Ritter Wernhers Grab und der «Apostel von Pieterlen»
in Schmuckstück des Chors ist der einfach, aber sorgfältig gearbeitete Sakramentsschrein der Nordwand, und noch viel beachtlicher ist der Priesterdreisitz der Südwand. Er ist als sehr schönes gotisches Rahmenwerk in Sandstein um die in die Wand eingetiefte Nische geführt. Die Sakristeitüre ist ursprünglich; sie war aber bis 1956 zugemauert. Sie ging zunächst ins Freie und stand wohl in Verbindung mit der Holztreppe, die später zum höher gelegenen Turmeingang führte.
Ein ungewöhnlicher Schmuck des Chors ist das Rittergrab: Eine in die Nordwand des Westjochs eingelassene Nische, überwölbt von einem niedrigen Segmentbogen, darin, als Tisch mit zierlichen gotischen Säulchen gestaltet, die Grabplatte mit dem Wappenrelief der Edlen von Eptingen Wildenstein, die das Patronatsrecht über die Kirche 1321 von den aussterbenden Freiherren von Pieterlen übernommen hatten. Diese Rechte und Pflichten des Kirchenpatrons bezogen sich auf die Pfarrwahl, die Einkünfte und den Unterhalt der Kirche. Bei der Ausgrabung von 1956 kam im Boden die der Nische entsprechende gemauerte Gruft zum Vorschein, die wie der ganze ausgegrabene Raum unter dem Chor zugänglich ist. Auf der Rückwand der Grabnische sehen wir die Darstellung der Beweinung Christi im liebenswürdigen Stil jener Zeit. Das Stifterpaar - wohl Ritter Wernher von Eptingen und seine Frau - kniet am rechten und linken Bildrand in einer Tracht, die für das erste Viertel des 14. Jahrhunderts charakteristisch ist und uns auch die Erbauungszeit des Chors bestimmen läßt.
Die Malerei weist außer der schon genannten Beweinung Christi weitere achtunggebietende Stücke auf. Da ist vor allem der «Apostel von Pieterlen» aus der romanischen Apsis, der jetzt vorn im Schiff in der Nähe des romanischen Taufsteins aufgestellt ist. Er fand sich eingemauert hinter dem südlichen Schenkel des Chorbogens, wo er zu einem mehr als 600 jährigen Dornröschenschlaf verurteilt gewesen war. Er ist eines der seltenen Beispiele romanischer Malerei in der Schweiz und dank der langen Verborgenheit gut erhalten. Das empfängliche Gemüt wird angesprochen von diesem Apostel, der ja kein finsterer Prediger, sondern ein menschlich warmer, fröhlicher Verkünder des Reiches Gottes ist.
Über der Sakramentsnische an der Nordwand des Chors finden wir dann weiter ein sogenanntes Erbärmdebild, das nach Ansicht Türlers gegen das Jahr 1400 zu datieren ist. Dieses Bildthema war in gotischer Zeit sehr beliebt. Auch da ist es ein neben der Leidensgestalt Jesu kniender Stifter, der uns den Anhaltspunkt für die Datierung gibt.