Die äußere Entwicklung des Klosters von 1300 bis 1500
Das 14.Jh. muß eine Zeit ruhiger Entwicklung für das Frauenkloster Tedlingen gewesen sein. Die Urkunden berichten von vielen Vergabungen. Nachdem ab 1334 dazu die Zustimmung von Schultheiß und Rät erforderlich wurde, konnten sie von da an nicht mehr so bedeutend sein. Wir führen einige Erwerbungen an, wie sie in den Fontes III - IX verzeichnet sind: 1283, 1322, 1333 und 1344 erhält Tedlingen aus Jahrzeitstiftungen jährliche Beträge von 5, 10 und 20 solidos (Schillinge). 1316 und 1323 wurden in Frieswil 1 bzw. ½ Schuppose erworben.
Ein typisches Geschäft der damaligen Zeit ist der 1343 erfolgte Verkauf von Einkünften zu Landerswil an Frau Ita Isenhut. Es betraf einen Besitz von mehr als 10 Schupposen, der nach dem Tode der Frau Isenhut ohne weiteres als Jahrzeitstiftung an das Kloster zurückfiel. Aus der langen Liste von Abgaben durch die neun Pächter fällt anderseits auf, daß die Bodenzinse damals schon zu nieder waren, da die Geldwirtschaft bereits eingesetzt hatte.
Bedeutend war auch 1350 die Schenkung des Klerikers Heinrich von Tramlingen. Für eine jährliche Messe erhielt Tedlingen einige Weinberge in Fontanels und Tschärris zu Biel. Ein gutes Geschäft für das Kloster brachte das Jahr 1353, als die Schwestern Margarethe und Anna von Stemphen gegen 97 Pfund ein Leibgeding von 10 Mütt Dinkel und 6 Mütt Roggen erhielten. Nach dem Tode verfiel alles dem Kloster. 1369 verkaufte ein Walthus Reben in Schaffis an Ruf von Wengi um 200 Pfund. Das Kloster Tedlingen war auch an diesem Verkauf beteiligt, es heißt darin «VI söum win gent an die frowen zu Tetlichen››. 1374 berichtet eine Verkaufsurkunde von Schernels bei Schaffis über die Reben von «Fletzletz Kloß». Es wird darin angeführt, daß elf Viertel roten Weins dem Abt zu Erlach, bzw. dem Gotzhus Tedlingen als Zins gehören. 1395 wurden in Biel Reben und ein Haus im Pasquart sowie Weinberge in Twann und Landeron erworben.
Gräfin Isabelle von Neuenburg hatte 1391 kaum das Erbe der Nidauer bzw. Kyburger angetreten, als sie dem Gotzhus Tedlingen «den Hof zu Matzwil, nämlich die langen Egerden, den Pfaffenacker, ...ein Stück zu den Buchen, hinter dem grauen Steine. . . , beide Hüser und Hofstatten, Acker, Wiesen, Holz, Feld, Baumgarten, Wasser, Wasserrunsen, Wunn, Weiden, Allmend, bebautes und unbebautes Land» vergabte.
Aus den Erwerbungen von 1400 - 1520 geht deutlich hervor, daß unser Kloster an Finanzkraft zugenommen hatte. Die Käufe werden nun wichtiger. 1422 kauft das Kloster von Hans Lülli in Kerzers verschiedene Güter um 65 Schildfranken in Gold. 1452 konnte von Ulrich und Peter von Erlach eine Schuppose zu Kallnach um 100 rheinische Gulden erworben werden. 1462 verkaufen die «Prediger›› zu Bern einen Teil eines Gutes zu Bargen um 44 rheinische Gulden. Peter Salvisberg verkaufte 1491 eine Wiese zu Oltigen um 380 Pfund Stebler Peter und Dietrich Mani gaben 1492 für einen Bodenzins von 6 Mäs Dinkel ab Gütern zu Wileroltigen 14 Pfund-Pfennige. Noch 1519 - neun Jahre vor der Aufhebung - kaufte das Kloster fünf Jucharten Acker und ein Stück Wald um 40 Pfund von Peter und Bendicht Schori.
Für die zunehmende Bedeutung des Klosters zeugen die Erwerbungen mit allgemeinen-öffentlichen Rechten. Rudolf von Schüpfen, Edelknecht, vergabte 1401 mit Gattin Amphelisa geb. Burgistein den Tedlinger Frauen Vogtei und Kirchensatz zu Meikirch samt Patronatsrecht und Widum.
1418 verfügte Papst Martin V., daß die Einkünfte dieser Kirche, 40 Mark, zum Unterhalt der zwölf Nonnen bestimmt seien. Hans von Bubenberg schenkte 1409 ein Drittel des Gerichts zu Ostermundigen. 1439 erwarb das Kloster den Zehnten zu Salvisberg um 40 rheinische Gulden von Batholomaus Lütschelbach. Vom Deutschen Ordenshaus zu Bern konnte 1484 der Zehnten zu Detligen um 200 Pfund-Stebler gekauft werden.
Eine wichtige Vergabung erfolgte am 14. August 1421 durch Heinzmann von Bubenberg. Er vermachte dem Kloster die «Kaplanei des Altars unser lieben Frau in der Kirche zu Radelfingen samt Patronatsrecht und Vogtei dieses Altars». Die Kaplanei U. L. F. kann einen regionalen Teil der Kirchgemeinde betroffen haben, z. B. die obern Dörfer. Karl Ludwig Stettler glaubt, daß 1421 eine Teilung des Kirchensatzes vorgenommen wurde. Das Ritterhaus von Bubenberg hatte als Besitzer von Herrschaft und Kirchensatz zu Radelfingen am13.Juni 1421 dem Deutschen Ordenshaus zu Bern diesen Kirchensatz als Schenkung unter Lebenden übergeben.
Es ist zu vermuten, daß in katholischer Zeit in Detligen ein Kaplan amtierte. Ein Beweis dafür erscheint im Ratsmanual vom 15. April 1528, wo verfügt wurde, daß der Pfarrer zu Radelfingen abwechselnd in Radelfingen und Detligen zu predigen habe.
In der Stadt Bern hatte unser Kloster Burgrecht mit Säßhaus an der Marktgasse. Mit zwei Patronatsrechten und beträchtlichem Grundbesitz hatte das Frauenkloster Detligen somit einige Bedeutung.