Nun wird auch die politische Einigung versucht, allein umsonst
Eine Versammlung von Abgeordneten des Volkes aus den verschiedenen deutschen Staaten sollte eine Verfassung für das gesamte Reich beraten. Auf 50 000 Seelen wurde ein Vertreter gewählt. Unter Glockengeläute und Kanonendonner zogen die Bezeichneten im Mai 1848 in die Paulskirche von Frankfurt ein. Im Volke herrschte unermeßlicher Jubel. Die Versammlung entwarf eine Verfassung, die in einigen wichtigen Punkten der schweizerischen des gleichen Jahres stark glich. Der Gesamtbund hatte ungefähr die gleichen Aufgaben wie bei uns. Auch gab es ebenfalls zwei Abteilungen in der gesetzgebenden Behörde. (Statt Ständerat und Nationalrat hießen sie aber Staatenhaus und Volkshaus.) An der Spitze des neuen Reiches sollte ein erblicher Kaiser, nämlich der König von Preußen, stehen. Sogleich ließ der Kaiser von Österreich erklären, daß er sich niemals einem deutschen Fürsten unterordnen würde. Auch wünschte Österreich nur eine gesetzgebende Kammer. Sie sollte 70 Mitglieder zählen; von diesen sollte Österreich 38 ernennen können. Das bedeutete: Österreich verlangte die Führung im neuen deutschen Bunde, und so ergabsich auch hier ein Gegensatz zwischen Preußen und Österreich.
Noch in einem weiteren Punkte konnte man sich nicht gütlich einigen. Eine Gruppe von Abgeordneten forderte: Zu dem neuen Reiche sollen nur deutsche Länder gehören; das hieß, der österreichische Besitz in Italien (vor allem das Vizekönigreich Lombardo-Venezien) und die magyarischen und slavischen Gebiete sollen nicht zum deutschen Reich gehören und brauchen von ihm gegen außen auch nicht verteidigt zu werden. Österreich begehrte das Gegenteil.In der Versammlung siegten seine Gegner. Da rief Österreich seine Vertreter zurück und erklärte: Was in Frankfurt beschlossen wurde, hat keine Gültigkeit.
Zu all dem kam noch: Als Frankfurter Abgeordnete Friedrich Wilhelm die Nachricht von seiner Wahl zum Kaiser überbrachten, wollte er die Krone nicht annehmen, weil das Volk sie ihm bot. Er sagte, eine Straßenpflasterkrone, wie Louis Philipp 1830 eine aufgelesen habe, begehre er nicht; das sei ein Reif aus Dreck und Letten. Nähme er sie an, so wäre er durch sie wie mit einem Hundehalsbandan die Volksherrschaft (Volkssouveränität) gebunden. Eine wahre Krone werde nur von oben, von Gott, verliehen.
So hatte das deutsche Volk also umsonst gejubelt, Glocken geläutet und Kanonenschüsse abgefeuert. Es errang sich 1848 und 49 kein einiges Reich. Als Friedrich Wilhelm nun durch Verhandlungen mit einigen Fürsten selbst eine gewisse Einigung herbeizuführen suchte,wollte Österreich das nicht dulden. Die beiden Mächte wären 1850 beinahe miteinander in Krieg geraten. Ihre Heere standen sich schon im Felde gegenüber. Da gab Preußen im letzten Augenblick nach. Es verzichtete auf den Bund mit jenen Fürsten.