Nidau

Nidowe 1196, Nidowo 1242, Nidua 1264, Nidowa 1267, Nydowa und Nydowe 1324, Nidouu 1338, Nidouwa 1340

Städtchen und Amtssitz mit Schloss am untern Ende des Bielersees, 6 ¼ Stunden von Bern entfernt. Das Städtchen und die Gemeinde Nidau haben in 106 Häusern 1346 Einwohner. Die Kirchgemeinde Nidau besteht aus den Einwohnergemeinden Nidau, Belmund, Jpsach, Port und Sutz- Lattrigen und hat 2639 Einwohner. Der Amtsbezirk Nidau umfasst die 8 Kirchgemeinden Bürglen, Gottstatt, Ligerz, Mett, Nidau, Täuffelen, Twann und Walperswyl (27 Einwohnergemeinden) und hat 14892 Einwohner. Er erstreckt sich längs des Sees im Westen und den Amtsbezirken Biel im Norden, Büren, Aarberg und Erlach im Osten und Süden. Auf dem linken Seeufer befinden sich die Kirchgemeinden Ligerz und Twann.

Nidau war eine Pfahlbaustation der Stein- und Broncezeit („Alterthümer zu Biel“ Steinberg von Nidau im Anzeiger für schweiz, Geschichte und Alterrthums Kunde 1857 S.46 E.v.Fellenberg Anz. F. schw. Alterthum 1871, 284. 1888, 93. Mittheilungen d. ant Geschichte in Zürich IX. 86 XII.114)

Ob aber der Ort auch keltisch war und Noido hiess, ist nicht bewiesen (Haller, Helvetien unter den Römern II.331-332)

Jn der karolingisch-burgundischen Zeit hat die Gegend zur Grafschaft Bargen gehört, später zur Grafschaft Neuenburg (Aarburgund). Diese erstreckte sich zur Zeit der Gründung Berns von den Thälern des neuenburgischen Jura längs dem Chasseral bis zur Hasenmatte nordwestlich von Solothurn und vom Bucheggberg das rechte Aarufer hinauf bis zum grossen Moos und wieder zum Neuenburgersee (Blösch, Karte 1 in der grossen Festschrift.) Sie umfasste also die heutigen Amtsbezirker Neuenstadt, Biel, Büren, Nidau, Aarberg (zum Theil) und Erlach und Theile des Kantons Solothurn. Früher dürfte sie bedeutend grösser gewesen sein und Solothurn und Freiburg umfasst haben. (E.v.Wattenwyl, Geschichte von Bern I. 2126)

Dem Hause Fenis entstammend walteten hier seit dem Ende des 12.Jahrhunderts als Grafen die Herren von Neuenburg.

Eine kleine Stammtafel möge die verwandtschaftlichen Verhältnisse erklären:

Nidau Grafen

Um 1222 theilten Ulrichs III. Nachkommen die Grafschaft unter sich: Berchtold, Rudolfs Sohn, erhielt die welscshen Gebiete, Ulrich, der jüngste Sohn, die deutschen Gebiete mit der Grafenwürde. Von dessen Söhnen erhielt der älteste, Rudolf I. Nidau mit der Grafenwürde, Berchtold (zuerst Valangin dann) Strassberg und Ulrich Aarberg.

Rudolfs I. direkte Nachkommen Rudolf II., Rudolf III.,Rudolf IV. besassen Nidau. Mit Rudolf IV. starb der neuenburg-nidauische Stamm 1375 aus.

Die Burg oder das Schloss stand bereits im 12.Jahrhundert. „Jn seinem Schlosse zu Nidowe“ stellt Graf Ulrich IV. im Jahre 1196 eine Vergabungsurkunde aus (FRB I.492)

Rudolf I. ist bekannt als Stifter der Prämonstratenser-Abtei Gottstatt. Rudolf II- hat der Stadt Erlach eine Handfeste gegeben. Er musste für diese Stadt den vordringenden Grafen von Savoyen huldigen. 1269 nennt er sich: Landgraf in Burgund an der Aare und 1287:Graf von Neuenburg, Mitherr und Landgraf der Grafschaft Nidau. Er starb zwischen dem 5. Juli 1307 und dem 23.August 1309. Sein Sohn Rudolf III. begleitete den Kaiser Heinrich VII auf seinem Römerzuge. Als er 1326 noch keine Kinder hatte, übergab er die Burg von Nidau seinem Vetter, dem Grafen Peter von Aarberg, als Lehen unter der bedingung der Wiedereinlösung auch für den Fall, dass er Leibeserben erhalte. Vogt und Einwohner von Nidau mussten dem Grafen schwören; er entliess sie aber 14 Tage später ihres Eides, (FRB V.518-519) Damals wurde Nidau ein Lehen von Basel – wie ist nicht bekannt. Der Administrator des Bisthums, Johann von Chalons, Bischof zu Langes, verlieh 1329 am 10: Juli, dem Grafen Rudolf III. und dem Grafen Peter von Aarberg die Burg Nidau unter denselben Bedingungen zu Rudolfs Gunsten wie oben (FRB V.699) 1338 begann Rudolf III. die Stadt Nidau zu bauen, die sein und seiner Erben Lehen von Basel sein sollte. Die förmliche Belehnung durch den Bischof von Basel wurde Mitte Mai 1338 ausgefertigt (FRB VI.411)

Obwohl Rudolf III. mit Bern immer in guten Beziehungen gestanden, schloss er sich doch der grossen Adelscoalition an, die Bern zu vernichten suchte. Jn Nidau selbst versammelten sich die Herren, um Kriegsrath zu pflegen (Justinger 70). Wie der Graf von  Nidau handelten seine Vettern von Starssberg undAarberg. Er sollte es blutig büssen: Auf dem Schlachtfelde von Laupen., wo er die österreichischen Ritter befehligte, ward er erschlagen und mit ihm fielen bei 60 Mann von Nidau und Neuenburg (FRB VI. 518) Jm folgenden Jahre, 1340, dehnten die Berner ihre Streifzüge weit aus, bis nach Erlach und Nidau und „thaten den Feinden so weh, mit Raub und mit Brand, dass diese kläglich sangen also: unser Helfer ligent in den Hürsten, der Keyser und von österich fürsten, nach üwer hülfe sol uns wenig dürsten“ (Justinger 101)

Rudolfs III. Sohn und Erbe war Rudolf IV. der mit seinem Bruder den Ritter Rudolf von Erlach zum Pfleger gehabt. Da er von seiner Gemahlin keine Kinder hatte, wünschte er das Erbe den Kindern seiner Schwestern, den jungen Grafen von Kyburg und Thierstein zu hinterlassen. Er gab also 1367 Nidau, Burg und Stadt und andern Besitz mehr, Lehen von Basel, dem Bischof von Basel auf und erhielt sie als Lehen für sich und seine Neffen zurück (Solothurner Wochen Blatt 1826, 51-55). Die Freundschaft mit dem Bischof erhielt aber noch im gleichen Jahre, als  der Krieg des Bischofs mit Bern ausbrach, einen argen Stoss. Jmmerhin verhielten sich beide gleich unthätig, als Jngelram von Couch nahte. Doch als die Gefahr, die von diesem drohte, immer stieg, entschloss sich Rudolf zum Widerstand. Aber bei der Vertheidigung von Büren traf ihn ein geschleuderter Stein, 1375 (wesshalb Rudolf 1350 seinem Schwiegervater Ludwig von Neuenburg Nidau aufgab und wie lange dieses Lehnsverhältnis währte, ist mir unbekannt (FRB VII.537)

Mit Rudolf IV. starb der nidauische Stamm aus. Erben waren seine Schwestern und deren Nachkommen. Aber der Bischof von Basel machte auch seine Ansprüche auf Nidau geltend und besetzte es; um die Grafen von Kyburg und Thierstein zu isolieren, gewann er Bern, Biel, und Solothurn. Letzteres durch Verleihung der Zollfreiheit in Nidau. Doch die Grafen bemächtigten sich Nidaus durch einen nächtlichen Handstreich. Ein Gefecht bei Schwadernau, das für den Bischof unglücklich verlief, zwang ihn, alle Ansprüche auf das Erbe des Grafen von Nidau aufzugeben (Trouillat IV. 350 Justinger 148)

Jn der nun folgenden Theilung erhielten die Kyburg die Herrschaften Büren und Nidau, die Thierstein die buchsgauischen und froburgischen Besitzungen (siehe den Artikel Bipp, Heimatkunde des Oberaargaus, 33 – 34) Aarberg blieb ungetheilt, kam aber bald an Bern. Rudolfs IV. Wittwe sollte ihr Leben lang Neuenburg und Erlach besitzen.

Das Haus Oesterreich aber gedachte nicht, die Bosten am Bielersee und an der Aare aus den Augen zu lassen. Die Geldnoth der Kyburg kam ihm dabei vortrefflich zu Statten. Der junge Graf und Landgraf Rudolf von Kyburg verpfändete am 26. August 1379 der österreichischen Stadt Freiburg um 5000 Gulden Stadt und Herrschaft Nidau (Solothurner Wochen Blatt 1827 300-302) und am 16. November desselben Jahres verpfändeten er und seine Mutter dem Herzog Leopold von Oesterreich die Grafschaft Neuenburg, die Burgen und Städte Nidau, Büren und Altreu und die Veste Balm um 40‘000 Gulden. Herzog Leopold trat  einen Theil der Pfandschaft an Freiburg ab (Solothurner Wochen Blatt 1827, 283-285) „Mit dem Geld ein Theil des Geldes fuhr Graf Rudolf von Kyburg gen Lamparten (Lombardei) und wollte da reich werden, da ging sein Ding letz dar und kam harwieder und hat sein Geld verzehrt und nüt geschaffet“ erzählt Justinger(150). Jakob Ritsch von Freiburg wurde Vogt seiner Stadt in Nidau 1382 (Werro, Recueil dipl. de Canton de Fribourg IV 168) Nach der Schalcht bei Sempach sollten diese Gebiete der Lohn Couchs sein, wenn er den Oesterreichern gegen die Eidgenossen helfe, wobei erstere doch noch hofften, das Land um Geld wieder zu erhalten. Jn der That legte Couch Besatzungen nach Nidau und Büren. Jm nun ansprechenden Kriege zwischen den Eidgenossen gegen Oesterreich, Couch und Freiburg gewannen die Berner und Solothurner Büren und legten sich am 7.Mai 1388 vor Nidau. Die Besatzung gab das Städtchen preis, nachdem sie einige verdächtige Einwohner hingerichtet hatte, verbrannte es und zog sich in die Burg zurück. Sie hielt sich unter du Rosai auf das tapferste. Aber die Wirkung der bernischen Geschütze war gross und von nirgends kam Hüölfe, so dass nach 52 Tagen, am 28. Juni, die Burg übergeben werden musste. Halb verhungert wurden zwei fremde vornehme Geristliche in ihr gefunden, welche die Besatzung in der Hoffnung auf hohes Lösegeld gefangen genommen hatte. Die glückliche Führung des Krieges brachte den Bernern im Frieden von 1389 die schönsten Erfolge: Sie gewannen Nidau, Büren und die Landgrafschaft Aarburgund (E-v.Wattenwyl II. 288 – 303 – Justinger 170 ff)

So wurde Nidau 1389 bernisch, wie es auch die Abmachung mit Solothurn 1393 bestätigte (Solothurner Wochen Blatt 1815. 630)

Zur Herrschaft Nidau gehörten noch : die hohe Gerichtsbarkeit von Ligerz, Twann und dem Tessenberg, die Schirmvogtei der Klöster  Petersinsel, Gottstatt und die halbe Vogtei von St.Johannsen (Blösch, Grosse Festschrift 42) sowie die zehnten von Bühl, Gerlafingen, Brügg, Leuzigen, Madretsch, Mörigen, Walperswyl, Port, Wyler, Epsach, Jens, Biel, Studen, Möschleren, Lengnau, (Pagan historische Beschreibung der Vogtei Nidau und des Tessenberg 1768 Mss S 36-39)

Die bernische Landvogtei  Nidau bestand aus dem Stadtgericht Nidau (mit Tüscherz und Alfermee)dem Landgericht, das die obere Grafschaft( die 6 Viertel: Siselen, Epsach, Walperswyl und Bühl, Hermringen und Merzligen, Lattringen und Sutz, Belmund) und die untere Grafschaft (die 6 Viertel: Jens, Brügg, Mett, Schwadernau, Scheuren, Safneren) umfasste und den Gerichten Ligerz und Twann. Vor der Revolution gehörten die Pfarren Siselen und Sutz noch zum Amt; Siselen gehört jetzt zum Amt Erlach, Sutz wurde mit Nidau vereinigt.

Man zählt 84 bernische Vögte in Nidau von 1389 bis 1798.

Eine Viertelstunde südlich von Nidau am Wege nach Belmunt, befindet sich der Friedhof mit anstossender Kapelle.

Burgergeschlechter von Nidau:
Allioth, Babelay, Baumgartner, Cramer, Crevoisier, Dupan, Dutoit, Funk, Gerster, Gnägi, Hartmann, Hediger. Heilsinger, Hauser, Hubler, Kautsch, Kohler,  Klötzli, Lindt, Moser, Müller, Nägeli, von Niederhäusern, Pagan, Rönner, Schmalz, Schmid, Schneider, Sollberger, Steiger, Scherer, Schwab, Suri, Schmutz, Scholl, Thomas, Volz, Walther, Wanner, Wolf (Rämy 318)

Davon sind auch in Bern verbürgert die Baumgartner (1844 zünftig zu Kaufleuten) Lindt( früher in Windecke bei Hanau; 1820, zünftig zu Mittellöwen) und Schwab (1818), zu Zimmerleuten)

Auf der Hubzelge bei Nidau ist ein Steinbruch, die Fastnacht- Fluch genannt (Fäsi I, 688)

Die Tieferlegung des Sees und die canalisation der Zihl, über die statt der alten gedeckten Brücke nun eine eiserne führt, haben dem Schloss einen andern Charakter gegeben. Der Abbruch der Scheune im Hofe mit einem Theil der Mauer trägt auch nicht gerade zur Verschönerung bei. Der viereckige Thurm hat 3 Meter dicke Mauern. Von seinem obersten Stockwerk geniesst man eine schöne Aussicht.

Etymologisch

Zum BW s. nid das GW dieses sekundären SN ist das App. Au€ für Gelände an einem Wasser, Flusslandschaft, supfiges Gelände;Halbinsel, Insel> >mhd. Ouwe stf. < ahd. Ouwa stf. (Id I,5ff;Lexer II, 192;Starck/Wells, ahd. Glossenwb, 456) Vgl LSG, 644 s.Au (BEBN I/I ,48f. ) und Ou/Öi/Ei.