Der Raumnot begegnen

 Obwohl seit dem Schulhausneubau und dem Gemeindehausumbau erst wenige Jahre vergangen waren, wurde von verschiedenen Seiten immer wieder auf die Raumnot für die Durchführung von Anlässen, Militäreinquartierungen und Versammlungen aufmerksam gemacht.Mit dem Einzug der Pfarrfamilie ins neue Pfarrhaus im Frühjahr 1965 wurde das alte Pfarrhaus frei. Für die Teilnehmer an der Kirchgemeindeversammlung war klar, dass das altehrwürdige Gebäude entweder der Kirchgemeinde oder der Einwohnergemeinde erhalten bleiben sollte. DieEinwohnergemeinde hätte das Haus, welches sich ın einem miserablen Zustand befand und beträchtliche Sanierungskosten verursacht hatte, gerne samt Umschwung zu einem Preis von 50000 Franken erworben. Der Raumnot in der Gemeinde hätte damit zwar nur ungenügend entgegengewirkt werden können. Obwohl die Gemeindeversammlung vom 20. Mai 1967 dem Kauf zustimmte, kam dieser schliesslich nicht zustande.

Ende 1968 wurde bekannt, dass das Sägereiareal samt Gebäude aus einer Liquidation käuflich erworben werden könnte. ln der Gemeinderatssitzung vom 28. Februar 1969 kam erstmals der Gedanke auf, die Übernahme der Sägerei ins Auge zu fassen. Im Untergeschoss des Hobelwerkes liesse sich sehr gut eine Militärunterkunft einrichten, im Obergeschoss ein Gemeindesaal. ln der Nähe des Friedhofs wäre zudem ein Parkplatz dringend nötig. lm Frühjahr 1970 setzte der Gemeinderat eine Studienkommission ein, welche ein Raumprogramm aufzustellen hatte. Dieses sollte enthalten: Gemeindewerkhof, Militärunterkunft, Küche, Versammlungsräume, Magazine,Feuerwehrmagazin, Unterweisungsraum, Sonntagsschulraum, Kindergarten, Bibliothek und Hauswartwohnung.Um das Gebäude herum sollte Parkraum für ca. 100 Personenwagen geschaffen werden.

An der Gemeindeversammlung vom 19. Dezember 1970 wurde dem Antrag des Gemeinderates, das Sägereiareal mit den Gebäuden zu erwerben, mit grossem Mehr zugestimmt. Um die Verkäufer im Ungewissen zu lassen, wurde wohlweislich keine Kreditsumme beschlossen. Es ist rückblickend erstaunlich, welches Vertrauen dem Gemeinderat mit diesem Blankokredit entgegengebrachtwurde. Die Verkaufsverhandlungen mit Vertretern der Handelsbank Grenchen fanden am 12. Februar 1971 statt. Die Bank setzte den Verkaufspreis auf 420000 Franken fest, der Gemeinderat bot 350 0OOFranken. Man einigte sich schliesslich auf 380 000 Franken.

An der nächsten Gemeindeversammlung wurde der Kauf allgemein gut aufgenommen und man beschloss, einen Planungswettbewerb durchführen zu lassen. Nach einer Umfrage bei den politischen Parteien, den Kommissionen und Vereinen wurde ein Raumprogramm aufgestellt und eine Kostenzusammenstellung gemacht.

Die Kosten für das Gebäude mit 8600 Kubikmeter umbautem Raum sollten zwischen 2,1 und 2,5 Millionen Franken betragen, ohne Mobiliar und Umgebungsarbeiten. Diese Kostenangaben lösten an der Dezembergemeindeversammlung 1971 eine Schockwirkung aus. Es wurde beschlossen, den Bau noch etwas zurückzustellen, damit dieser besser überdacht werden könne.

in der ersten Hälfte des Jahres 1972 bereitete vor allem die Erarbeitung eines neuen und finanziell tragbaren Raumprogramms der Studienkommission und dem Gemeinderat Kopfzerbrechen. Man entschied, dass die Kostensumme den Betrag von 1,5 bis 2 Millionen Franken nicht überschreiten sollte.

An der Gemeindeversammlung vom 23. Juni 1972 wurde von den einen verlangt, dass die Verwirklichung dieses Gebäudes in eine Gesamtkonzeption mit anderen Aufgaben einbezogen werde. Andere Votanten ermunterten den Gemeinderat, «endlich etwas zu unternehmenund nicht immer alles auf die lange Bank zu schieben.» Noch verlor der Gemeinderat nicht jeglichen Mut und hiess die Studienkommission ein reduziertes Raumprogramm auszuarbeiten.

im Dezember 1973, zum Ende der Legislaturperiode, entschieden die Mitglieder des Gemeinderates, die Angelegenheit bis zum Abschluss der Ortsplanung und der Aufstellung eines mehrjährigen Finanzplanes zurückzustellen.

Das erworbene Gebäude wurde vorläufig vermietet. Die Errichtung eines Mehrzweckgebäudes auf dem Sägereiareal wurde nie mehr weiterverfolgt. lm Laufe der Jahre wurden die bestehenden Gebäulichkeiten und der Umschwung zu einem Gemeindewerkhof mit Feuerwehrmagazin, Abfallsammelstelle, Jugendraum und Parkplätzen umfunktioniert.