Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte

Gradmesser der landwirtschaftlichen Entwicklung sind die Geräte und Maschinen. An einer Veranstaltung der Oekonomischen Gesellschaft in Bern im Jahre 1863 wurde über Erfahrungen mit Handdreschmaschinen und solchen mit Göppelantrieb berichtet. Der alte, hölzerne Aargauerpflug und die andern Pflüge mit Wechselriester wurden um 1870 durch den Selbsthalterpflug, den sogenannten Brabanterpflug, verdrängt. Der Amtsvolksverein von Erlach führte im Herbst 1879 in Erlach eine Pflugprobe in Verbindung mit einer Ausstellung durch «zur Hebung und Förderung der landwirtschaftlichen Verhältnisse».

Der Regierungsrat erteilte ihm am 12.7.1879 eine Lotteriebewilligung zur Verlosung ausgestellter landwirtschaftlicher Gegenstände. Anlässlich einer Ausstellung des Gewerbevereins in Huttwil im Jahre 1880 wurden 30 Pflüge, mehrere Pferdehacken, Eggen, Gras- und Getreidemähmaschinen vorgeführt. Landauf, landab veranstalteten die «Oekonomische» oder deren Zweigvereine Pflugproben. An einer solchen in Mühleberg im Jahre 1884 waren 90 Pflüge verschiedener Bauart vertreten: Doppeldombasle, Brabanter, Selbsthalter, Scharnierpflug mit Selbsthaltevorrichtung, Geissfüssler, Wendepflug, Zwillingsbrabanter, amerikanischer Doppelpflug, Gras-, Jät-, Schäl- und Häufelpflüge. Ab 1870 traten Heuerntemaschinen in den Vordergrund. 1875 fand in Hindelbank eine Mähmaschinenprobe statt, zu der 2000 Zuschauer erschienen.

Die «Bernischen Blätter für Landwirtschaft», Vorgänger des «Schweizer Bauer», veröffentlichten 1875 die Statuten für eine Dampfdresch-Genossenschaft. ln jenen Jahren hatte die landwirtschaftliche Gesellschaft von Witzwil einen Dampfpflug in ihren Dienst gestellt, der sich jedoch nicht bewährte und wieder veräussert werden musste. Um die Jahrhundertwende hielt das Maschinendreschen Einzug. ln Ins bildete sich 1900 eine Säge- und Dreschgenossenschaft, die in ihrem Gebäude an der Brüttelengasse im Winter drosch und im Sommer Holz sägte. Sie verfügte über eine stationäre und eine fahrbare Dreschmaschine, noch ohne Strohpresse. Die Dreschstunde kostete Fr. 7.50.

Albert Anker schrieb am 4. Dezember 1903 seiner Tochter Marie Quinche-Anker, die grosse Dampfdreschmaschine sei ständig in Gang, vollführe einen gewaltigen Lärm, werde von 18-20 Männern bedient und erlaube eine grosse Zeitersparnis. Die Gampeler Bauern mieteten eine Dreschmaschine in Salvenach. 1902 schaffte sich die Anstalt Witzwil bei der Firma Lanz in Mannheim eine leistungsfähige Maschine an, die auch in den benachbarten Dörfern das Dreschen besorgte. Um 1910 verfügten die meisten Bauern über Sä- und Mähmaschinen.

lm Februar 1918 veranstalteten die Kriegswirtschaftsbehörden in Witzwil eine Demonstration aller damals erhältlichen Motorpflugmodelle. Die technische Leitung lag in den Händen von Dr. Ernst Jordi von der landwirtschaftlichen Schule Rütti. Witzwil kaufte einen Berna-Traktor mit angehängtem Ott-Pflug und wenig später einen Mogul-Traktor. Um 1920 nahm das Arbeiterheim Tannenhof einen Dreiradtraktor in seinen Dienst. Ab 1930 gingen auch vereinzelte Bauernbetriebe zum Traktorzug über. Die eigentliche Mechanisierung erfolgte ab 1950.