Bräuche und Festlichkeiten
An langen Winterabenden sass man bei «Stubeten›› zusammen, die Mädchen und Frauen spannen, und es wurde gesungen. Später trafen auch die Burschen ein. Kaffee und Chüechli wurden aufgetischt, und es ging lustig zu und her. Eieraufleset und Tannenfuhr fanden meist am selben Fest statt; eine Gemeindetanne wurde der Jungmannschaft geschenkt und versteigert, zum Umzug verkleidete man sich. Maitannen werden noch heute aufgestellt, für unbeliebte Mädchen seinerzeit auch faule Bäume. Vor allem in der Nacht vom 30.April zum 1. Mai verschleppten die Nachtbuben allerlei Gegenstände. Beim selten gewordenen Hochzeitsschiessen, mit Geld- und Weinspenden verbunden, ereigneten sich öfters Unfälle, Das Hochzeitsessen nahm man in der Regel zuhause ein. Sichleten spielten im Amt eine eher bescheidene Rolle oder waren ungebräuchlich. Das 1. Augustfeuer findet seit 1891 vielfach auf dem Platz der früheren Fastnachtsfeuer statt, in lns machten die Mädchen Papierrosen für die Pferde und das Wedelenfuder, das von den Knaben von Haus zu Haus zusammengebettelt wurde. Das Dorftheater stiess weitherum auf lebhaftes Interesse. Viele Vereine führten jedes Jahr ein Stück auf. Die Gründung erfolgreicher Männerchöre und Musikgesellschaften fällt fast überall in die gleiche Zeitspanne (Musikverein «Frohsinn» Tschugg und Mullen 1868, Musikverein Treiten 1890/1907, Männerchor Brüttelen 1896, Finsterhennen 1911, Vinelz 1912, Gampelen 1919 usw.).
Das Weibermahl in Finsterhennen findet noch heute alle 3 Jahre statt, modern meist in der Form einer Reise. Gemeindeschreiber Joh. Friedr. Probst schrieb darüber in seinen Aufzeichnungen «Das alte Finsterhennen» um 1914 (Burgerrodel): «Seit Jahrhunderten erfreuen sich die Frauen von Finsterhennen einer besondern Festlichkeit. Sie soll ihren Ursprung darin haben, dass die Frauen von Finsterhennen ein Pfarrfräulein in Krankheit pflegten, worauf dieses ihnen zum Dank eine gewisse Summe vermachte mit der Bestimmung, dass der Zins allein nach freier Wahl könne verbraucht, das Kapital aber nicht angegriffen werde. Gestützt auf diese Verfügung schuldete der h. Staat Bern den Weibern von Finsterhennen... (bei der Aufhebung der Bodenzinse aus dem Pfrundgut Siselen eine Auszahlung von) frs. 8.94. Die Frauen aber hatten von Anbeginn an bei jedem Mahle von den neu aufzunehmenden ein Eintrittsgeld erhoben und so nach und nach ein Kapital gesammelt von frs. ca. 150.-, das sie in der Ersparniskasse Erlach-Neuenstadt zinstragend anlegten. 1879 fallierte die Kasse, ausbezahlt wurden nur 85%. Nun sammelten die Frauen wieder und brachten das Kapital auf Fr 146.75. Durch ein Legat von Frau Anna Maria Balimann, Bendichts sel. Witwe, von Fr 400.- hat sich das Kapital nun erhöht auf frs. 546 Rp. 75, die bei der Burgergemeinde Finsterhennen zinstragend angelegt sind. Früher fand das Weibermahl nur alle 7 Jahre statt, der kleine Zins mit allfälligen Zuschüssen der Frauen und den fast regelmässigen der Gemeinde reichte nur für den Ankauf des Weines, das Essen brachte jede Frau mit ins Schulhaus, wo die Feier stattfand. Jetzt findet das Mahl alle 3 Jahre statt (wann die Maikäfer fliegen) und gehts etwas splendider zu. Männer aber dürfen gar nicht im Saal erscheinen»
Und nicht weniger traditionsreich sind die drei burgerlichen Korporationen, in denen das Eigenständige der Stadt Erlach gesellig weiterlebt: Musikkollegium, Berggemeinde und Witwen- und Waisenstiftung der Gesellschaft zu Rebleuten. Die beiden letzteren versammeln sich am Paulitag (25. Januar) im Rathaus.