St.Johannsen

Vorbemerkung:

Im Mittelalter waren es im Seeland vor allem drei Klöster, welche Land und Volk ihren Stempel aufprägten: Das Zisterzienserkloster von Frienisberg, das Prämonstratenserkloster von Gottstat und das Benediktinerkloster von St. Johannsen. Die Mönche dieser Klöster leisteten nicht nur Bekehrungsarbeit, sondern sie brachten dem Land auch die christliche Kultur. Neben der geistigen Bildung widmeten sich die Mönche intensiv der Urbarisierung des Landes. Sie rodeten und bepflanzten weite Landstriche und betätigten sich als Pioniere für Landwirtschaft, Gartenbau und Viehzucht. Im heutigen St. Johannsen finden wir nur noch klägliche Überreste des einstigen mächtigen und reichen Klosters. Zurzeit sind aber bedeutende Restaurationsarbeiten im Gange, so dass in wenigen Jahren manche Bauten wieder «im alten Glanze erstrahlen» werden. Die bedeutendsten Benediktinerklöster in unserem Lande sind Einsiedeln und Engelberg; wohl das bekannteste liegt auf dem Hügel von Monte Cassino, halbwegs zwischen Rom und Neapel. Gründer des Benediktinerordens war Benedikt von Nursia, 480-543. Er lebte in und um Rom.

Insel St. Johannsen

Seit der Jahrtausendwende war die Zihlebene waldfrei und zum begehrten Weideland geworden. Zwischen niedrigen Ufern floss die Zihl in langsamen Windungen und gab kurz vor der Mündung in den Bielersee einen Nebenarm ab. Die so entstandene, allseits von Wasser umflossene, dicht mit Schilf bestandene Insel wählten die Herren von Fenis, die Vorfahren der Grafen von Neuenburg, als Standort für ihr Hauskloster. In frühen Urkunden wird das Kloster denn auch so benannt, «lnsula Sancti Joannis››, Insel des heiligen Johannes. Später findet sich häufig die Bezeichnung Abtei oder Konvent von Erlach.

Der Bischof von Lausanne Cuno von Fenis gründet das Kloster Ende des 10. Jahrhunderts auf seinem Eigengut. Da er noch während der Bauzeit stirbt, wird er «vor dem Kruzifixus» in der Kirche beigesetzt. Sein Bruder Burkart, seinerseits Bischof von Basel. Vollendet den Bau, der zwischen 1107 und 1120 dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht werden kann. Bischof Burkart ist Schirmherr des Benediktinerklosters St. Blasien im Schwarzwald und lässt eine erste Mönchskolonie mit einem Abt aus diesem Zentrum klösterlicher Erneuerung kommen, das vielen Abteien seine Satzungen übermittelt hat. Die Benediktinerregel verlangt, dass Arbeit und Gebet das Tagwerk der Mönche ausmachen sollen. Gastfreundschaft und Armenpflege bilden die Hauptaufgaben der Mönchsgemeinschaft. Die von der Regel geforderte Selbstversorgung trug wesentlich dazu bei, das Kloster zu einer kleinen, in sich geschlossenen Welt zu machen. Mit Vorliebe wählten die Benediktiner Pionierstandorte wie unsere «lnsel», für deren Bewältigung sie über technisch versierte Bauleute verfügten.

Reiches mächtiges Kloster

Ob unter den Angehörigen des Hauses Neuenburg die in St Johannsen ihre Grablege fanden, auch der liederreiche Minne Klostersänger Rudolf von Neuenburg ruht, ist ungewiss. Sicher aber ist, dass die Stifterfamilie das Kloster mit reichen Schenkungen bedachte und den Grund zu weiterer Prosperität legte, indem sie ihren Ministerialen erlaubte, Stiftungen zu errichten, so wurde die Abtei zur begütertsten zwischen Seeland und Rhein: ihre Besitzungen, Zehnten und Rechte lagen nicht nur im Seeland, in der Grafschaft Neuenburg und im Bistum Basel, sondern auch im Solothurnischen, Aargauischen und Luzernischen. Hinter dem materiellen Reichtum dieser einzigen Benediktinergründung der burgundischen Schweiz steht die geistig-kirchliche Bedeutung nicht zurück. Die Bischöfe von Lausanne unterstützten die Äbte des Erlacher Konventes in ihren Unternehmungen, die Päpste gar bestätigten seit dem späten 12. Jahrhundert immer wieder die Besitzungen des Klosters, die gegenwärtigen und die zukünftigen. Papst Luzius III. gestattet 1185 den Mönchen aber auch, im Fall eines allgemeinen Kirchenbannes die Messe mit leiser Stimme hinter geschlossenen Türen und ohne Glockengeläut zu feiern, nachdem alle Exkommunizierten sich entfernt hätten. Hell scheint der Rang des Zihlklosters in der päpstlichen Bulle auf, die belegt, dass seit Egilulf, dem 2. Abt von St. Johannsen (1130-1160), dem Klostervorsteher das Recht zukam, die Mitra und die übrigen pontifikalen Würdezeichen zu führen. Dieses Recht, das bei den Benediktinern sehr geschätzt war, war noch im 11. Jahrhundert nur den bedeutendsten Abteien verliehen worden, so Canterbury, Cluny, Monte Cassino und der Reichenau. Unter den vielen Schenkungsurkunden erweckt eine aus dem Jahr 1217 besonderes Interesse: Ritter Conon d‘Aragnon (Ernen/ VS) hatte das Kreuz genommen und wollte sich ins Heilige Land begeben. Mit dem Einverständnis seiner Frau schenkte er daher um Gottes Lohn alles, was er und seine Frau in Gals, Nugerol, Cressier usw. besassen, der Abtei von Erlach, wohin er seine Tochter gebracht hatte. Dort lebte sie mit der Zustimmung von Abt und Konvent gemeinsam mit anderen Nonnen. Das gesteigerte Ansehen der Frau und ihr wachsender Anteil am Leben der Gesellschaft in der Stauferzeit hatte es mit sich gebracht, dass eine grosse Zahl von Frauen den Anschluss an einen Priester oder eine Priestergemeinschaft suchte, dies umso mehr, als die Benediktinerinnenklöster von aristokratischer Zurückhaltung waren. Eine dieser religiösen Frauengemeinschaften ist damit auch für das lnselkloster in der Zihlebene belegt.

Blütezeit
Gerade in dieser Zeit Anfangs des 13. Jahrhunderts erlebt das Kloster eine Blütezeit unter der umsichtigen Führung von Abt Peter l. (1218-1239). Es gelingt ihm, verschiedene Zwistigkeiten beizulegen, die das Kloster während Jahren beschäftigt haben, neue Schenkungen vergrössern das Vermögen der Abtei merklich. 1238 gewährt Rudolf von Neuenburg dem Kloster das Burgrecht von Neuenburg. Abt Peter lässt die Verträge nicht nur von den Bischöfen und Landesherren bestätigen, sondern er wendet sich selbst an den Papst, um seinen Unternehmungen zum Wohl der Abtei mehr Gewicht zu verleihen. Auf seine Klagen hin mahnt Honorius Ill. 1223 die Grafen von Neuenburg unter Androhung von Kirchenstrafen, die Schirmherrschaft über das Kloster nicht mehr zu unberechtigten Forderungen auszunutzen. ln der Folge machen die Neuenburger dem Kloster zwar reumütig Schenkungen, um begangenes Unrecht wiedergutzumachen. Doch schon im 14. Jahrhundert haben sie ihre Rechte so weit ausgebaut, dass anstelle der freien Abtwahl durch die Mönche die Grafen von Neuenburg und von Nidau gemeinsam den Abt bestimmen. Von diesem Zeitpunkt an bekleiden eher weltliche Herren als Mönche die Abtswürde, so Ulrich und Nicolas von Falkenstein, Johann, Bastard von Neuenburg, Johann und Ludwig von Vuillafans.

Kriegswirren

Als sich im 14. Jahrhundert die Auseinandersetzung zwischen dem erstarkenden Stadtstaat Bern und den Neuenburgern zuspitzt, wird das Kloster wiederholt in Mitleidenschaft gezogen, da die Kriegsschauplätze häufig in der Nähe liegen. 1324 belagern die Berner zweimal den neugegründeten festen Platz Le Landeron, 1328 richten die den Bernern zu Hilfe eilenden Thuner am Kloster Schäden an, die sie wiedergutmachen müssen. Ein halbes Jahrhundert später dringen die Gugler unter lngelram von Coucy ins Land ein, verwüsten Gottstatt, Fontaine-André und Anet (Ins), Erlach und seine Abtei dürften kaum ungeschoren davongekommen sein. Als folgenschwerer für die Abtei sollte sich aber der Tod des Grafen Rudolf IV. von Nidau erweisen, der 1375 bei der Verteidigung von Büren gegen die belagernden Gugler fiel. Er war der letzte seines Namens gewesen, und schon 1388 erobern die Berner nach einer memorablen Belagerung Nidau. Die Stadt betrachtet sich als Nachfolgerin der Herren von Nidau und beharrt darauf, auch deren Anteil an der Schirmherrschaft über das Kloster auszuüben. 1413 anerkennt die Abtei schliesslich Bern als Schirmherrin. Immer fester gerät das Kloster im Seeland in die Kreise der bernischen Expansionspolitik. Nach den Burgunderkriegen wird Erlach die Herrschaft abrunden, Bern wird unmittelbarer Nachbar des Grafen von Neuenburg und Besitzer des Territoriums, auf dem sich das Kloster erhebt.

Neubau in schwerer Zeit

Die Aussichten im späten 14. Jahrhundert waren keineswegs günstig. Eine einengende Schirmherrschaft, rückläufige Spenden und ein geschmälertes Einkommen, da die Pest ihre Opfer auch unter den Klosterleuten gefordert hatte, liessen die Zukunft nicht eben in rosigem Licht erscheinen. Trotzdem wagte sich die Abtei an einen völligen Neubau von Kirche und Konventsbauten. Im moorigen Grund hatten sich die Bauten im Lauf von drei Jahrhunderten um gut einen Meter gesenkt, und die Überschwemmungen wurden immer bedrohlicher, da der Seespiegel seit 1300 stetig anstieg. Möglicherweise hatten auch Kriegsschäden eine Erneuerung der Gebäulichkeiten notwendig gemacht. Die adligen Äbte Ludwig von Vuillafans (1365-1390) und Johann von Neuenburg (1395-1412), die das Unternehmen leiteten, zogen erstklassige Werkmeister und Steinmetze bei. Nach und nach wurden die alten Mauern abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt. Die Kirche erhielt wieder ihre alte Grösse, obwohl statt 30 bis 60 Mönche nurmehr 8 bis 12 im Kloster lebten. Einzig der Kreuzgang wurde leicht verkleinert. Wehrbauten sicherten das vollendete Werk.

Zerfall der Sitten

Unter dem Abt Antoine Mestral (1446-1450), der später zum Prior von Cluny berufen wurde, lockerten sich die Sitten der Mönche von St. Johannsen so, dass der bernische Magistrat sich beim Abt darüber beklagte. Um den Missbräuchen abzuhelfen, liess man Mönche von untadeligem Lebenswandel kommen, die durch ihre Anweisungen und durch ihr gutes Beispiel den Konvent auf den rechten Weg der Regel zurückführen sollten. Da sich der gewünschte Erfolg nicht einstellte, schickte der Berner Rat den Sekretär Fricker nach Rom (1449), um vom Papst die Erlaubnis zu erhalten, das Zihlkloster nach der Regel des heiligen Augustinus zu reformieren. Die Reform wurde gestattet, doch schweigen die Quellen über ihre Durchführung. Der Eifer für die geistlichen Pflichten scheint aber weiterhin gering, denn um 1500 müssen die Inseln im Bielersee dem Chorherrenstift von Bern zurückerstattet werden, da die Mönche von St. Johannsen der damit verbundenen Verpflichtung, im Priorat der Petersinsel Gottesdienst zu feiern, nicht nachkommen mögen.

Todesstoss und Auflösung

Als die Eidgenossen 1512 die Grafschaft Neuenburg besetzen und in eine gemeine Vogtei umwandelten, verkaufte die bedrängte Gräfin Johanna das Kloster St. Johannsen um einen Pappenstiel an Bern, in der Hoffnung, die Stadt werde sich für sie einsetzen. Die Eidgenossen mussten 1529 unter dem Druck des französischen Königs Franz I. die Grafschaft zurückerstatten, die Abtei aber war nun, am Vorabend der Reformation, endgültig bernischer Besitz. Das sollte ihren Todesstoss bedeuten. Mit dem Fortschreiten der Reformation nämlich legte Bern die Hand auf die religiösen Niederlassungen, um sich deren weltlichen Besitz nicht entgehen zu lassen. «Eine fürsichtige Stadt Bern (beschloss), Ungeschick und Schaden zefürzekommen, und that einen tiefen 
Griff in Papsts Fryheit und besetzt mit Vögten alle Ire Gottshüser», berichtet Anshelm, und keiner sei mit leeren Händen wiedergekommen. 1528 setzten sich die Berner über den Widerstand der katholischen Orte, die gemeinsam mit Bern die Grafschaft Neuenburg verwalteten, hinweg und reformierten das Kloster. Sie verbrannten die Bilder, behändigten die Kirchenzier und verboten Abt und Mönchen, die Messe zu feiern.
Unter dem letzten Abt, Rudolf de Benedictis (1504-1529), hatte die Abtei nochmals eine kulturelle Blütezeit erlebt. Bruder Ayrno Decharbillon, Doctor und Professor der Theologie, hatte eine Bibliothek von über 100 Autoren, die er um 200 Gulden gekauft, ins Kloster gebracht. Auch der begüterte und kultivierte Abt selbst war ein Kunstfreund, der nicht nur dem Kloster eine Altartafel geschenkt, sondern auch den Kirchen von Ligerz und Büren Fenster mit seinem Stifterwappen gespendet hatte. Von seinem Kunstverstand zeugt eine kostbare Schnitzerei im Historischen Museum von Bern: Das Wappen der Benedictis ist gekrönt von Mitra und Stab, umgeben von einem Astreif und spätgotischem Blattwerk. Unter dem Vorwand, der Abt sei ausserordentlich verschuldet und seine Schulden würden das Kloster ruinieren, drängte Bern 1529 Rudolf de Benedictis zum Verkauf der Abtei. Die Stadt betrachtete nämlich allgemein nicht die Orden, sondern die jeweiligen Inhaber als Besitzer der Klöster und tätigte mit diesen das Rechtsgeschäft der Übergabe. Auch die Mönche von St. Johannsen fügten sich und gaben das Kloster ihren Gnädigen Herren zurück, samt Gütern und Schulden. Die letzten sieben Konventualen wurden mit je 100 Sonnenkronen abgefunden, der Prior Jean de Senarclens bekam das Doppelte. Der Abt Rudolf de Benedictis erfuhr eine wohlerzogene Vorzugsbehandlung und erhielt eine Aussteuer von 2000 Sonnenkronen zugesprochen, dazu acht Kühe, drei Pferde und drei aufgerüstete Betten. Man erlaubte ihm ferner, die Mitra und den Abtstab sowie ein silbernes Armreliquiar als persönlichen Besitz mitzunehmen. Rudolf de Benedictis, der in seinem Testament einen Sohn und eine Tochter berücksichtigt, blieb dem alten Glauben treu und zog sich ins Priorat von Perroy zurück, wo er 1534 starb.
Als man bald nach der Reformation im Berner Rat prüfte, ob St. Johannsen zu einer Festung ausgebaut werden sollte, um die Ländereien und den See zu schützen, war die Kirche schon abgedeckt und der Chor diente als Kornspeicher. Bald darauf wurden das Kirchenschiff, der östliche Klostertrakt und die nördlichen und südlichen Kreuzgangflügel abgebrochen.

Vergangene goldene Zeiten

Die Landvogtei St. Johannsen umfasste die Güter der Abtei und das Dorf Gals, ein Gebiet von etwa 8,5 Quadratkilometern. 56 Vögte folgten sich hier bis zur Französischen Revolution im Amt, das zu den elf höchstbesoldeten Landvogteien gehörte. Der bekannteste unter ihnen ist der Geschichtsschreiber Michael Stettler, der in der einzigen gedruckten Berner Chronik das Werk Anshelms fortsetzte. Wie gut sich in St. Johannsen lebte, entnehmen wir der Schilderung, die Johann Rudolf von Sinner im späten 18. Jahrhundert in seinen Reisebeschreibungen gibt: «Von der einstigen Abtei sind nur alte Gemäuer übriggeblieben, eine weite Umfassungsmauer schliesst mit Höfen, Scheunen, Kellern und reichen Fischgründen auch die Stille und Abgeschiedenheit ein, die einst diesen Ort beherrschten, der heute noch fern jeder menschlichen Behausung liegt. In der Unbeschwertheit eines ausgezeichneten Einkommens und der Ruhe dieser Residenz kann der Herr eine reiche Tafel führen, ohne die guten Sitten zu verletzen. Er sieht den Fluss friedlich unter seinen Fenstern vorbeifliessen und kann vor der Haustür das Schiff besteigen, um sich zum einen oder zum anderen See zu begeben. Manchmal ziehen die Gastfreundschaft und die Erinnerung ans alte Kloster den Besuch der drei Kapuziner als Le Landeron an, um dem Nachfolger der glücklichen Äbte von St. Johannsen zu huldigen und um milde Gaben zu empfangen» Die Französische Revolution setzte dieser Herrlichkeit ein Ende und St. Johannsen wurde zum Amt Erlach geschlagen, man liess nurmehr einen Verwalter dort.

Kloster Fabrik Anstalt

Doch es dauerte nicht lange, bis das lndustriezeitalter auch in St. Johannsen Einzug hielt und neues Leben in die alten Mauern brachte. Die bernische Regierung verkaufte 1834 das Anwesen für 30 000 Franken an den Neuenburger Tuchhändler Louis Roy, der dort industrielle Betriebe einrichtete. Der Ziegelei wurde dort eine Essigfabrik beigesellt, eine Fabrik zur Herstellung von Druckerschwärze folgte. Ein weiterer Betrieb verarbeitete den Torf des benachbarten Sumpfes zu Brennstoff. 1883 kaufte der Staat die Liegenschaft um 55 000 Franken wieder zurück, um hier eine Strafanstalt einzurichten. Im gleichen Jahr stürzte der hochaufragende, mit Masswerk bekrönte Vierungsturm ein. Die Entrüstung über den Verlust dieses weithin sichtbaren Wahrzeichens war nicht nur bei den Sachverständigen, sondern auch bei den Bauern der Gegend gross. Es erhob sich der Verdacht, unvorsichtige Grabarbeiten am Fuss des Turmes hätten ihn zum Einsturz gebracht, doch dürfte vielmehr das Absinken des Grundwasserspiegels bei der Juragewässerkorrektion die Fundamente geschwächt haben. Auch Chor und Querschiff, die einzigen noch aufrecht erhaltenen Teile der gotischen Kirche aus dem späten 14. Jahrhundert, wurden stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass gefährliche Rissbildungen das Schlimmste befürchten liessen. Man entschied sich für das ungewöhnliche Vorgehen, Chor und Querschiff völlig abzutragen, um sie 1970/ 71 über einem neuen Pfahlrost steingerecht wieder aufzubauen.

Das Kloster Heute

Seit 1961 sind umfangreiche, durch den Schweizerischen Nationalfonds finanzierte archäologische Grabungen im Gang, die den romanischen Gründungsbau untersuchen. Die gotische Kirche war eine dreischiffige Rundpfeilerbasilika, deren noch bestehende Teile dem Mönchschor entsprechen, vor dem polygonal geschlossenen Altarraum, den hohe Masswerkfenster erhellen, liegt ein Vorjoch mit gerade begrenzten Seitenkapellen. Querhaus und Vierung wurden bei der Rekonstruktion nicht mehr überwölbt. Im warmen Ockergelb heben sich die elegant profilierten Rippen- und Fenstermasswerke vom Weiss der Wände und Gewölbe ab. Verschiedene Elemente im Innern zeugen noch vom kultischen Leben der Mönche. An der Südwand des Altarhauses ist der Priesterdreisitz eingelassen, die Nordkapelle enthält wohl eine Heiliggrabnische. Die Tür in der südlichen Kapelle führte in die Sakristei, jene in der südlichen Querhauswand zum Dormitorium, dem Schlafsaal der Mönche. Die Konventsgebäude umschlossen einst das südlich der Kirche gelegene Geviert des Kreuzgangs, heute sind nurmehr der Süd- und der Westflügel erhalten Im Südflügel dürften sich das Refektorium, das heisst der Speisesaal der Mönche und die Abtwohnung befunden haben. Über den Grundmauern des Ostflügels wird ein neues Museum Gelegenheit bieten, die zahlreichen Funde aus der über 400jährigen Geschichte des Klosters auszustellen und den Rang der Abtei zu dokumentieren.