Mörigen
Moringen 1196, Moringin 1216, Muringen 1235. Moringun 1237, Morens 1251
Dörfchen und Gemeinde von 177 Einwohnern in 32 Häusern am rechten Ufer des Bielersees, zwischen Sutz und Täuffelen, Kirchgemeinde Täuffelen, Amtsbezirk Nidau, Die Entfernung beträgt von der Kirche ½, vom Amtsitz 1 ½ und von Bern 6 Stunden.
Mörigen war eine der bedeutendsten Pfahlbaustationen der Broncezeit und ist eine wahre Fundgrube von Alterthümern. 1873 sind geordnete Ausgrabungen gemacht worden. Wenn oben von Thierresten, die in Lüscherz gefunden worden sind, berichtet war, so mögen hier die in Mörigen gefundenen Pflanzen erwähnt sein. Es sind dies: Holzäpfel, Eicheln, Buchen; Haselnüsse,, Schlehensteine, Himbeeren, Brombeeren, Blaubeeren; Bohnen, Erbsen, Linsen; Gerste, Waizen, Emmer, Hafer; Flachs, Gartenmohn, Waldrebe: Gräser, Unkraut; Sumpfpflanzen; Farren, Moose, Schwämme. (Anzeiger für schweiz. Alterthumskunde 1871, 236,281; 1872, 358, 1873; 402, 439; 1874, 506, 532 ; 1877, 719, 763 ;1879,945,Artikel von Dr. Uhlmann, Dr. Keller, Dr. E.v. Fellenberg, Dr. B.Gross. B.Gross in den Actes de la Société Jurasienne d’Emulation XXX. 108-113) Südlich vom Dorfe sind römische Spuren entdeckt worden. Auch aus der Alemannenzeit finden sich bei Mörigen Spuren: Fünf Gräber wurden 1890 entdeckt und geöffnet (Heierli, Anzeiger 1891 531-532).
ein alamanischer Gräberfund aus Mörigen
Im letzten Herbst öffnete Herr K Irlet aus Twann in der Nähe der bekannten Pfahlbaustation von Mörigen 5 Gräber. Er hatte die Güte, mir die Artefakte, die er gefunden, zur Einsichtnahme zuzusenden und im Fernern verdanke ich ihm auch die diesem Berichte zu Grunde liegenden Fundnotizen. Die Gräber lagen in flacher Erde ca. 80cm tief. Vier derselben enthielten Skelette, welche in der Richtung von West nach Ost gelegt worden waren, jedes etwa 1m. vom andern entfernt. Das fünfte Grab dehnte sich von Nord nach Süd aus und zwar so, dass die Füsse der Leiche nahezu den Kopf des nördlichsten der vier anderen Skelette berührten. Nur dieses eine Grab enthielt Beigaben, glich jedoch in seinem Bau durchaus den anderen Gräbern. Die Köpfe der Leichname waren nämlich unter Steingewölben, die aus Granitplatten gebildet wurden, wohl geborgen, während die Körper in freier Erde ruhten.
Was nun die erwähnten Beigaben angeht, so fand man auf der rechten Seite der Leiche einen Skramasax und eine bronzene Riemenzunge, ungefähr in der Mitte des Grabes lag eine eiserne Gürtelschnalle, ein Bronzeknopf und ein Beschläge aus demselben Metall.
1891 im Anzeiger für Alterthumskunde
Das Gebiet gehörte später den Grafen von Neuenburg-Nidau. 1235 vergabte Ulrich von Ulfingen, Frei, eine Schuppose zu Mörigen an das Kloster St.Johannsen. 1342 besass Rudolf von Sutz eine Schuppose im Dorfe (FRB II.145, VI.685)
Als Nidau bernisch geworden, bildeten Mörigen Lattrigen und Sutz einen der zwölf Bezirke des Landgerichts der Landvogtei Nidau.
Den Namen des Ortes trug ein zahlreiches und sehr viel genanntes Geschlecht, dessen Sprossen meist als Ritter und selten nur als Freie bezeichnet werden. Als erster erscheint Burkhard, Ministeriale des Bischofs Berthold von Lausanne aus dem Hause Neuenburg; die Letzten lebten im 15. Jahrhundert. Ein Heimo war 1389-1418 Propst zu Wangen an der Aare. Jn beinahe allen Akten. Welche die Gegend des Bielersees betreffen, sind die Ritter von Mörigen genannt, woraus wohl auf ein hohes Ansehen geschlossen werden darf. Sie waren auch in Bern verburgert und dienten dem Staate; so war Burkhard 1408 Vogt zu Nidau (FRB I.c. N.F.v.Mülinen Mss, Genealog. Fundgrube VII.83, bernisches Burgerbuch I.362. Amiet, Regesten von Fraubrunnen XX b., Stettler , Regesten des Männerhauses Buchsee XXVIII.a.)
Der zehnten von Mörigen gehörte zur Herrschaft Nidau und war den Edlen von Mörigen verliehen worden. 1310 trug ihn Ulrich von Bremgarten zu Lehen (FRB IV.429) Heinrich von Mörigen, Propst zu Wangen, der ihn ererbt, vergabte ihn an die emmenthalische Abtei Trub, deren Conventsbruder er war. Der Zehnten wurde aber von Nidau um 300 Gulden wieder gelöst (Pagan 36). Den ihm gehörigen Theil von Reben und Hof zu Mörigen vergabte Heinrich von Mörigen 1414 an St,Johannsen (St.Johannsen-Buch III.88)
Von Rudolf von Sutz erkaufte Gottstatt 1348 Besitz in Mörigen (FRB VII.371) Heinrich von Courtelary, Edelknecht, erwarb Güter daselbst 1349 (FRB VII. 398)
Ein grosses Gut in Mörigen besass in der zweiten Hälfte des 16.Jahrhunderts Josua Wyttenbach, dem auch das Rebgut Engelberg gehörte (siehe den Artikel)
Ein Bodenzins zu Mörigen gehörte Herrn Hans Rudolf von Scharnachthal und Jakob vom Stein, die ihn 1509 an Rudolf Huber, Bauherrn und des Raths zu Bern, verkauften. 1588 besass ihn Frau Verena von Lanten Heyd, Wittwe des Junkers Bartholome Ammann von Bern und 1642 Bernhard Tscharner (Rodel im Besitze des Herrn Prof. Lotmar in Bern)
Eine Wiese „ zur Zälg wider Gerlafingen“ hiess (1588) das „Probspmätteli“
Etymologisch
Obwohl das Gebiet von Mörigen nachweislich mindestensseit der Bronzezeit besiedelt ist (Archäologisches Hinweisinventar 1145;GLS III, 386;HLS; digital) und – im Einzugsgebiet der römischen Militärstation Petinesca – zum galloromanischen Sprachgebiet gehörte, handelt es sich beim heutigen ON gemäss unserem ältesten Belegen seit 1196 um eine -ingen_Bildung, welcher der schon früh ins Ahd. Entlehnte lat. PN Maurus zugrunde liegt;s.Möri 1
Auffällig ist, dass die nach rom.Muster geprägten Formen (1251/52 Morens, 1258 Morans, 1284 Morynge etc.) den Umlaut des Stammvokals -o- unbezeichnet lassen. Daraus zieht das LSG (616f.) den Schluss, es handle sich bei Mörigen um eine urspr. im rom. Sprachgebiet entstandene Namenbildung vom Typus *Maur-ingös, dier nach Besse (Namenpaare, 200) evtl. vor mitte des 8.Jh ins Alem. Entlehnt worden wäre.Während der Romanist (Wulf Müller, brieflich) die Wahrscheinlichkeit einer rom. Bildung nicht völlig aussschliesst, hält der Germanist (P.Glatthard, brieflich) Mörigen für einen alem. Namen aus dem 7./8.Jh. und spricht der oben erwähnten – wohl auf rom. Schreiber zurückzuführenden – fehlenden Umlautbezeichnung die im LSG( a.a.O.) und von Besse (a.a.O) psotulierte Beweiskraft ab. Die Graphie -uo- in 11243 Muoringun dürfte den Umlaut -ö- wiedergeben (P.Glatthard, brieflich); demgegenüber glaubt aber das LSG (616; Wulf Müller folgend) darin eine eingenartige diphtongierte Form zu erkennen, vielleciht beruhend auf einer volksetymologischen Anlehnung an mhd. Muir <Moor> durch den mittelalterlichen Schreiber.
Der FIN Möriger in Lengnau ist als elliptiscvhe, den Grundstückbesitzer angebende Bildung zu einem haute im FNB nicht mehr nachgewiesenen Herkunftsnamen zu deuten.