Madretsch
Mardrez 1304, Madrez 1341, Madretsch 1352)
Dorf in der Kirchgemeinde Mett, Amtsbezirk Nidau, mit Getreide-, Säge- und Oelmühle an einem Arme der Scheuss (Suze). Die Einwohnergemeinde Madretsch besteht aus dem Oberdorf, Unterdorf, der Blumenrainstrasse mit Ried und Hohlen und hat in 161 Häusern 2326 Einwohner, die sich hauptsächlich der Uhrenindustrie ergeben. Die Entfernung beträgt von Bern 6 ½ Stunden, von Nidau ¼ Stunde, von Mett ½ Stunde.
Das St.Albankloster in Basel besass eine Wiese bei Madretsch, die 1304 an den Bischof von Basel überging. Das Stift Gottstatt kaufte 1341 vier Jucharten Ackerland im Bezirk von Madretsch, davon eine von Krehenberg und eine ob dem Bül. Auch Bellelay hatte damals hier Besitz (FRB IV 187 VI 604)
Der Zehnten von madretsch, ein Lehen von Nidau, gehörte dem Grafen Jmer von Strassberg und 1364 der Kirche von basel. Damals hatte ein Richard Seriant von Biel ihn als Mannlehen (Trouillat IV 207) Hemmann Seriant besass 1390 die Hälfte des Zehntens (Pagan 36 und 37). Die Mühle und Bläue gehörten zur Herrschaft Nidau und von dieser trugen sie die Herren von Lgerz zu Lehen (Pagan 36)
In der Nähe des Dorfes stand eine Richtstätte. Im Brüggwald, zwischen Brügg und Madretsch, befinden sich zwei sehr grosse erratische Blöcke (Heidensteine).
Am 23.März 1854 fand hier eine grosse Feuersbrunst statt (Berner Taschenbuch 1857, 278)
Quelle: F von Mülinen 6. Heft - das Seeland 1893
(FRB –Fontes Rerum Bernensium)
Etymologisch
Lat.-rom. Name mit dt. Erstsilbenbetonung – Zugrunde liegt lat. Martur (für gr. Martyr <Märtyrer>) mit dem Suffix evtl. -etum, in der Bedeutung <Friedhof> und zwar ursprünglich wohl ein in der Nähe eines Märtyrergrabes angelegter (FEW VI/I, 394 ff. bes. 396; Glättli, Kirchliche Toponomastik, 13-79; Bruckner, Ortsnamenkunde, 67) Wulf Müller (brieflich) gibt allerdings zu bedenken, dass beim oben postulierten Wortbildungsmorphem -etum im 9/10 Jh eine Diphtongierung von -et zu -eit zu erwarten wäre und auch Suffixe wie -acia- oder -acca- mit resultierendem Zischlauft aus -c- seien hypothetisch (vgl. hierzu: Kleiber, Lehnmorphem -ets)
Die heutige Mda. – Lautung ist durch Dissimilation (-rtr- > -tr-) entstanden; vgl. Madrechz 1321.
Zu den mit unserem Etymon gebildeten , in der welschen Schweiz und in Frankreich häufig auftretenden Toponym s. u.a. Dauzat/Rostaib^ng, Dictionaire, 439; Jaccard, Essai 262 f.; Bossard/Chavan, Lieux-dits, 228; Aebischer, Fribourg, 149 f.; Roth, Murtenbiet, 51.
Zimmerli 1891
20 Minuten von Biel entfernt, hat eine Wohnbevölkerung von 2326 Seelen, die sich auf 427 Haushaltungen verteilen. Nach den Mitteilungen des Bernischen Statistischen Bureau, Jahrgang 1883, 2.Liefg. (?) zählte die Gemeinde im Jahre 1850 352 Köpfe und die Schule, die heute von 408 Kindern besucht wird, war damals in einer Bauernstube untergebracht. Die Bevölkerung hat sich also innerhalb eines halben Jahrhunderts mehr als versechsfacht. Im Jahre 1873 wurde hier die erste Uhrenfabrik gegründet, was eine rapide Einwanderung welscher Arbeiter zur Folge hatte und im Jahr 1877 die Errichtung der ersten französischen Primarschulklassen bewirkte. Gegenwärtig besteht hier eine vollständige französische Gemeindeschule mit 108 Schülern, gegenüber 301, welche die deutsche Schule besuchen. Es verdient bemerkt zu werden, dass in der deutschen Schule keine Französisch- und in der französischen Schule keine Deutschstunden erteilt werden.
1304 erscheint locus dictus der Brul juxa villam Mardretsch, (FRB IV. 187)