Arbeitskalender auf einem Bauernhof vor 200 Jahren (nach Rudolf Holzer)
Im Januar geht der Bauer in den Wald, führt Holz heim zum Brennen, Zaunen und für Reparaturen am Haus. DieFrau ist emsig am Spinnrad.
Im Horner wird das Holz gerüstet, das Werkzeug ausgebessert. Das Weib spinnt Garn und Wolle.
März: Schon beginnt die Aussaat, Matten sind zu räumen, Bäume zu pfropfen. Er schält und brennt den Rasen für den Flachs- und Kabisplatz.
Im April: wird die Sommersaat vollendet. Die Beunden werden bestellt, auf der Brache werden Raps, Kürbis, Tabak, Erbs, Wicke und Bohnen angepflanzt.
Im Mai ersetzt der Bauer die Zäune, treibt das Vieh in den Wald, erfrischt zuweilen die Ochsen mit Grünfutter.
Brachmonat : Sobald die Brache fertig ist, ergreift der Bauer die Sense, mäht und führt den ersten Raub ab den Wiesen. Die wenige Gerste wird geschnitten, die Heuernte gibt viel Arbeit, das Weib bricht Kirschen.
Heumonat: Die Sense wird mit der Sichel vertauscht, die vollen Ähren versprechen Brot im Überfluss. Roggen und Dinkel sind die reichsten Früchte. Jauchzend erntet er den Lohn für die schwere Feldarbeit. Hanf und Flachs werden gezogen. Erdfrüchte nahen der Zeitigung. Gartenfrüchte erquicken durch die Sorgfalt der bewährten Gehülfin den ermüdeten Arbeiter.
August: Die Ernte wird fortgesetzt. Sommergerste, Paschi, Haber, Erbsen, Einkorn, Wicken werden geschnitten und gesammelt. Auf die Brache wird Bau (Mist) geführt, entworfen und geeggt. Hanf und Flachs werden zum Rossen auf die Wiesen ausgebreitet. Das Kleinvieh wird auf die Stoppelfelder gejagt. Jetzt ißt der Bauer von den Früchten im Überfluß, reifendes Obst bietet sich zum Genuß an, hangende Pflaumen werden mit Lust gepflückt.
Herbstmonat: Das Getreide für die Wintersaat wird gedroschen, Felder werden bestellt, Roggen und Dinkel gesät. In Mooswiesen wird Lische gemäht, das Vieh in die Spätweide getrieben, die Schafe zum zweiten Mal geschoren. Das Weib sammelt in seinem Teil Erdspeisen und das fallende Obst.
Im Weinmonat wird die Wintersaat vollendet, damit geht die Feldarbeit zu Ende. Das Weib vollendet die Obsternte, führt Erdfrüchte ein, dörrt und bricht den Hanf, treibt die Schweine ins Acherum.
Wintermonat: Nun bringt der Landmann das Vieh in den Stall, drischt das Getreide, das Weib hilft dabei. Der Mann zieht Gräben in den Wiesen, sammelt die letzten Früchte, holt die Blätter zur Streue. Das Weib flüchtet den letzten Raub aus Feld und Garten in den Keller, verwahrt das Kraut, Rüben, Erdäpfel, dörrt Obst; rosset und bricht den Flachs, verwahrt sich mit allem gegen den unfruchtbaren Winter.
Christmonat: Der Bauer vollendet das Dreschen, verwahrt sein Getreide, mästet Vieh, schlachtet was er vermag und lebt bei weniger Arbeit am besten. Endlich schließt er sich mit den Seinen in die rußige Hütte, erfreut sich beim frohen Gebrüll der heranwachsenden Kinder, besucht seine Nachbarn, lebt so in der Ruhe und bringt das Jahr in stets wechselnder Beschäftigung zu.
Glücklich wenn ihn kein Streit erbittert, kein Kummer plagt.
Dekan Schärer berichtet über die Beschäftigung an den Winterabenden vor 130 Jahren: Die Männer haspeln das tagsüber von den Frauen gesponnene Garn, sie flicken ihre Handschuhe selbst, indem ein Stück Zwilch darüber genäht wird, ebenso besorgen sie das Flicken ihrer Strümpfe, mit Hilfe eines Schuhleistens. Die Mahlzeiten für den folgenden Tag werden vorbereitet mit Äpfel, Birnen und Rüebli rüsten, Rüben räffeln. Dazu wird die unvermeidliche Pfeife geschmaucht und dann geht's zur Ruhe.
Die Frauen bleiben noch einige Zeit am Spinnrad