Vom Haus und seiner Ausstattung

Ein einfaches, zweckmässiges Rieghaus wurde 1905 in Müntschemier für Fr. 12 500.- erstellt. Die Leute waren früher viel dienstbarer als heute und halfen beispielsweise bei einem Hausbau freiwillig den Keller ausheben. Bei der Aufrichte waren nicht nur die Berufsleute dabei, sondern das ganze Dorf, und man spendete dazu von allen Seiten Hamme und Dörrbohnen (ein älterer Bericht über Hausbau in Müntschemier bei Ch. Rubi, Volkskunst am Berner Bauernhaus, 1942, S. 10). Bei einer Aufrichte war «Fyrabedopple» allgemeiner Brauch. Der Pfarrer oder an seiner Stelle der Oberlehrer sprach zu den Versammelten, und man bat um den Segen für das entstehende Haus und dessen künftige Bewohner. Fürs Hinaufreichen der Ziegel wurden die grösseren Schulknaben aufgeboten - für die meisten eine vergnügliche Abwechslung, umso mehr, als es etwas zum Beissen gab; an Versicherung dachte niemand.

Die ältere Generation hat das Verschwinden der letzten Strohdächer schrittweise miterlebt (Gampelen kurz nach der Jahrhundertwende, Brüttelen 1919, Tschugg Ende des 2. Weltkriegs). An den tief herabreichenden Strohdächern bildeten sich im Winter Eiszapfen bis auf den Erdboden. 1901 brannten an der Müntschemiergasse in Ins drei Häuser ab, dem Haus von Maler Anker gegenüber; einer unserer Erzähler weiss noch gut, wie er als Sechsjähriger den Geruch des ungeheuren Rauchs wahrnahm und hoch über dem Bärenplatz brennende Strohfetzen segeln sah. Die Wasserversorgung der einzelnen Häuser nahm um 1904/20 Einzug. Finsterhennen war vorher ohne Gemeindesteuern ausgekommen. ln den Dörfern am Moosrand versiegten die Sodbrunnen seit der Binnenkorrektion; in Treiten musste das Wasser in den Weihern und sogar in den Mooskanälen geholt werden, sodass eine moderne Wasserversorgung nicht mehr zu umgehen war. Teils verfügten die Häuser über eigene Sodbrunnen, teils benutzten mehrere Haushaltungen den gleichen Sod. ln Brüttelen waren die Schächte bis 10 m tief, in Siselen gar bis 72 Schuh. Sodpumpen sind u. W. in Erlach/ Gostel (Brunnentrog 1839) und in Siselen (Brunnentrog 1840) erhalten. Das Sodwasser wurde fürs Waschen noch lange weiterverwendet. Daneben bediente man sich der Dorfbrunnen. in Gampelen war das Wasser oberhalb der Hauptstrasse brauchbar, unterhalb derselben hatte es oft die Farbe von Schwarztee. Die Elektrizität kam um 1902/12 in die Häuser, und das tägliche Lampenputzen, das

Ersetzen des Petrols und der Dochte fielen weg. Die Burgergemeinde Brüttelen übernahm für die burgerlichen Haushaltungen die Kosten von vier Lampen auf 10 Jahre. Viele Familien stellten erst 1915 auf elektrisches Licht um, als wegen des Krieges Petrol-Versorgungsschwierigkeiten auftraten und die USA-lmporte ausblieben. Strassenbeleuchtung war in den meisten Dörfern unbekannt. Elektrische Kochherde gibt es erst seit den vierziger Jahren; sie verdrängten das Potager mit Wasserschiff und Backofen, Nachfolger des früheren, aus Ziegelsteinen aufgemauerten Herds.

Die ersten Telephonanschlüsse besassen in der Regel die Wirte, die gegen eine jährliche Vergütung der Gemeinde die Anrufe ausrichten mussten. ln den meisten Ortschaften lässt sich noch heute die Ausbreitung des Telephons anhand der Nummern verfolgen.