Von den Heimatlosen

Seit dem großen Weltkrieg gibt es in Europa weit über 100‘000 Menschen, die kein Staat als seine Bürger anerkennen will. Sie irren von Land zu Land, pochen da und dort an um Arbeit und flüstern

vor den Haus- und Büreautüren den Herausgetretenen ins Ohr: Wir sind „Staatenlose"; helft uns. In der alten Schweiz gab es ungefähr 10 000 Menschen mit einem ähnlich schweren Geschick, die Heimatlosen.

Konnte man ihnen nicht eine Heimat zuweisen, z. B. in dem Kanton, in dem sie sich in den letzten 15 Jahren am längsten aufgehalten hatten? Die Orte unterhandelten wiederholt miteinander darüber; aber entweder einigten sie sich nicht oder führten die Beschlüsse nicht durch. So wurde kein Schweizerbürgerrecht geschaffen.

Schuler: «Meine Mutter war zur Allerwelts-Ratgeberin geworden. Ihre besonderen Schützlinge waren die Weiber der Heimatlosen, die sich damals noch in großer Zahl an den Kantonsgrenzen herumtrieben.

Nicht selten wurden förmliche Treibjagden auf sie angestellt, da jeder Kanton sich von dieser zweideutigen Gesellschaft entlasten wollte. Noch erinnere ich mich einer großen hübschen Frau mit vielen kleinen Kindern, die meine Mutter um ihres anständigen Benehmens und ihrer Reinlichkeit willen ganz besonders beschützte. Ich habe sie noch vor Augen, wie sie bei einer Heimatlosenhetze keuchend hergesprungen kam und von meiner Mutter rasch versteckt und gespeist wurde.»