Meykirch
Möchilchum 1263, Mönkilch, Mokilchon 1307, Möchilchen 1312, Mönkilchen 1393, Mornkilchen 1418, Mekilchen 1466)
Pfarrdorf an der Bern- Aarbergstrasse 2 ¼ Stunden von Bern und 1 ¾ von Aarberg entfernt, im Amtsbezirk Aarberg. Das Dorf hat in 43 Häusern 273 Einwohner. Mit Wahlendorf, Grächwyl, Aezikofen, Weissenstein und Ortschwaben bildet es eine Einwohner- und Kirchgemeinde (978 Einwohner in 137 Häusern)
Bei Meykirch sind Bronzegeräthe und römische Ziegel gefunden worden (G. de Bonstetten cart Arch. 25)
Frühe schon besassen die Mönche von Frienisberg hier Güter; ob das Dorf aber schon im Beginne des 13. Jahrhunderts in Folge einer 1267 bestätigten Schenkung des Grafen Rudolf von Thierstein ihnen gehörte, wie sie vorgaben, ist mehr als fraglich (FRB I.499, II.693)
Wahrscheinlich sind die beiden diesbezüglichen Urkunden erst im 15.Jahrhundert entstanden, um als Besitztitel in einem Prozesse zu dienen; der Zweck wurde1412 damit auch erreicht. An Streitigkeiten mit den Nachbaren fehlte es nämlich nicht. Wie gewöhnlich wurden sie zu Gunsten der geistlichen Partei entschieden. So wurde Jakob von Bolligen, als er 1336 die rechte der Meykircher an dem Walde gegen Frienisberg vertrat, vom Rathe von Bern abgewiesen (FRB VI. 307, Blösch 33). 1365 übertrug Frienisberg die Ausübung seiner Gerichtsbarkeit an den bernischen Vogt zu Aarberg; sie betraf die Dörfer 1 Meykirch und Seedorf 2 Schüpfen 3 Rapperswyl 4 Büetigen (Blösch 33)
Die Edlen von Bolligen dürften hier noch mehr als hundert Jahre begütert gewesen sein, denn 1437 verkaufte Jvo von Bolligen, Edelknecht und Burger von Bern, Herr zu Meykirch, dem Bruder Gilgian Wolf, Statthalter des Johanniterhauses Buchsee, drei Schupposen zu Meykirch um 296 Gulden (Stettler, Regesten des Männerhauses Buchsee, Nr. 191)
Das Predigerkloster in Bern erhielt von Hentzmann Rolant, Burger zu Bern, vor 1451 einen Zins von 3 ½ Mütt Dinkel, 7 Schillingen, 1 altem und 2 jungen Hühnern und 30 Eier von einem Gute in Meykirch, das ein Salzmann bebaute, zur Stiftung einer Jahrzeit (Klosterzinsbuch im Archiv des Jnselspitals in Bern S. 59,607)
1676 bezog das Jnselspital in Bern von Hans Bucher und Moritz Robs Bodenzinse aus Meykirch (Bodenzins- und Zehntenurbar von 1676 S. 639 und 649 , ebenda)
Das Patronat und die Vogtei der Kirche gehörte dem Ritter Johannes von Sumiswald, der sie 1343 dem Ritter Rudolf von Schüpfen und dessen Neffen, dem Junker Johann von Schüpfen verkaufte. Es war aber das Patronat verbunden mit dem Besitz einer Schuppose in Grächwyl, die jährlich ein Mütt Spelt und 5 Schillinge Zins gab. (FRB VI. 730)
Rudolf von Schüpfen vergabte den Kirchensatz 1401 an das Frauenkloster Tedlingen bei Oltigen an der Aare. (Buchsee Buch II. 17 im bernischen Staatsarchiv E.F.von Mülinen, Helvetia Sacra II.134) 1417 incorporirte Papst Martin V. die Kirche dem Kloster mit der Verpflichtung, dass es in ihr einen Pfarrer halte und wies ihm 1418 als Einkünfte der Kirche 40 Mark Silber an. Mit der Reformation kam der Kirchensatz an den Staat. Die Pfarre wurde dem Büren-Capitel einverleibt.
Twing und Bann, die den Edlen von Bolligen gehört, brachte im Anfang des 16. Jahrhunderts Peter Aebischer von Aarberg an sich. ER veräusserte sie an Anton Tillier, des Raths zu Bern und dieser verkaufte sie 1550 an die Gemeinde von Neukirch selbst, mit allen Rechtsamen, Twing und Bann, Gericht und Recht, mit Holz und Holzmarchen, Renten, Güllen, Frevelfällen, Bussen, Nutzungen und Freiheiten um 2200 Pfund. Die Gemeinde aber trat das Erworbene im gleichen Jahre dem Klostergute (Amte) Frienisberg ab, also an den Staat, um 400 Pfund, indem sie sich Verschiedenes vorbehielt. (Frienisberg-Buch I.329 im bern. Staatsarchiv).
Jn der Helvetik wurde das Amt Frienisberg aufgehoben und zum Districte Zollikofen, 1803 aber zum Amt Aarberg gelegt, bei dem es und also auch Meikirch seither verblieben ist (Blösch 82)
Die bekannte Anstalt Hofwyl, Gründung des Emanuel von Fellenberg, kaufte bei Meikirch ein Gut, auf dem ihre landwirtschaftlichen Armen-Zöglinge die Bebauung ungebrochenen Landes erlernen konnten. (Lutz, Handlexikon 160, 383)
Das Pfarrhaus ist 1795 neu erbaut worden. Es ist abgebildet in Weibels Sammlung: Die Pfarrhäuser des Kantons Bern 1823. Die Kirche enthält keine alten Glasscheiben,
Burgergeschlechter: Bergmann, Bucher, Etter, Frutig, Grünauer, Hausammann, Hügli, Knutti, Kunz, Portenier, Rieder, Rüfenacht, Scheurer, Schmied, Schnegg, Schüler, Stämpfli, Wälti, Weibel, Wyss, Zwygart. Davon haben sich in Bern die Rüfenacht 1871 zu Mohren eingeburgert. Ein Cunzi Zwygart von Meykirch erscheint bereits 1413, in welchem Jahre er Güter zu Schüpfen verkauft (Frieden, Kloster Frienisberg 67, Rämy 165)
Von einem Geschlechte von Meykirch ( Möchilchum etc.) wird als erster Jmmo 1263 erwähnt, gleichzeitig auch Niklaus, 1307 Heimo. Niklaus, Burger zu Bern, hatte von seiner Gemahlin Anna zwei Söhne, Johann und Peter. Peter war begütert zu Gerzensee (1323) und hatte auch ein Lehen der Bubenberg. Von seiner Gemahlin Adelheid atte er eine Tochter Anna. Als diese in das Kloster bei der Pfarrkirche in Bern eintrat, schenkte (1333) ihr Vater diesem Güter zu Wabern.
Etymologisch
Im GW steckt schwzd. Chilche(n) für <Kirche>, in der altalem. Nbf. Ahd chil(i)cha, mhd kilche (Id III,229; vgl. Chilch-/ Chirch-, BEBN I/2, 452 ff.)
Die Deutung des BW bietet Schwierigkeiten. In den frühesten hist. Belegen überwiegen zunächst v.a. zwei Formen: eine ältere Moekilche oder Moenkilch, die bis A. des 16.Jh. gebraucht worden ist, dann eine jüngere, entrundete Mekilch (in versch. Varianten), die ab Mitte des 124. Jh. Auftritt. Beide Formen wurden etwa 200 Jahre nebeneinander gebraucht ( über die einstzige Entrundung auf dem Frienisbergplateau s. Brambieli (<-büel) in : Christen, Wohlen 82) Gegen die Vermutung, das BW enthalte das App. Mönch <Klosterbrunder> (vgl. LSG, 583) mhd. Münich, mlat. Moenicus und sei deshalb mit dem Mönchskloster Frienisberg in beziehung zu bringen, das dort früh bedeutende Güter und ein den Mönchen gehörende Kirche besessen habe, stehen lautliche Bedenken: in unserem obd. -alem. Gebiet müsste man in frühester Zeit dieAusgangslautung Münche erwarten (wie z.B. in Münchenbuchsee) und nicht die vom md. Raum ausgegangene, vor Nasal gesenkt Mönch- Form. Nicht zuletzt dieser Widersrüchlichkeit wegen muss die Deutung des BW vorläufig offen gelassen werden. Evtl. handelt es sich um einen PN zum fast nur obd. Belegten Stamm *muni- , zu dem auch Mon(i)- Lautungen belegt sind (Fösrtemann I, 1136 f.);vgl. Ulli Mönli 1513 (Studerus,Familiennamen 47 und 80). TZum mit PN und Chilche gebildeten ON Starrkirch s. SONB I, 627 ff.
Die hist. Belegreihe zeigt, dass urspr. -ö- im Vertlaufe der Zeit zu -e- entrundet worden ist. Damit ergasb sich im 14 Jh. Die Form Mekilch, die praaktisch der heutigen Mda.-Lautung entspricht. Anhand er jüngeren urk. Belegreihe lässt sich ablesen, wie das BW nun in versch. Weise volksetymologisch Umdeutungen erfuhr. Auf diese Weise entstand anfangs des 19.Jh. – wohl in Anlehnung an den Wonnemonat Mai – die heutige Schreibform Meikirch