem Sonntagmorgen kreuzte Anker just vor dem «Rössli» Alfred Romang, Sekundarlehrer in Ins 1900-1907, und liess nicht locker, bis dieser mit ihm noch rasch vor der Predigt ein Rocili Schnaps genehmigt hatte; der Schnaps-Bündeler, Bundesschnaps oder Bundescheib wurde damals in der Wirtschaft nur deziliterweise abgegeben, und diese Menge mag den Lehrer im ersten Augenblick erschreckt haben.

Die durch Ankers Bild berühmt gewordene Armensuppe wurde bis 1908 beibehalten und befand sich im Hause von Fritz Röthlisberger (Moosgasse 7); sie war immer ausgezeichnet und wurde später nicht mehr allein von den Armen bezogen, vor allem auch von auswärtigen Schulkindern.

«Hänsu-Schang», richtig Hans Anker, Nachbar des Malers und einst Modell als «Knabe mit der Schiefertafel››, stand einmal vor seinem Haus an der Müntschemiergasse und schaute dem Verkehr zu. Ein Tourist streckte den Kopf aus dem Wagen und fragte: «ls this the road of Berne?» (ist das die Bernstrasse?). Unser Eisser schüttelte verständnislos den Kopf: «l cha doch guet franzeesisch, aber do verstoh i gar käi Wort !»