Gemüse

in dieser durch Klima, Boden und Absatzmöglichkeiten bevorzugten Landschaft wurde seit Menschengedenken Gemüse für den Markt gepflanzt. Ursprünglich unterzogen sich dieser Aufgabe die Frauen und Töchter, die damit einen wesentlichen Teil der Haushaltkosten zu bestreiten verstanden. Der eigentliche Durchbruch zum bedeutenden Erwerbszweig, den er heute darstellt, wurde indessen erst mit der schrittweisen lnkulturnahme des Mooses möglich. Diese setzte den Rückgang, mancherorts das Verschwinden des Weinbaues voraus, weil dadurch die erforderlichen Arbeitskräfte frei wurden.

1880 führte der Zweigverein der Oekonomischen Gesellschaft in Erlach einen Gemüsebaukurs durch. Die Rebbauern waren dem Gemüsebau nicht gewogen. Das erfuhr auch Frau Verena Scheurer, eine Emmentalerin, Gattin von Regierungsrat Alfred Scheurer, die 1882 mit ihrer Familie von Bern nach Gampelen gezogen war. Sie hatte die wirtschaftliche Bedeutung des Gemüsebaues erkannt und fing an, ihn zu entwickeln. Für Onkel Gyger dagegen standen die Reben im Zentrum. Arbeitskräfte und Stallmist sollten in erster Linie diesen zugute kommen. Ursprünglich wurden auf dem freien Feld nur die weniger empfindlichen Gemüsesorten angebaut, z. B. die verschiedenen Kohlarten, Erbsen und Rübli. Um 1910 umfasste das Sortiment bereits Wirsing, Blumenkohl, Rosenkohl, Rüebköhli, Chourave, Weisskohl, Rotkohl, weisse Rüben, Moorrübe, Salat, Spinat, Stangenbohnen. Buschbohnen, Erbsen, Zwiebeln, Lauch, Schalotten, Sellerie, Schwarzwurzeln, Cichorie, Sonnenwirbel, Nüsslikraut und Kürbis. Auf den sandigen Böden des Seestrandes wurden in Witzwil ausgedehnte Spargelkulturen angelegt und mit ihrem Ertrag zahlreiche Privatkunden im Abonnement bedient. Die Spargelzucht AG Kerzers baute in Kerzers und lns Spargeln an. Die Krise der dreissigen Jahre setzte dieser Tätigkeit ein Ende. Die Lebensmittelknappheit während und nach dem ersten Weltkrieg brachte den Anbau von Feldgemüse zu einer nie geahnten Blüte. Jeder verfügbare Platz wurde bepflanzt und unproduktive Torfstiche in Gärten umgewandelt. Gemüsesorten wie Busch-, Stangen- und Suppenbohnen, Erbsen, Rot- und Weisskabis, Kohl und Blumenkohl wurden auf einzelnen Betrieben juchartenweise gezogen, ebenso gelbe und rote Rübli. Rosenkohl, Spinat und andere winterharte Arten folgten auf Frühkartoffeln. Abgeerntete Getreidefelder wurden mit Spinat, Nüsslikraut und weissen Rüben bestellt.

Während dreier Jahre florierte der Anbau von Cichorienwurzeln als Kaffee-Ersatz. Die Blätter dienten als Tabakersatz. Der Cichorienanbau von einer Jucharte brachte bis Fr. 10‘000 ein. Abfälle der Gemüse- und Rübenfelder konnten zu guten Preisen der neuen Kraftfutter- und Suppenmehlfabrik bei Gampelen geliefert werden. Während des 1. Weltkrieges konnten Erbsen und Bohnen für eine Konservenfabrik in Kerzers gepflanzt werden, später für die Berner Alpen Milchgesellschaft in Stalden und nach Schliessung ihrer Konservenabteilung der Konservenfabrik Véron in Bern. ln jener Zeit wurden mit Erfolg Erbsen zusammen mit Zuckerrüben angebaut. Auf je zwei Reihen Rüben folgte eine Reihe Erbsen. Das Schwergewicht lag noch auf der Handarbeit. Man verwendete grosse Körbe mit 4 Griflen, die als Stückgut spediert wurden. Bewässerungsanlagen, Erntemaschinen, Kühlwagen, Kleinpackungen für die Konsumenten usw. waren noch nicht bekannt. Die starke Mechanisierung im seeländischen Feldgemüsebau setzte erst 1950 ein.