Täuffelen Kirche
Alles hat seine Zeit
Lassen wir zuerst den Chronisten sprechen„ der um die letzte Jahrhundertwende schrieb: «Täuffelen (Chonfalli 1228) ist das Pfarrdorf, zu welchem Mörigen und Gerolfingen kirchgenössig sind. Kirche und Pfarrhaus befinden sich auf aussichtsreicher Höhe nach Nord und Süd, über die Seegegend und dem langgezogenen Jura nach, sowie über die Moosgegend und das dahinter liegende Gebiet des Mittellandes bis zu den Alpen. Aufgefundene Leistenziegel und eine Stelle «auf dem Hochsträss» im nahen Walde weisen auf römische Niederlassung. Im Mittelalter gehörte Täuffelen nicht zur Herrschaft Nidau, sondern zu der von Erlach, und kam deshalb erst zur Zeit der Burgunderkriege an Bern. Dafür gehörte dann der Kirchensatz nach Nidau. Der Kirchturm erhielt erst im Jahr 1883 seine jetzige Höhe und bei dieser Gelegenheit zum erstenmal ein «Kirchenzeit» . Von da an galt der früher in dieser Gegend gebräuchliche Spruch nicht mehr: «Alles hat seine Zeit, nur der Kirchturm von Täuffelen nicht»
Römische Zeugen
Die Kirche von Täuffelen geht wie die meisten bernischen und schweizerischen Landeskirchen auf einen einfachen romanischen Bau zurück, mit rechteckigem, leicht nach Süden abgewinkeltem Chor. Diese Abwinklung ist typisch für viele Kirchengrundrisse. Sie kann übrigens auch nach Norden erfolgen. Sie geht nicht, wie man lange meinte, auf die Unfähigkeit der Bauleute zurück, die Winkel zu messen, sondern lag durchaus in der Absicht des Bauplanes. Die mittelalterlichen Fundamente, über deren Alter wir nur Vermutungen anstellen können, überdecken Mauerwerk aus römischer Zeit, das übrigens auch in der Umgebung der Kirche in Spuren vorhanden ist. Schliesslich führte ja die grosse West-Ost-Strasse Genova (Genf)-Lousonna (Lausanne) -Aventicum (Avenches)-Petinesca (bei Studen)-Solodurum (Solothurn)-Basilea (Basel)-Turicum (Zürich) im Gimmiz vorbei. Dagegen haben die anlässlich verschiedener Grabarbeiten entdeckten Quellstollen nördlich der Kirche ein viel geringeres Alter, wurde doch ein entsprechender Vertrag aus dem Jahre 1835 in den Urkunden gefunden.
Peter und Paul gewidmet
Eine umfassende Neugestaltung erhielt die Kirche 1515, also kurz vor der Reformation. Aus dieser Zeit stammt auch die mittlere, den Aposteln Peter und Paul geweihte Glocke. Sie trägt die Inschrift: «Rex Glorie Christi Veni Nobis com Pace Anno Domini MDVX» und als Verzierung auf der einen Seite Petrus mit dem Schlüssel und auf der Gegenseite Paulus mit dem Schwert in der rechten und einem Buch in der linken Hand. Das Patrocinium der Kirche hatten ebenfalls Peter und Paul inne. Doch war die Kirche weitherum bekannt für einen Altar der heiligen Barbara. Sie soll im 2. Jahrhundert in Catania gelebt haben und daselbst um ihrer christlichen Taufe willen verfolgt worden sein. Vom 15. Jahrhundert an gehört sie zu den vierzehn Nothelfern (eine Gruppe von vierzehn Heiligen, die von den katholischen Gläubigen in Nöten aller Art angerufen werden), und wird später Patronin der Bergleute, Glöckner und Artilleristen. Es soll übrigens an diesen Altar sich eine kleine Bruderschaft angeschlossen haben.
Architektur im Wandel
Leider ist uns vom Umbau von 1515 nur eine hübsche südseitig gelegene Sakramentsnische erhalten, die heute wieder bei der Feier des Abendmahles sinngemäss benützt wird. Barocke und neugotische Renovationen veränderten das Bild der alten Kirche völlig, vor allem durch die Umbauten des Turmes von 1778 und 1865, wo der ehemalige Käsbissenturm durch den heutigen Aufbau ersetzt wurde. 1952 wurde die Kirche einer neuerlichen Renovation unterzogen, dabei in ihren Grundmassen noch einmal verändert. Ein gutes Orgelwerk mit 13 Registern der Firma Metzler & Söhne wurde dabei auf der Nordseite der neuen Ernpore gesetzt.
Älteste Glocken der Schweiz
Ganz ursprünglich an unserer Kirche ist nur noch der untere Teil des Turmes, der Glockenstuhl und die drei Glocken, Ausser der erwähnten Peter- und Paul-Glocke erklingt, ausserhalb des nur für zwei Glocken berechneten Stuhls, wohl eine der ältesten in der Schweiz noch tönenden Glocken aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. Die grosse, als einzige nach der Reformation entstandene Glocke wurde 1624 von Abraham Zehnder in Bern gegossen. Sie trägt die Inschrift: «Us dem Fuer bin ich geflosen Abraham Zehnder zu Bern hat mich gegossen. Die Christe Luet bruf ich zusamen, das hörind Gotts Wort allsamen zu Lob und Ehr und Pris Sinem Heiligen Namen» In der dunklen Zeit des 30jährigen Krieges ertönte also diese noch heute vollklingende Glocke zum ersten Mal. Bei der Renovation von 1952 fand man auch den Beweis, dass der Chor 1515 als gotisch gewölbter Kreuzrippenchor erbaut wurde, wie es ziemlich analog etwa in Neuenstadt zu sehen ist. An diese Tatsache erinnerte vor 1952 der leider nur aus Holz und Stuck errichtete pseudogotische Bogen zwischen Schiff und Chor, der richtigerweise dann abgerissen wurde. Leider reichten damals weder Zeit noch Mittel für eine gründliche Untersuchung, etwa des Untergrundes der Kirche, die Hinweise auf frühere Bauetappen hätten geben können. Auch so dürfen wir annehmen, dass Täuffelen eine der ältesten Kirchen des Seelandes ist.
Grosse Pfarrei
Der Kirchensatz wurde von Graf Rudolf dem IV. von Nidau 1357 dem Kloster Gottstatt geschenkt. Die Pfarrei war von Anfang an ziemlich umfangreich, und umfasste die Dörfer, die noch heute zur Kirchgemeinde gehören: Hermrigen, Epsach, Mörigen, Gerolfingen, Täuffelen und die Höfe von Hagneck. Vor der Reformation gehörte eine Zeitlang sogar noch Bühl zur Pfarrei Täuffelen. Bis zur Reformation amteten in Täuffelen als Pfarrer Prämonstratenser aus Gottstatt. Der erste reformierte Pfarrer war ein junger Priester namens Jörg Blösch. Wie aus den alten Urbaren ersichtlich, gehörte Täuffelen zur obersten Pfrundklasse. Im Generalurbar von 1831 scheint allerdings bereits Pfrundland oder vor allem wohl die durch den heutigen Flurnamen Kirchreben bezeugten Reben zu fehlen.
Erhaltenswerte Besonderheiten
Bemerkenswert und darum vor allem auch erhaltenswert an unserer Kirche ist ihre besondere Lage auf einem ummauerten erhöhten Grundstück, das einem Schiff ähnelt, dessen Bug nach Osten zeigt. Es handelt sich dabei um eines der seltenen Beispiele einer befestigten Kirche. Es ist zu hoffen, dass die im Zuge befindliche Strassenverbreiterung an dieser bald tausendjährigen Situation nicht zu viel ändern wird. Auch der Baumbestand um die Kirche, besonders die alte Eibe und die Stechpalmen, sind erhaltenswert. Der Turm, an dessen eigenwillige neue Form man sich gewöhnt hat, und der wie die Kirche durch Beschluss des Regierungsrates von 1907 unter Denkmalschutz steht, gehört zusammen mit der prachtvollen Linde beim Pfarrhaus zu den weithin sichtbaren Wahrzeichen unseres Dorfes.
Zeichen des Lebens
Der heutige Innenraum ist durch die Renovation hell und freundlich gestaltet worden. Die farbigen Fenster im Chor und die Glasmalereien in den Fenstern über der südlichen Eingangstüre und im Schiff - zumeist Stiftungen hiesiger Unternehmen und Privatpersonen – wurden durch Kunstmaler Paul Zehnder aus Bern geschaffen. Das Auferstehungsfenster auf der Südseite des Chors war sein letztes grösseres Werk vor seinem Tode. Die fröhliche Weihnachtsdarstellung im Ostfenster ist jedem Kirchenbesucher mit den Jahren lieb und vertraut geworden. Dankbar erinnern wir uns auch an die Bildhauer- und Schnitzarbeiten des Verstorbenen Walter Laubscher, die Orgelprospekt und Querbalken über dem Chor zieren. Eine Kirche soll nicht ein Museum sein, und darum sind die vielen Änderungen, ob gelungen oder nicht, Zeichen des Lebens. Der schönste Schmuck jeder Kirche ist allerdings überall, und so auch bei uns, die lebendige Gemeinde.
Orgel, einst umstritten
1843 kaufte die Kirchgemeinde von Musiklehrer Totster in Biel eine Orgel, «die aber so schlecht ausgefallen ist, dass Totster dieselbe vertragsgemäss wieder zurücknehmen musste››, schrieb der Kirchgemeinderat am 20. Februar 1845 an das kantonale Erziehungsdepartement. Ein Jahr vor diesem Schreiben - 1844 - frohlockte der damalige Pfarrer in einem Rapport an die Regierung: «Seit dem die Orgel verstummte, dafür aber die Schullehrer mit den ältern Schulkindern und gesangslustigen Jünglingen den Gesang der Gemeinde leiten und unterstützen, ist die Teilnahme am Kirchengesang grösser als da die Orgel gespielt wurde.» Im Herbst 1846 baute der damals wohl berühmteste Orgelbauer der Schweiz, Friedrich Haas, Schöpfer der Werke in Kirchen von Luzern, Winterthur, Zürich (Neumünster), Basel (Münster), Bern (Münster; Umbau der Orgel) unter anderen eine 9- oder 10-Register-Orgel für die Täuffeler Kirche. Der von der Orgelmusik nicht überzeugte Ortspfarrer hielt dazu fest: «Letzten Herbst wurde in der Kirche eine von dem berühmten Künstler Herrn Haas in Bern verfertigte kostbare Orgel aufgestellt, doch ist die Hoffnung, dass dadurch dem Kirchengesang aufgeholfen werde, bis dahin nicht erfüllt worden.» Die Haas-Orgel diente bis zum Jahre 1907. Dann baute Zimmermann ein Instrument mit 15 Registern - und 1953 erhielt die Kirche ihr heutiges Werk, eine Metzler-Orgel mit 14 Registern.