Müntschemier

Französisch Monsmier, Munchimur 1185, Munchimir 1221, Munchimier um 1225, Munschimier 1229, Müntschimier 1563, Mintschenmier 1577.

Dorf und Gemeinde von 476 Einwohnern in 92 Häusern in der Kirchgemeinde Jns, Amtsbezirk Erlach. Das Dorf liegt im Grossen Moos, am Wege der von Kerzerz nach Jns führt, 6 ½ Stunden von Bern, 2 Stunden von Erlach und eine kleine halbe von Jns entfernt.

Bereits im 12.Jahrhundert kam das Dörfchen oder Rechte, die es betrafen, durch Vergabung des Landesherrn Grafen Ulrich von Neuenburg an die Abtei St.Johannsen. Als die Päpste Lucius III. und Honorius III. 1185 und 1221 ihr ihren Besitz bestätigten, wurde auch Müntschemier nicht vergessen. 1230 vergabten die Grafen von Neuenburg, Rudolf, Otto, Berchtold, Heinrich und Ulrich, Brüder, den zehnten des Dorfes an St.Johannsen, was Papst Gregor IX. 1232 bestätigte (FRB I.478, II. 31,109, 123)

Dass der seltsame Name von Munitio mira , wuderbare Befestigung, herzuleiten ist, dürfte trotz dem nahen grossen Hügel nicht ohne Weiteres angenommen werden.

1845 wurde das Zoll Bureaux aufgehoben

Von Feuersbrünsten wurde das Dorf 1738 und 1827 heimgesucht, als es fast gänzlich abgebrannt ist. Heute sind noch 15 Strohhäuser vorhanden ( 1895 Zimmerli)

Burgergeschlechter: Balimann, Heubi, Jampen, Laubscher, Löffel, Niklaus.

Etymologisch

Zusammensetzung aus dem GW afr. Mont <Berg> <lat. mons <Berg> (FEW VI/ 3 84 ff.) und einem durch Lautwandel oder Verschleifung stark veränderten PN. Das LSG (630) schlägt den häufigen lat. PN Camerius vor, der sich frkpr. Regelmässig zu *Tsemier bzw. *Tsimier und weiter zu *Tsimi entwickelt hätte. Diese Lautentwicklung ergibt das moderne frkpr. Exonym Motsmi, das nebem frz. Monsmier (Zimmerli, Sprachgrenze II, 10)steht. Die Entlehnung des Namens ins Dt. muss spät stattgefunden haben, als die gallorom. Palatalisierung von anlautendem c vor a zu ts bereits durchgeführt, die Nebensilbe *mier aber noch nicht monophthongiert war. Andernfalls wäre mit einer dt. Form der Art *Mongamier, *Mungamier > *Mungemier, *Mungimier, *Müngimier zu rechnen, vgl. die offensichtlich früher germanisierten oder zumindest als Exonyme entlehnten SNN Gampelen ( zu lat. campus <Feld>) und Gals mit ihren modernen frz. Exonyme Champion und Chules in der Umgebung. Bei sehr früher Germanisierung wäre mit ahd. Lautverschiebung *Monchamier, * Munchamier > * Munchemier, * Munchimier, * Münchimier zu erwarten, vgl. den SN Kerzers ( zu lat. carcer <Gefängnis>) und sein modernes frz. Exonym Chiètres( zu den lautlichen Entwicklungen s.Glatthard, Aare/Saane, 117; Sonderegger, Althochdeutsche Schweiz, 33) Müntschemier liegt am Rand des früher schwer zugänglichen Grossen Mooses; die Strasse von Ins nach Kerzers über Müntschemier wurde erst in der zweiten Hälfte des 19.Jh. gebaut (HLS digital). Diese Randlage erklärt wohl die späte Germanisierung von Müntschemier. Sie dürfte auch der Grund dafür sein, dass sich trotz der Nähe zur Sprachgrenze kein alem. Exonym ohne Palatalisierung aus der Zeit vor der Germanisierung durchsetzte.

Andre FINN-Bildungen mit *mont- und einem PN sind Delémont JU, Montaubion (Chardonney ) VD (LSG,630) und Mumplischuur (s.d.) in Twann. Zum Zeitpunkt der Germanisierung dürfte die Bildung des Namens bereits nicht mehr verstanden worden sein, weshalb das GW nicht ins Dt. übertragen wurde (Glatthard Aare/Saane, 167 und 329 ff). Die Weiterentwicklung von *Muntsch zu Müntsch (inkl. Gelegentlicher entrundeter Formen Min(t)sch, Mensch) zeigt regulären Sekundärumlaut vor i in der Folgesilbe im Mhd. Die Schreibung Müntschenweyer von 1716 entspringt wohl dem Versuch, einen unverständlichen Namen mit einem verbreiteten App. Im Verbindung zu bringen.

Zimmerli 1895

Frz. Monsmier, in der Pfarrei Ins, zählt 96 deutsche Haushaltungen mit 476 Personen. Darunter sind nur 6 verteinzelte Personen welscher Zunge. Das Dorf bestand zum grössten Teil aus Holzbauten, als es im Jahre 1827 durch eine Feuersbrunst fast gänzlich zerstört wurde. Heute sind noch 15 Strohhäuser übrig.

Als älteste Bürgergeschlechter gelten die Niklaus, Löffel, Marolf (ausgestorben), Batschelet (1530 Patschelett, ausgewandert), Heubi, Laubscher und Balimann. Anno 1321 erscheint ein Peter Curbilliet de Monchimier, Gemeindearchiv Erlach no. 4 und 1332 ein H.Berotz von Muntschimir, ebendas, no. 8

Die Flurnamen sind deutsch.Unverständlich sind mir indessen Rozerenstein und in den Blattenree ( die Blattere, 1703 im Platten Ree.) Der Name im Grafat dürfte zu Greften, einem ehemaligen Ortsnamen bei Basel gehören. (Basler Urkundenbuch I, No. 128; vgl. die in der Gemeinde Giffers vorkommende Bezeichnung im Gräffet.)

Urkundliche Belege: Munchimur 1185, FRB I,478; villa Munchimir 1221, ibid II, 31