Torf
Das Bild der Aktivitäten im Grossen Moos wäre unvollständig, wenn wir die «Tuurbe›› ganz übergingen. Der jüngere, braune Torf fand als Streuemittel und der alte, schwarze als Brennmaterial Verwendung. Die Entwässerung des Landes ermöglichte die Torfgewinnung im grossen Umfange. Gegen Ende der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts begann der Staat Bern mit der Torfausbeutung, indem er Sträflinge von Bern nach lns in eine Kolonie verlegte, wo sie der Brennstoffgewinnung oblagen. Dieser Torf diente der Beheizung der staatlichen Büros. Die landwirtschaftliche Gesellschaft Witzwil lieferte Torf nach Neuenburg und Biel. lm Tagebuch des Direktorenehepaares Kellerhals, Witzwil, findet sich aus dem Jahre 1897 folgender Vermerk: «Die Gewinnung und Verkauf von Torf ist in diesen Jahren sehr wichtig. Wochenlang fahren die Pferdezüge weit ins waadtländische Wistenlach hinein, wo hauptsächlich die Pfarr- und Schulhäuser
versorgt werden. Oft kommen aus diesen Gegenden auch lange Züge von Fuhrwerken daher, um Torf zu laden. Beim Torfhandel war es immer schwierig, eine richtige Kontrolle auszuüben. Die Käufer kamen mit Ross und Wagen aufs Torffeld, meistens vom Wistenlach her, und der Torf wurde nach Körben berechnet. Die Torfstecher, die diese zählen sollten, waren nicht immer treu. Wein und Schnaps spielten eine grosse Rolle bei diesem Geschäft.»
1899 unternahmen Regierungsrat von Wattenwyl, Oberforstinspektor Frey und Direktor Kellerhals eine Reise nach Italien zum Studium der maschinellen Torfgewinnung und seiner Verwendung. Vor dem ersten Weltkrieg erreichte die jährliche Produktion von Handstichtorf in den Gemeinden Gais, Gampelen, lns, Müntschemier und Brüttelen etwa 2500 Tonnen im Werte von Fr. 35000 bis Fr. 40000. Die Torfausbeutung erreichte ihren Höhepunkt in der Zeit des Kohlenmangels Während des 1. Weltkrieges, als jährlich 7000 Tonnen Handstichtorf und 14000 Tonnen Maschinentorf gewonnen wurden. Zwischen Gampelen und lns standen damals 8 Torfgewinnungsmaschinen im Einsatz, die meist juristischen Personen gehörten. Sie hinterliessen Untiefen und wüste Tümpel, die unterbedeutendem Aufwand an Zeit, Arbeit und Material wieder hätten aufgefüllt werden sollen. Die Maschinen verschwanden, als wieder Kohle erhältlich war. Die Bauern gaben dem nicht zu tiefen Stechen von Hand den Vorzug, was erlaubte, das ausgebeutete Land rasch wieder in Kultur zu nehmen. Während des 2. Weltkrieges erhielt die Torfgewinnung wieder erhöhte Bedeutung, ohne indessen den früheren Umfang zu erreichen.