Architekt Adolf Lori

Man sah ihn etwa aus dem Wald kommend, wo er das Holz für seinen Kachelofen gesammelt hatte, mit hochbeladener «Hutte» den steilen Dorfweg bedächtig herunterschreiten, oder mit gefülltem Rucksack vom Kräutersuchen heimwärts zieh'n.

Als grosser Naturfreund fand er Erholung auf Waldspaziergängen und erhielt sich dabei Gesundheit und Elastizität bis ins hohe Alter. Daneben war er ein unermüdlicher Schaffer, der täglich in seinem Bureau in Biel, oder auf einem Bauplatz anzutreffen war.

Aus Malans gebürtig, studierte er in Deutschland und benutzte später jede Gelegenheit nach Italien zu reisen, dem Lande das seinem Geschmack und Kunstsinn am besten entsprach. Doch wurde das Seeland seine zweite Heimat.

Als Mitglied der kantonalen Schätzungskommission kannte er jedes Haus in der Umgebung und gab bei Renovierungen wertvolle Ratschläge. Die nach seinen Plänen gebauten Häuser passten jeweils ausserordentlich gut in die Landschaft, wovon das ehemalige Dr. Rollier-Gut ob Neuenstadt ein prächtiges Beispiel darstellt.

Allem Echten und Schönen zugetan, war er ein kultivierter und interessanter Gesprächspartner und sein Humor und seine Gemütlichkeit gewannen ihm überall Freunde. Hager und behende sah man ihn als bejahrten Mann zur Bahnstation eilen, unbekümmert um stürmisches Wetter oder Glatteis.

Auf eine warnende Bemerkung antwortete er höchstens: «I ha mini Chnoche numeriert», und lief rasch weiter. Trotz vieler Sorgen und Rückschläge war Adolf Lori ein ausgesprochener Idealist, dem seine persönliche Freiheit über alles ging. Voll Sehnsucht schaute er oft den Habichten nach, wenn sie ihre weiten Kreise über den See zogen und beneidete ihr Los.

Abends sass er gerne bei einem Glase Rotwein und nahm am Dorfgeschehen teil. Beim Abschied ertönte sein gewohntes «Guet Nacht mitenander, schlafet wie der weit! »