Kleidung
So einfach wie die Ernährung, blieb lange auch die Bekleidung. Vor 1914 war eine stabile Zeit. Die Preise waren nicht hoch, man lebte sparsam, die Bauernbetriebe waren auf Selbstversorgung eingestellt.
Auch Hanf und Flachs hatte man im ganzen Amt, und selbst Schuhleder von eigenen Tieren war nicht selten. Ein Weber in Finsterhennen hatte sein Haus an der Stelle des heutigen Schulhauses. Der Schneider kam auf die Stör und blieb an der Kost, bis alle nötigen Kleider im Haus angefertigt oder rangiert waren. Einer unserer Erzähler erinnert sich noch gut, wie er der Störnäherin zum Dank für die ersten Hosen - bis ins Alter von fünf Jahren trugen auch die Knaben Röckchen » vom Ofen herunter ein «Müntschi» schicken musste. Eigentliche Trachten gab es nicht, ausser dem werktäglichen Hemd mit Kittelbrüstli älterer Frauen. Die lnserinnen trugen am Sonntag ihr «Chäppi», ein rundes, flaches, schwarzes Hütchen mit zwei langen Schleifen. Wohl jeder Bauer trug am Sonntag, an Markttagen und anderen besonderen Anlässen die blaue Burgunderbluse.
Jacken und Pullover kamen erst in der Zwischenkriegszeit auf. Man besass riesige Aussteuern, für die Männer etwa 50 Werktagshemden, weil die Hauptwäsche nur zweimal im Jahr stattfand. Die Brautwäsche einer Erlacherin kurz vor 1900 hing an einer Leine aufgereiht vom Schlosstor bis zur Abzweigung des Kirchwegs beim Breitenwegkehr. Ein ähnliches Bild bot jeweils der Waschtag im Heim, das auch auf dem Schlossbühl Wäsche hängen liess. Die schmutzige Wäsche wurde in der Regel jeden Montag vorgewaschen und getrocknet. Der grossen Wäsche diente das Ofen- oder Waschhaus (Buuchhus). Nach dem Einweichen begann der Waschtag um 3 Uhr morgens und dauerte oft bis Mitternacht. Die Wäsche wurde in heisses Wasser eingelegt, das Riischtige (aus Hanf) unten, das Flächsige oben; darüber kam der Aescherich zu liegen, d. h. mit Asche gefüllte, zu einer Art Sack zusammengebundene Tücher; Buchen- oder Särmelenasche (aus den im Winter oder im Vorfrühling abgeschnittenen dürren Rebzweigen) gab man den Vorzug. Dazu kamen Seife, Soda oder vorgekochte Lauge. «Buuchen» hiess dann der Arbeitsgang, Wasser unten aus der Waschbütte herauszulassen und oben wieder aufzugiessen. Schliesslich wurde die Wäsche gerieben, gebrätscht und gewässert.
Sommers gingen die Kinder meist barfuss und erhielten auf den Beginn der Winterschule neue Holzböden, wie sie auch die meisten Erwachsenen in Stall und Feld trugen. Zur Konfirmation bekam man die ersten Lederschuhe. Schumacher Peter Gutmann in Ins fragte jeweils auf der Stör die Buben: «Wosch o Riggis dri?» Er setzte dann in der Sohle zwischen zwei neuen Lederstücken ein altes ein, was beim Gehen ein merkliches Knirschen ergab; das galt als vornehm.