Täuffelen Katholisch

Eine Junge Kirche

Im Jahre 1972 weihte Bischof Dr. Anton Hänggi von der Diözese Basel die neue katholische Kirche (Zentrum Peter und Paul) in Täuffelen ein. Über historische Werte oder Jahreszahlen verfügt somit unsere Kirche noch nicht; deshalb greifen wir zurück in die vorreformatorische Zeit in Täuffelen, um die heutige Situation besser zu verstehen.

Aus der Geschichte

Die erste Zeit des Christentums in Täuffelen liegt weitgehend im Dunkeln. In den Chroniken der Gemeinden des Kantons Bern wird erstmals um das Jahr 1000 die Kirche von Choufali (Täuffelen) erwähnt und soll von den Grafen von Nidau oder ihren Rechtsvorfahren gegründet und auf die Namen der heiligen Petrus und Paulus geweiht worden sein. Am 7. Februar 1528 wurde im ganzen Kanton Bern Zwinglis Lehre eingeführt und das Volk stimmte mehrheitlich dieser Neuerung zu. Wer nicht zu den Reformationsgesinnten gezählt werden wollte, verlor im Kanton seine bürgerlichen Freiheiten und musste notgedrungen die Gegend verlassen. So kam es, dass die verbleibenden Katholiken aus Täuffelen mehrheitlich in die Innerschweiz abwanderten und die einst katholische Kirche von Täuffelen der reformierten Kirchenverfassung eingegliedert wurde.

Gottesdienst auf Theaterbühne

In den letzten Jahrzehnten jedoch bewirkte die allgemeine Völkerwanderung innerhalb der Schweiz ein Mischverhältnis aller Glaubensrichtungen. Die Industrialisierung weiter Gegenden veranlasste auch Katholiken, aus den rein romtreuen Kantonen ins Seeland ab- oder zurückzuwandern. Aus der Volkszählung von 1970 ergab sich im Einzugsgebiet Täuffelen (Hagneck, Mörigen, Epsach) ein Bestand von rund 400 Katholiken. Um die stets zunehmende Anzahl der Gläubigen gerecht zu betreuen, brauchte es ein geeignetes Gotteshaus. Während fast zwei Jahrzehnten stand die Theaterbühne des Restaurants «Schwanen» in Gerolfingen zur Glaubensversammlung zur Verfügung. Durch Steuereinnahmen, Bettelpredigten und Spenden wurde der Bau einer eigenen Kirche in Täuffelen ermöglicht. Nach drei vorliegenden Projekten konnte der Bau, nach Plänen des «ateliers 64» - G. u. H. Götschi-Holenstein, am 7. März 1971 am Bodenweg begonnen werden. In einer Bauzeit von 15 Monaten errichteten zwanzig am Bau beteiligte Firmen ein zweigeschossiges Mehrzweckgebäude. Die Bezeichnung «Kirche» liess man fallen, damit die Räumlichkeiten auch für nichtsakrale Zwecke (kulturelle oder gesellschaftliche Anlässe) benützt werden können.

Peter und Paul geweiht

Das Äussere unseres Zentrums Peter und Paul ist denn auch als Kirche nur am Turm zu erkennen. Ein gepflegter Baumbestand umringt das weisse Gebäude, welches sich gut in die Landschaft eingegliedert hat. Am 27. Juni 1971 erfolgte die symbolische Grundsteinlegung durch Dekan Josef Stalder aus Bern. Eine Urkunde mit Daten der bisherigen Bautätigkeit, des Tagesgeschehens, Persönlichkeiten von Dorf, Kanton und Eidgenossenschaft sind aufgeführt und einige Münzen beigelegt. Dieses Dokument befindet sich in einem von Peter Travaglini ausgearbeiteten Relief beim Eingang der Kirche (Kirchturmmauer). Das Kunstwerk beinhaltet plastisch die Jahreszahl 1971 (Baubeginn) und zugleich erkennt man querliegend den Schlüssel und das Schwert, die Symbole von Petrus und Paulus. Am 5. Februar 1972 weihte Domherr Felix Schmid aus Basel die einzige Glocke ein. Die Inschriften auf der 840 Kilogramm schweren, ebenfalls von Peter Travaglini entworfenen und aus der Giesserei Rüetschi, Aarau, stammenden Glocke (Tonzeichen fis) lauten auf der Vorderseite: «Ihm sei Ehre in der Kirche in Jesus Christus durch alle Generationen von Ewigkeit zu Ewigkeit, Epheser 3, 21.» Auf der andern Seite: «Drei Jahre später zog ich (Paulus) nach Jerusalem hinauf, um Petrus kennenzulernen, und ich blieb 15 Tage bei ihm. Galater 1, 18.» Diese Aufschriften von Pfarrer Josef Keiser, Ins, ausgesucht, sollen an die ehemalige katholische Kirche in Täuffelen erinnern.

Einfach aber eindrucksvoll

Im Innern der Kirche befindet sich im Parterre der eigentliche Mehrzweckraum, durch eine Faltschiebewand in verschiedene Raumgrössen aufteilbar. Der Sakralraum besticht durch seine einfache und eindrucksvolle Konzeption. Kreuz, Tabernakel, Ambo und Weihwassergefäss, mit Kupfer und Emailplättchen ausgeschmückt, sind die einzigen farblichen Dekorationen in der Kirche, Der Altar wurde von der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Täuffelen als ökumenische Geste den Katholiken geschenkt und weist zum Zeichen der nachkonsilarischen Regeln keinerlei Prunk auf. Die sakrale Chorgestaltung mit der aus asymmetrischen Reliefs geformten Frontwand entstammen dem Entwurf von Peter Travaglini und Pierino Selmont. Eine kleine elektronische Orgel rundet den Sakralraum ab. Durch die Schiebewand kann dieser Raum vom übrigen Aufenthaltsbereich getrennt werden. Auf die traditionellen Knie-Sitzbänke wurde hier verzichtet. Dafür bieten locker aufgeteilte Stühle für 200 Personen Sitzgelegenheit. Als abgetrennter, neutraler Aufenthaltsraum kann dieser Bereich der Kirche auch für kulturelle oder gesellschaftliche Anlässe benützt werden. Eine separate, zweckmässig eingerichtete Küche ermöglicht im Notfall Kochgelegenheiten. lm Untergeschoss befinden sich Zivilschutzräume, ein grosses Sitzungszimmer, Öltank, Heizung, Toiletten und Putzraum. lm Aufenthaltsraum treffen sich die Ortsvereine. Als Jugendzentrum werden die schalldichten Mauern besonders geschätzt. Das Zentrum Peter und Paul bildet als Mehrzweckgebäude eine glückliche Synthese von traditionellem liturgischem Brauchtum und öffentlichem Gemeinschaftsraum. Die katholische Kirche Täuffelen steht tagsüber jedem Besucher offen. Der ganze Gebäudekomplex bereichert das Dorf um eine kulturelle Stätte.