Den einen zu bürgerlich, den anderen zu wenig grün

Alles fing am 21. Mai 1969 an. Zwölf parteilose, aber politisch interessierte Männer - das Frauenstimmrecht gab es noch nicht - aus der Gemeinde trafen sich. ihr Ziel war es, ein lnitiativkomitee mit dem Namen «Parteilose Bürger der Gemeinde Rapperswil» zu gründen.

lm Dezember 1969 folgte eine erste Orientierungsversammlung. Man besprach die Traktanden der bevorstehenden Gemeindeversammlung und entschied, Kurt Schläfli für die Steuerkommission zu portieren, leider erfolglos; der SP-Gegenkandidat gewann die Kampfwahl.

lm Herbst 1970 demissionierte ein Mitglied des Gemeinderates, und das lnitiativkomitee startete mit Max Büchi einen neuen Versuch, wiederum ohne Erfolg. Die bestandene «Zauberformel» in der Exekutive trotzte dem Neuen, das da urplötzlich aus dem Boden spross. Noch immer bestand sie - als Zweiparteiensystem - aus sechs Vertretern der damaligen Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei(BGB, heute SVP) und drei Sozialdemokraten.

«Mitarbeiten, nicht revolutionieren», postulierten die Initianten im Frühjahr 1971 an einem konstruktiven Treffen mit der Konkurrenz. Es gelang, das bisher frostige Verhältnis etwas aufzutauen. Aus dem Initiativkomitee entstand an der Versammlung vom 25. Mai 1971 eine Partei, diesich fortan Vereinigung für Gemeindepolitik (VGP) nannte und sich Statuten gab.

Die VGP stieg im Herbst 1973 mit einer Viererliste in die erstmals nach dem Proporzwahlsystem an der Urne durchgeführten Gemeinderatswahlen und erzielte einen Grosserfolg: ln einem Kopf-an-Kopf-Rennen nahm die VGP der SP gleich zwei Sitze ab und knackte die althergebrachte «Zauberformel» - bei einer Stimmbeteiligung von über 71% Prozent notabene. Mit den beiden Mitbegründern Walter Rosser und Jürg Boss war nun die VGP im Gemeinderat vertreten!

Seither variierten die Sitzverhältnisse im Gemeinderat bis heute nur leicht. Auch als der Gemeinderat im Jahre 2001 auf 7 Mitglieder reduziert wurde, blieb die VGP mit zwei Sitzen die zweitstärkste Ortspartei. Seit 1993 hält die VGP der Reihe nach mit Kurt Schläfli, Ruth Erne und Beat Weber das Amt des Vizegemeindepräsidenten/ der Vizegemeindepräsidentin inne.

Das Steckenpferd der VGP war und ist stets der Drang nach mehr öffentlicher Information. 1972 lancierte die Gemeinde ein offizielles Mitteilungsblatt, den heutigen «Rapperswiler». Neben der Information setzt sich die VGP für eine eher restriktive Steuerpolitik ein. «Kritische Vernunft» lautet das politische Motto, mitunter auch in Umweltfragen. Allzu stark exponieren wollen sich die VGPler nicht, und in ein Links-Rechts-Schema wollen sie auch nicht passen. Die VGP ist in Meinungsbildung und -äusserung frei und unabhängig, nicht gebunden an eine kantonale oder eidgenössische Parteiobrigkeit.