Lyss
Lissa 1009,Lisso 1187, Liso 1238, Lise 1246, Lisson, Lissen 1256., Lisa 1282
Pfarrdorf im Amtsbezirk Aarberg, an der Kreuzung der Bern-Biel- und Aarberg-Büren-(Murten-Solothurn-)Strasse, über Aarberg von Bern 5 Stunden , von Aarberg 1 Stunde, von Büren 2 Stunden entfernt. Das Dorf Lyss hat 1888 Einwohner in 201 Häusern. Mit Eigenacker, Künidei, Rossi, Grentschel, Hardern bildet es eine Einwohnergemeinde (2198 Einwohner in 251 Häusern ) . Diese bildet zugleich den Kirchensprengel. Das Dorf ist eingetheilt in acht Bezirke: hintere Gasse, Fuchsgasse, Herrengasse, Stygli, in den Stauden, am Schlattbach, ob der Kirche und bei oder hinter der Kirche.
Auf dem Leuernfeld oberhalb Lyss soll eine Stadt gestanden haben. Auf dem Huttirain im Dorfe, bei dem sogenannten Kirchhubel, steht ein mehr als 80 Zoll hoher Grabhügel. Zwischen Lyss und Busswyl sind drei Grabhügel.
Die Kirche von Lyss gehörte in frühster Zeit dem Kloster St.Moritz (St. Maurice) in Agaunum (im Wallis); sie wird bezeichnet als in der Grafschaft Uranestorf gelegen. 1009 vertauschte sie die Abtei an einen Hupald um Güter zu Anestre (Jns). FRB I 292-293.
Das Dorf gehörte zur Herrschaft der Grafen von Neuenburg- Aarberg und kam mit derselben an Bern 1367 (siehe den Artikel Aarberg)
Die Johanniter von Buchsee hatten Besitz im Orte, vertauschten ihn aber 1256 an das Priorat der PetersJnsel (FRB II 428) Frienisberg erhielt 1264 von Heinrich von Schüpfen, Ritter , als Schadenersatz die «Sellant» genannten Güter in Lyss. Der Letztere vermachte 1267 seinem Schwiegersohn Hemmann von Mattstetten unter anderm auch eine Schuppose zu Lyss (FRB II 428, 611, 687, 621, III 132, 256). Frienisberg erhielt 1408 von Frau Margaretha von Spins, geborner von Spiegelberg, drei Schupposen in Lyss (Frieden, das Kloster Frienisberg 67)
Ueber die Mühle des Ortes scheint Wilhelm von Aarberg mit den Johannitern von Buchsee in Streit gerathen zu sein; als aber seine Aarberger bestätigten, dass ihm daran sein Recht zustehe, überliess er sie den Johannitern (FRB III 21) Als Hugo von Diessenhofen, Comthur zu Buchsee, sein Haus in Schulden gestürzt, verkaufte sein Nachfolger Berchtold der Viztom 1323 die Ordensgüter in Lyss um 80 Pfund Pfennig dem Walther von Wohlhusen, Burger von Solothurn. Auch diese Verhandlung blieb nicht unbeanstandet (FRB V 327,538, 719)
Auch Frienisberg hatte Mühe, seinen Besitz zu behalten – die Aebte von St.Urban und Atenryf mussten 1284 zwischen dem Stift und Machthild vom Seedorf vermitteln (FRB III 369) – Agnes vom Stein und ihr Bruder Hartmann hatten 1390 Güter zu Lyss, die von Aarberg zu Lehen gingen. (Aarberger Documenten Buch 44b)
Das Jmselspital in Bern bezog 1676 aus Lyss von Christian Arn, Christian und Hans Ris und Abraham Beck einige Bodenzinse (Bodenzins- und Zehnten-Urbar von 1676 im Archiv des Jnselspitals S. 623,627,631)
Jn Lyss bestanden schon 1238 zwei Kirchen, beide im Dekanat Wengen im Erzdiakonat Burgund, Bisthum Constanz; eine Urkunde von 1246 nennt zwei Leutpriester (FRB II 180,272, III 154,158)
Der Kirchensatz von Niederlyss gehörte vor 1371 den Brüdern Johann und Heinrich von Gysenstein; sie verkauften ihn in diesem Jahre dem bescheidenen Manne Konrad von Durrach, Burger zu Solothurn (Solothurner Wochen Blatt 1827, S 137-138) Die Kirche von Niederlyss war St.Johannes geweiht (Solothurner Wochen Blatt 1827 S. 138)
Rudolf von Balm und seine Gemahlin Judenta von Kempten vergabten 1282 dem Frauenkloster Jnterlaken den Kirchensatz von Ober-Lyss mit ihren dortigen Gütern (FRB III 333, Tatarinoff S 156-161). Jnterlaken verkaufte ihn 1336 an den Grafen Peter von Aarberg, weil die Güter in Lyss durch Aarüberschwemmungern bedeutend an Werth verloren hatten (FRB VI 309). Graf Peter von Aarberg verkaufte 1367 seine Herrschaft, darunter den Kirchensatz von Ober-Lyss und das Dorf Lyss, an den Grafen Rudolf von Neuenburg- Nidau. Von ihm und seinen Erben kam die Herrschaft an Bern, was Kaiser Karl IV 1376 bestätigte (Solothurner Wochen Blatt 1829, 397-467)
Noch im Jahre 1393 hatten beide, Ober- und Niederlyss, ihren Leutpriester ( N.F. von Mülinen, Geistlichkeit des Kantons Bern 623,624) Die Kirche von Niederlyss scheint aber bald darnach ihre Bedeutung verloren zu haben. Auch derjenigen von Oberlyss wurde 1465 das Zeugniss der Baufälligkeit ausgestellt. (Rahn, zur Statistik der schweiz. Kunstdenkmäler im Anzeiger für schweiz. Alterthumskunde 1882, 244) Leider gibt uns der Visitationsbericht von 1453 darüber gar keine Nachrichten. Nach der Reformation scheinen die Kirchgemeinden vereinigt worden zu sein. Sie wurden dem Capitel Büren einverleibt.
Glasgemälde der Kirche sah mein Vater 1871 in Scherben und Splittern im Pfarrhaus. Es waren solche von fünf Scheiben
Dagegen enthält die Kirche ein hübsches Chor und eine schön geschnitzte Kanzel.
Geweiht war die Kirche Unser Lieben Frauen, den heiligen Sebastian, Antonius und andern. Von den zwei Glocken stammt die eine aus des Berners David Zeender Giesserei (1679), die andere reicht wohl in das 15.Jahrhundert zurück, indem sie bloss die Namen der Evangelisten in gothischer Minuskeln aufweist (Rüscheler 62)
Pfarrhaus und Kirche sind in Weibels Sammlung; die Pfarrhäuser des Kantons Bern abgebildet 1823.
Burgergeschlechter von Lyss sind:
Aebi, Affolter, Arn, Bangerter, Baumgartner, Blank, Bleuer, Bürgi, von Dach, Gysi, Kräuchi, Kuchen, Marti, Möri, Rufer, Ryhner, Ryz, Schwander, Specht, Steiner, Weibel, Wysshaar, Zimmermann (Rämy 165)
Aus Lyss gebürtig war Urs Hirsinger, der letzte Abt zu Frienisberg 1503 – 1528. Bei der Klosteraufhebung und Säcularisation 1528 bot Bern ihm die Vogtei seines alten Klosters an unter der Bedingung, dass er protestantisch werde. Er lehnte es ab und kaufte sich, seinem alten Glauben treu, im Kloster Altnryf bei Freiburg ein. Er starb hier den 24. Januar 1539. Ein Stein , der sein Wappen trägt, schmückte ein Haus in Lyss; jetzt ist er im bernischen Museum (E.F. von Mülinen, Helvetia Sacra I 187)
Von einem Geschlecht von Lyss (de Lisso) sind nur Jmmo, ein Wohlthäter von St.Johannsen (1185) und Petrus (1187) erwähnt (FRB I 478,482)
Die Burg soll dicht über dem Dorfe gestanden haben, auf jenem isolierten Hügel, der das Aarufer und die Ausmündung des Lyssbachthales beherrscht.
Von N.König sind zwei Kupfer vorhanden (1799) Bauernhäuser bei Lyss darstellend
Etymologisch nach Gatschet 1867
Liestal, Lyss, Lyssach
Diese beiden letztern, im Gebiete Berns gelegenen Orte enthalten das ahd lisca, Moosheu, im Dialekt Lische; Lyss beoi Aarberg, in flacher Gegend am Lyssbach (d.h. Lischbach) unweit der Aare liegend, stellt den einfachen Wortstamm, Lyssach die Collectivform lisc-ahi dar. Lyss wird erwähnt 1009; ecclsiam in comitatu uzanestorfus et in villa que dicitur lissa, Hist. Patr.mon. II, 103 ; Immo de Lisso 1185, ecclesia de Liso 1238, apud Lise 1245, allodium Sellant apud Lyso 1275 ; der Bach heisst 1275 Lissi,
Lyssach an einem Wiesenbach bei Burgdorf, (urk. In Pigiluna, in lihsacho, in Albineswilare 894 St.Gall.Urkunde ;Lissache 1275, zu lissach in der Kilcheri Kilchberg 1437 Frbr.Urk) ist sprachlich mit dem Namen des Hofes Lüschbach bei Frutigen gleichbedeutend. Auf deenselben deutschern Stamm gehen auch die in frz.Kantonen so häufigen Flurnamen Léchery, la Léchière, la Lécherette zurück, welche den «Lischeren» der deutschen Kantone entsprechen, vergleich pratum de laLechere subtus stannum (stagnum) 1297 Ch.v. Hautcrêt und pratum li leschieri apud maluernay Ch.L. Seite 24; beiGross -Guschelmuth (Freiburg) findet sich auch ein Hof in der Leschera.