Bittere Pillen bei der Suche nach einem Arzt
Nachdem sich zu Beginn der 70er Jahre der allseits hoch geschätzte Arzt Dr. med. Walter Nussbaumer aus dem Berufsleben zurückgezogen hatte, stand die Gemeinde unvermittelt ohne medizinische Grundversorgung da. Der Gemeinderat sah sich daher veranlasst, nach einer Lösung Ausschau zu halten und überlegte sich, wie man einem jungen Arzt den Aufbau einer Praxis erleichtern könnte.
Mit nicht geringem Stolz verkündete der Gemeindepräsident anlässlich der Gemeindeversammlung vom 25. Mai 1973, dass es gelungen sei, einen bestens ausgewiesenen jungen Arzt in der Person von Dr. med. Szabo. zu finden. Zwar habe man ihm etliche Zugeständnisse machen müssen. Man habe ihm einen Bauplatz in der Grösse von etwa 1000 Quadratmetern Fläche auf dem Gemeindeareal neben dem Gemeindehaus im Baurecht zugesichert. Der Baurechtszins und die Gemeindesteuern seien für die ersten fünf Jahre zu erlassen. Nötigenfalls müsste man ihm ein zinsgünstiges Investitionsdarlehen gewähren.
Der gemeinderätliche Sprecher räumte ein, dass diese Zusicherungen auf den ersten Blick sehr grosszügig erscheinen, für einen jungen Arzt der Aufbau einer eigenen Praxis jedoch mit einem beträchtlichen Risiko verbunden sei und einen grossen Einsatz an finanziellen Mitteln erfordere. Ohne Vergünstigungen sei kein Arzt mehr zu bewegen, eine Landpraxis zu übernehmen.
Diskussionslos und einstimmig stimmte die Versammlung diesen Abmachungen zu. Offenbar müssen die weiteren Verhandlungen mit dem lnteressenten äusserst schwierig verlaufen sein. Auf den Wunsch von Dr. med. Szabo, dereinst die Parzelle käuflich zu erwerben und über die Liegenschaft frei verfügen zu können, mochte der Gemeinderat nicht eingehen. Man einigte sich darauf, dass die Gemeinde als Bauherrin auftrete und dem Arzt Wohnung und Praxis mietweise überlasse.
Die ausserordentliche Gemeindeversammlung vom 12. Oktober 1973 genehmigte einstimmig einen Baukredit von 450‘000 Franken. Einzig die vorgesehene Verwendung von Eternit als Bedachung dieses gemeindeeigenen Gebäudes brachte einen Vertreter der Ziegelei Louis Gasser AG in Rage.
Wie ein Blitz aus heiterem Himmel schlug nur ein Monat später beim Gemeinderat die Mitteilung von Dr. med. Szabo ein, dass er definitiv auf die Übernahme einer Arztpraxis in Rapperswil verzichte. Der Gemeinderat stand mit der Arztsuche wieder am Anfang; mit dem Bau des Gebäudes war aber mittlerweile begonnen worden.Rechtzeitig fand man in der Person von Dr. med. Windlinger einen neuen Arzt. Er eröffnete seine Praxis im Herbst 1974. Vier Jahre später erwarb Dr. med. Windlinger das Arzthaus und erweiterte es.