lm Spiegel archäologischer Funde

Die Oltiger Gegend ist uraltes Kulturgebiet. Zwar erzählt uns keine schriftliche Quelle von den ersten Menschen, die unsere Gegend besiedelten; aber der Boden gibt uns hin und wieder Zeugnisse ihrer Existenz. Die Funde sind häufiger als in andern Landesteilen. Mit der reicheren Pflanzen- und Tierwelt waren hier in der Hochebene auch die Menschen zahlreicher als im Gebirge, soweit es das Wasser erlaubte. Feuersteinklingen von Radelfingen, Silexabsplisse von Seedorf sind Funde aus der Zeit der ersten Bewohner; sie berichten vom Altsteinzeit-Menschen, seinem rauhen Jägerdasein. Schalensteine von Frienisberg und Kaltenbrünnen dagegen sollen von einem früheren Steinkult herrühren. Der Pfahlbau im Lobsigersee barg Steinbeile, Pfeilspitzen und bearbeitete Horn- und Knochenstücke. Ein Schaber aus grünem Quarzit von Ammerzwil wird dem Mesolythikum zugewiesen. Schöne Steinbeile kamen in Illiswil, Säriswil, Suberg, Seedorf und Bargen zum Vorschein.

Unter den Funden aus der Munimatte zu Vorimholz figurieren zwei «Kelte», ein Bronze- und ein Kupferbeil, womit die erste Metallzeit (2500 v. Chr.) sich ankündigt. Wertvoll ist ein Hohlbuckel-Scharnierband aus Bronze, das von dem Hof Spachweid bei Illiswil kam; es ist einzig in der Schweiz. Fünf Hallstätter Grabhügel in Murzelen enthielten Schwert, Dolch und Parierstange. Bei einem Skelett lag viel Schmuck, wie Frauen- und Kinder-Armringe aus Bronze, Bronzeohrringe, Spiralfibeln usw. Man vermutet, daß es sich hier um das Grab einer Fürstin mit Nachbestattung von Kindern handelt.


Aus einem Brandgrab zu Grächwil stammt die bronzene Hydria, die ein kostbares Stück des Historischen Museums in Bern ist. Es soll sich um eine griechische Arbeit aus Unter-Italien aus der Zeit um 600 v. Chr. handeln. In der Kiesgrube zu Ferenbalm wurden Gräber aus der La Tène-Zeit freigelegt. Sie enthielten Schwerter und Lanzenspitzen; ferner neben einem weiblichen Skelett Bronzeschmuck, wie Fibeln und Reste eines Armbandes.

Radelfingen muß eine bedeutende römische Siedlung gewesen sein. Reste von Gebäuden, Mosaiken, Fresken und Leistenziegel sind dafür Zeugen. Auch ein Topf mit römischen Münzen wurde gefunden. In Säriswil stand vermutlich eine Ziegelei; ganze Lagen römischer Ziegel mit dem Stempel L. C. Priscus sprechen dafür. Reste einer römischen Brücke bezeugen einen Flußübergang in Bargen. Dieser fand seine Fortsetzung im sog. «Herrenweg» über Lyss-Hardern-Dießbach-Bibern-Solothurn. Eichene Pfähle in der Aare bei Oltigen beweisen, daß auch hier in alter Zeit eine Brücke bestanden hat. Überreste einer römischen Straße im Moorgrund zu Möriswil können damit in Verbindung stehen. In der Nähe dieses Flußüberganges, in Wileroltigen und Wittenberg fand man Überreste römischer Kultur, Henkelkrüge und Ziegel aus dem 1./2. Jh., ferner Münzen aus der Zeit Justinians.


Die Alemannenzeit ist mit Funden schwächer vertreten. Ihre Häuser und Werkzeuge waren vielfach aus Holz, dienten dem Landbau und hinterließen weniger Spuren. In Wickacker beim Stauwehr Mühleberg wurden Gräber der alemannischen Verteidigungslinie freigelegt. Beim Bau der neuen Straße in Hinterkappelen, nahe bei der Brücke, stieß man auf ein Gräberfeld. In zwölf Gräbern fanden sich einige Waffen, wie Wurflanzen, Lanzenspitzen, Skramasaxe (Kurzschwert) und Gürtelschnallen aus dem 7. Jh. Im Stückiwald bei Kosthofen fand man beim Reuten eine Pflugschar, Beschläge eines Pflughauptes, Hufeisen, Zange und Schelle. Sie sollen aus der alemannischen Rodungszeit stammen.