Aus der Geschichte des Armenwesens

lm Mittelalter versorgten vor allem unsere drei Klöster Frienisberg, Münchenbuchsee und Fraubrunnen die vielen Armen unserer Dörfer. Gläubige vermachten den Mönchs- und Nonnenorden Schenkungen, die an ihrer Beerdigung («Seelgerettete») oder an ihrem jährlichen Todestag («Jahrzeit») an Bettler, Kranke, Findelkinder, arme Wöchnerinnen, Mädchen ohne Aussteuer und arbeitsunfähige Greise und Greisinnen verteilt wurden, Das gehörte zur Tradition der Kirche, in der Bischöfe für die Armen ihrer Diözese zuständig waren. Die kirchlichen und privaten Gaben waren nötig, denn Armut begleitete die mittelalterliche Gesellschaft auf Schritt und Tritt. Hungersnöte und Pestepidemien rafften immer wieder Tausende von Menschen dahin. Damals galt Armut nicht als Schande.

lm Gegenteil, der Arme wurde als Abbild Christi betrachtet. Dabei unterschied man nicht zwischen «guten» und «schlechten» Armen, sprich unverschuldet Armen (lnvalide, Kranke) und arbeitsscheuen Profiteuren. Ihnen zu helfen, war eine Tugend und diente dem eigenen Seelenheil.

lm 16. Jahrhundert wandelte sich das Armenwesen grundlegend. Ausschlaggebend waren die Bevölkerungszunahme und ein Wirtschaftswachstum, welches damit nicht Schritt halten konnte. Arbeitslosigkeit war die Folge. Arbeitslose zogen zur Arbeitssuche umher. Andere suchten ihr Glück in fremden Kriegsdiensten.

Mit der Reformation begann punkto Armut ein Paradigmenwechsel. Armut war keine Tugend mehr, sondern fleissig arbeiten und sein Brot redlich verdienen galt nun als schicklich. Armut wurde eine Schande.

Nachdem die Kirche im Kanton Bern zur Staatskirche geworden war, wurde das Armenwesen Staatsangelegenheit. Der «schlechte» Arme wurde nun diszipliniert, mit Heiratsverbot belegt und in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Mit der Reformation von 1528 wurden die Klöster aufgelöst und zu Spitälern umfunktioniert. Die Hospitäler von Frienisberg, Münchenbuchsee und Fraubrunnen verteilten mehrmals pro Woche Spenden.

1628 wird berichtet, dass durch den Freiweibel und die Gerichtssässen von Zollikofen für 20 Familien aus Dieterswil und Zuzwil Zeugnisse der Dürftigkeit ausgestellt wurden und diese berechtigt waren, Getreide durch die Gemeinde zu beziehen, Die Kirchhöri (Kirchgemeinde) Rapperswil unterstützte neben vielen Taglöhnern auch 32 hausarme Familien, die von Almosen leben mussten.

Mit Bettelordnungen versuchte die Obrigkeit mehr und mehr, die beschränkten Mittel für die wachsende Zahl Armer gerechter zu verteilen und «schlechte» Arme zur Arbeit zu zwingen.