Schwierigkeiten mit dem Moosland

Nach der Entwässerung bildete die oberste Bodenschicht einen dichten, zähen Filz, dem mit dem Pflug kaum beizukommen war. An Eichenstöcken und Stämmen, die immer wieder zum Vorschein kamen, nahm der Pflug Schaden. An erhöhten Stellen wuchsen Erlen, Weiden und anderes Gestrüpp. So mussten dem Pflügen das Roden und Säubern vorangehen, was einen Arbeitsaufwand erforderte, dem die Bauernbetriebe meist nicht gewachsen waren. So ging die Kultivierung des entwässerten Landes nur langsam vorwärts. lm Jahre 1880 verlangte die Oekonomische Gesellschaft in Bern in einer Eingabe an die Regierung die Bebauung der noch immer brach liegenden Moosflächen. An der Hauptversammlung dieser Gesellschaft im August 1882 in Erlach befasste sich Nationalrat Tschannen mit der Mooskultur und erzählte von den in Norddeutschland gemachten Erfahrungen. Grossrat Jakob Klening empfahl zur Aussaat sibirischen Hafer, Weizen, Emmer und Sommerkorn. Der Regierung wurde beantragt, eine Kommission zur Prüfung der Frage zu ernennen, wie ein grosser Teil der Mööser schnell und sicher ertragreich gemacht werden könne.

Hinsichtlich Düngung ging man lange von falschen Voraussetzungen aus. Unter dem Einfluss der Humustheorie glaubte man vorerst, einen jungfräulichen Boden vor sich zu haben, der über einen grossen Vorrat an Pflanzennährstoffen verfüge und nicht gedüngt zu werden brauche. Bald zeigte sich indessen, dass dem Boden, wie die Moorversuchsstation Bremen feststellte, Phosphorsäure und Kali fehlten. Die unzweckmässige Bewirtschaftung führte 1879 zum Konkurs der landwirtschaftlichen Gesellschaft von Witzwil. Der Staat Bern erwarb 1891 die Besitzungen dieser Gesellschaft und verlegte die Strafanstalt von Bern ins Grosse Moos. Zum Verwalter wurde der in St.Johannsen als Adjunkt tätige Otto Kellerhals ernannt. Er nahm sich dem Studium der Moorkultur an, die anfangsder neunziger Jahre Gegenstand eifriger wissenschaftlicher Forschung bildete. Direktor Kellerhals hatte Erfolg und wurde zum eigentlichen Pionier in der Bewirtschaftung des Mooslandes. Wie Witzwil, gingen auch das Arbeiterheim Tannenhof unter Verwalter Johann Stauffer und später die SGG, Schweizerische Genossenschaft für Gemüsebau, unter Direktor Hans Keller beispielgebend voran.

Auf den Bauernbetrieben lagen die Verhältnisse komplizierter. Die Rebbauern widersetzten sich der Bebauung des Mooses, weil sie um ihre Arbeitskräfte bangten. Zudem fehlten die finanziellen und technischen Mittel, aber auch die Berufskenntnisse. Nach dem Niedergang des Weinbaues und der Verwirklichung der Binnenkorrektion fing man an, jedes Jahr ein weiteres Stück Moosland in Kultur zu nehmen. Da zeigte sich die Notwendigkeit der Detailentwässerung und der Erstellung von Wegen. Aber auch hierfür fehlte vorerst das Geld. Ferner wirkte sich der stark zerstückelte Grundbesitz erschwerend aus. Als während und nach dem 1. Weltkrieg Bund und Kanton für Bodenverbesserungen höhere Subventionen gewährten, konnten Pläne und Kostenvoranschläge ausgearbeitet werden. Die Gemeinde Gais machte den Anfang, drainierte 1914/15 ca. 60 ha und erstellte, meist im Gemeindewerk, 6000 m Wege. ln den Jahren 1918/19 legte die Gemeinde Gampelen den lslerenkanal mit den Zuflüssen Reuschelzgraben und Rimmerzbach tiefer. Das beitragspflichtige Areal von ca. 300 ha lag in den Gemeinden Gampelen, Gais und lns. Die Gemeinde lns entwässerte in den Jahren 1917/18 durch die Flurgenossenschaft Lüschech 50 ha. Grosse Aufwendungen zur Entwässerung von 180 ha Torfmoos hat 1919-1921 die Gemeinde Brüttelen erbracht. Tschugg führte ebenfalls bedeutende Bodenverbesserungen durch. Müntschemier erstellte 6600 m offene Gräben und ca. 7000 m neue Wege.Bald zeigte sich, dass nicht nur entwässert, sondern, wenn nötig, auch bewässert werden sollte. Oberingenieur Arthur Peter unterbreitete 1929 den Gemeinden im östlichen Teil des Amtes ein Projekt, das eine Tieferlegung und Sicherung der Kanalsohlen vorsah, damit Drainagen im angrenzenden Gebiet möglich wurden. Auch sollten Stauwehren in die Kanäle eingebaut und Wasserzuleitungen aus dem Hagneckkanal erstellt werden. Dieses Projekt fand keine Gnade. Der Staat sei schuld an den misslichen Zuständen und solle diese auf seine Kosten beheben, wurde argumentiert. Der Plan konnte, mit einigen Aenderungen, erst während des zweiten Weltkrieges, als für Bodenverbesserungen wiederum reichliche Subventionen flossen, verwirklicht werden. Eine der Änderungen betraf die Entwässerung des Brüttelen/Hagneckmooses, wo ein 771 m langer, kreisrun-der Stollen mit 1,8 m Durchmesser nach dem Bielersee gebaut werden musste. Mit der Möglichkeit der Grundwasserregulierung, der Ent- und Bewässerung, hat Arthur Peter ein Instrument geschaffen, das die Landwirtschaft sehr anpassungs- und leistungsfähig macht. Er verdient den Dank der Region. Damit wurde das Lebenswerk von Dr. Johann Rudolf Schneider vollendet, auch durch die zweite Juragewässerkorrektiom die das Seeland in Zukunft vor Überschwemmungen - wie namentlich 1910, 1944 und 1955 - bewahren wird.