Marktfahrer und Verwertungsorganisationen

Zu allen Zeiten belieferten strebsame Frauen und Männer die umliegenden Märkte mit Kartoffeln, Gemüse, Eiern, Obst usw. Die Vinelzer boten ihre Waren in Ins, Erlach, Le Landeron, Neuenstadt oder Murten an. Das Hauptabsatzgebiet für Gampelen und Gais war Neuenburg, wo Dienstag, Donnerstag und Samstag Markt war. Aus Müntschemier, Siselen, Treiten und Finsterhennen besuchte man besonders die Märkte von Bern und Biel.

Man ging zu Fuss, trug die verkäufliche Ware im Korb auf dem Kopf oder schleppte sie in einem Handkarren mit. Auch Pferd und Wagen fanden Verwendung. So sammelten sich auf der Place Pury in Neuenburg bis 120 Fahrzeuge an. Von Lüscherz aus fuhrenetliche Frauen mit dem Boot nach Neuenstadt oder in die Winzerdörfer am Nordufer des Bielersees. Bauern von Siselen waren nach der Korrektion die ersten, die mit Ross und Wagen - dies teils bis gegen 1950 - entferntere Märkte besuchten, so in La Chaux-de- Fonds, Le Locle, Saignelegier, Tavannes, Biel, Neuenburg und Bern.

lm Herbst wurden die Gemüsekunden mit Kartoffeln, Wintergemüse und Obst versorgt. Die Bern-Neuenburg-Bahn und die Schmalspurbahn Biel-Täuffelen-lns brachten gewaltige Erleichterungen. So benützten weit über 100 Marktfrauen aus den Seeländerdörfern die ersten Morgenzüge nach Bern. Das in Körben verpackte Gemüse wurde jeweils am Vorabend spediert und am folgenden Morgen durch den SBB-Transportdienst an die entsprechenden Marktstände und Plätze verführt.

Später übernahmen kleinere und grössere Motorfahrzeuge die Aufgabe, die Märkte, Verteilerstellen, Grossverbrauchsläden, Primeure und Detaillisten zu versorgen. Das mühselige und oft gesundheitsschädigende Marktfahren wurde den Frauen und Töchtern mit der Zeit durch die genossenschaftliche Gemüseverwertung und die «Grämpler» abgenommen.

Der kurz vor dem 2. Weltkrieg ins Leben gerufenen «Anbau- und Verwertungsgenossenschaft für Gemüse des Amtes Erlach» war nur eine kurze Lebensdauer beschieden. Eine Wohltat brachte die 1941 erfolgte Inbetriebnahme des Kühl- und Gemüselagerhauses lns des Verbandes landwirtschaftlicher Genossenschaften von Bern und benachbarter Kantone, das moderne Vermarktungsmethoden einführte und das Sortiment erweiterte.

Die berufsmässigen Marktfahrer, die «Grämpler», brachten es zu bedeutenden Unternehmen. Ihnen und allen Pionieren der genossenschaftlichen Gemüseverwertung, dem Genossenschaftsverband und den lokalen landwirtschaftlichen Genossenschaften kommt ein beträchtliches Verdienst an der starken Marktstellung der Landwirtschaft des Amtes Erlach zu.