War der «alte Bären» tatsächlich ein Wirtshaus?

Dort wo heute in Rapperswil das Gebäude der Berner Kantonalbank BEKB steht, befand sich einst die «alte Pinte», der «alte Bären», wie man die Wirtschaft damals nannte.

Als 1973 der damalige Posthalter Hans-Peter Imobersteg den «alten Bären» kaute, um ihn abzureissen und einen Postneubau zu erstellen, stiess dieses Vorhaben bei der Dorfbevölkerung auf wenig Interesse oder gar auf Opposition. Die alte Post platzte aus allen Nähten und ein Neubau drängte sich auf. Der «alte Bären» war baufällig und befand sich in einem kaum mehr bewohnbaren Zustand.

Sowohl der Gemeinderat als auch der Baugesuchsteller fielen aus allen Wolken, als die Regionalgruppe Biel-Seeland des Berner Heimatschutzes gegen den Abbruch Einsprache erhob. Der Berner Heimatschutz wies darauf hin, dass der «alte Bären» im lnventar der Bauernhausforschung figuriere und als schützenswertes Einzelobjekt vermerkt sei: «Wir müssen mit aller Dringlichkeit darauf bestehen, dass das einzigartige Gebäude der Nachwelt unter allen Umständen als Zeuge alter Dorf- und Wohnkultur erhalten bleibt.»

Die Einspracheverhandlungen blieben ohne Erfolg. Der Berner Heimatschutz beharrte auf seinem Standpunkt, Hans-Peter lmobersteg dagegen war überzeugt, dass sich die «alte Pinte» in keiner Weise als Postgebäude nutzen liess. Als Geschenk des Himmels mag ihm deshalb die Begegnung mit dem Ballenberg-Museumsplaner Gustav Ritschard vorgekommen sein. Dieser zeigte sogleich grosses Interesse an der «alten Pinte», denn das Freilichtmuseum suchte eine geeignete Gaststätte.

Der Ballenberg wurde zum Rettungsanker; die verfahrene Situation konnte gelöst werden. Anfang 1974 wurde die «alte Pinte» abgebrochen, Noch im gleichen Jahr konnte die neue Post gebaut und am 1. Januar 1975 eröffnet werden.

Heute ist das Gebäude auf dem Ballenberg ein stattliches Gasthaus, das als «alter Bären» von Rapperswil bezeichnet wird. Beim westlichen Eingang zum Freilichtmuseum fällt das Restaurant ins Auge und gar manche Besucherin und mancher Besucher labt sich nach dem Bummel durch die Häuserlandschaften im «alten Bären»

Eigentlich diente das Bauernhaus mit seiner für das Mittelland charakteristischen Aufteilung in Wohn- und Wirtschaftstrakt mit Tenne, Stall und Scheune an seinem Ursprungsort nur zeitweise als Wirtshaus. Man nimmt an, dass die «alte Pinte» kurz vor 1795 erbaut wurde. Aus diesem Jahr ist nämlich ein Abtretungs- und Erbauskaufsbrief vorhanden, der umschreibt, was Jakob und sein minderjähriger Bruder Niklaus Marti von ihren Eltern abgetreten erhalten: «Das ligende besteht in einer ganzen behausung und dem zugehörigen erdreich ohngefahr drei jucharten der Kilchaker genannt, oberhalb der Kirche zu Rapperswil gelegen.. .»

1837 soll das Gebäude durch einen Walmdachanbau erweitert worden sein, in dem bis 1853, also während 16 Jahren, eine Speisewirtschaft betrieben wurde. Das Haus blieb bis 1911 im Besitz der Familie Marti, doch diente es nach 1853 nie mehr als Speisewirtschaft.

Wie Dekretsbüchern und Ratsmanualen (Staatsarchiv Bern) zu entnehmen ist, kann es sich bei dem Gebäude auf keinen Fall um den «Bären» oder den « alten Bären» handeln. Aus dem Jahre 1628 existiert eine Bestätigung einer Taverne in Rapperswii. ln einer weiteren Bestätigung aus dem Jahre 1804 wird die Taverne «zum Bären» genannt, welche an der alten Bernstrasse, oben am Stollen stand. 1853 wollte ein Niklaus Häberli sein Tavernenrecht, welches er auf dem Wirtshaus «zum Bären» besass, auf ein Haus an der neuen Bern-Büren-Strasse erbaut 1849- 1852) verlegen lassen. Diesem Gesuch wurde entsprochen und so entstand der «Bären››, der noch heute als Gasthof in Betrieb ist.