Der Verlauf der Besiedlung durch die Alemannen

Für diesen Abschnitt waren für mich die Arbeiten von Dr. Bernhard Schmid, Hermann Walser und Wilhelm Bruckner maßgebend. Neben einigen fremdsprachigen Namen stammt die große Zahl unserer Ortsnamen aus der deutschen Sprache. Vollständige Ortsnamen bestehen aus Bestimmungswort und Grundwert. Die echten Ortsnamen stehen vorwiegend im 3. Fall, bei Genitivformen trifft man unvollständige Ortsnamen, die das Grundwort verloren haben, so z. B. Köniz: vollständig wäre «des Chüniz Hof». Die älteste Namengruppe deutschsprachigen Ursprungs ist jene mit der Endung - ingen. Das sind Siedlungen, die bis in die Zeit der Landnahme durch die Alemannen im 5./6. Jh. zurückreichen. Die Endung - ingen bedeutet kein selbständiges Wort, sie vertritt das Grundwert und meint Leute oder Nachkommen des Gründers der Siedlung. Als erste Zone der Alemannen-Besiedlung gilt das Gebiet zwischen Jurafuß und dem Rand des hügeligen Waldgebietes. Um diese Zeit können auch die - dorf entstanden sein, z.B. Seedorf.

Zu einer späteren Zeitepoche gehören die Einzelhofsiedlungen, die wir öfters im Emmental und Schwarzenburgerland antreffen. Zwischen diese zwei Epochen schob sich eine dritte ein, die der gemischten Formen; sie umfaßt besonders den Frienisberg und das Aaretal bis Thun. Namen der Endungen -hofen, -kofen (aus inghofen), -husen und -hüsern sowie die Namen, die auf das Gelände Bezug haben (-bach, -tal, -au, -berg, -stein) sind jüngere Formen und mehr bei Weilerorten und Einzelhöfen zu finden. Eindeutig in spätere Zeit weisen Namen mit -kirch und -mühle, sie entstanden während der Christianisierung zur Frankenzeit.

Die Streitfrage um die -wil Orte ist heute dahin entschieden, daß es sich um durchaus alemannische Siedlungen handelt, unbeschadet der Tatsache, daß -wil als Lehnwort vom lateinischen «villa» (Gutshof) abzuleiten ist. Die Endungen -wil beweisen, daß Alemannen das Land spätestens im 8. Jh. besetzten; es ist die letzte große Gruppe in fränkischer Zeit. -wil Orte scharen sich als jüngere Siedlungen oft um große Dörfer. Zu Seedorf sind kirchgenössig Frieswil, Baggwil, Dampfwil, Ruchwil und Wiler.

Die jüngste Gruppe im Kranz dieser Ortnamen sind die sog. Rodungsnamen. Sie stammen aus der hochmittelalterlichen Rodungsepoche vom 11. bis 14. Jh. Hierher gehören Rüti, Schwanden, Schüpfenried, Spichersried, Wölflisried, Buttenried, Spengelried, Rüplisried, Matzenried, Riederen. Dazu zählen wir auch die von Flurnamen stammenden Ortsnamen mit der Endung -eren, z.B. Buchseren, Dorneren, Flachseren, Holleren, Neßleren, Stockeren, Brucheren, Fencheren, Harderen,

Holteren, Lätteren, Leimeren, Müseren, Museren, Bächleren, Isleren, Wässeren usw. - eren ist ein Füllesuffix, das im Namen näher Bezeichnete kommt dort in Fülle vor.

Was bedeutet das Bestimmungswort dieser Namen? Bei den Namen mit der Endung -ingen werden folgende Gründer-Namen angenommen: Radelfingen-Ratolf, Detligen-Tatilo, Dettigen-Detto, Lobsigen-Lobizo oder Lobeso, Runtigen-Rumold, Uettligen-Utilo.

Eine besondere Gruppe bilden die -ingen-Namen mit Geländebezeichnungen. Das Bestimmungswort von Oltigen ist der ahd. Wortstamm Ol, er bedeutet Sumpf oder feuchte Wiese. Mere oder Möri nannte man eine Lände, das gab Mörigen den Namen.

Zollikofen gehört in die -hofen und -kofen Gruppe, es bedeutet Höfe der Zollinga. Kosthofen hieß 1261 Chozinchova, Kozzo war ein Personenname, es bedeutet somit Höfe der Leute des Kozzo.

Bei den -wil-Orten vermuten wir folgende Gründernamen: Rapperswil-Ratfrid, Baggwil-Bacco, Dampfwil-Dammo, Matzwil-Mazzo, Mannewil-Manno.

Mit Fries bezeichnete man einen Graben. Frieswil und Frienisberg verdanken den vielen Gräben ihre Namen. Kühlewil liegt in einer Mulde, dort war ein Sumpf (Kill) ; Chieligraben hat auch diesen Ursprung.Eine weitere Kollektiv-Endung ist -ach). Sie soll vom lateinischen –acus oder keltisch -akos stammen, das Besitz eines Grundherrn andeutet, z.B. Wistenlach von Vistellius+acus. So deuten es Stadelmann (BTB 1905) und Oettli, S. Z2. Bekannte Forscher (Bäbler, Probst, Buck, S. 2, Vollmann, S. 10, Keinath) betonen, daß -i oder -ach auch einen Ort bezeichnen können, wo etwas in Menge vorkommt, z. B. Dicki, Dornach, Weidach.