Leuzigen

Loxingen 1235, 1309, Loichsingen 1294, Lochsingen 1296, Lussinguen 1301, Lösingen 1343, Lönchessingen 1350, Löuxingen 1460

Dorf und Gemeinde von 947 Einwohnern in 149 Häusern im Amtsbezirk Büren, zur Kirchgemeinde Arch gehörig , von Bern über Nidau 11, über Schüpfen 7 ½ Stunden entfernt, an der Strasse von Büren nach Solothurn, nordwestlich von Arch, von Büren und Solothurn fast gleichweit entfernt.

Während im Leuzigerwalde Grabhügel an die keltische Zeit erinnern, stösst man in den Feldern um Leuzigen oft auf römische Spuren. Hier führte die grosse Heeresstrasse von Aventicum nach Soldurum durch; auch eine eigentliche Niederlassung scheint hier gewesen zu sein. Wenigstens lassen gefundene Ziegel, Mosaik, Münzen und ein Grabstein mit zum Theil erhaltener Jnschrift darauf schliessen. Ein Feld heisst der Thurmacker; wir wissen, dass noch 1312 ein Thurm in Leuzigen stand. Auch auf dem Luchlihubel, in Pietwyl, auf dem Lengenberg in der Tuffgrube und aus der „Burg“ fand man römische Reste. – Auf der Höhe des Lengenbergs ist das „Steinig Grab“, ein Hügel, in dem vor ungefähr hundert Jahren ein Steinsarg mit drei Gerippen entdeckt wurde.

Auch in Dorfe sind nach Jahn an der Stelle des Cluniacensergebäudes, das selbst auf einem ältern Werke errichtet worden sei, metallene Geräthe und bei der alten Kapelle Gräber mit Gerippen gefunden worden, sowie etwas westlicher ein Steinkreis. (Jahn, Kanton Bern antiquarisch beschrieben 112-126, FRB I.4,58)

Die Abtei St. Johannsen erhielt 1235 durch Vergabung von Hugo, genannt Giela, einem von den St.Ursen Gotteshausleuten von Solothurn, eine Schuppose zu Leuzigen /FRB II.158)

Jn Leuzigen selbst bestand ein Clunacienserpriorat, das mit jenem von Brügg (sogenante Bargenbrück) verbunden war. (Siehe den Artikel Brügg), dass es von den Guglern 1375 zerstört worden ist, die gerade da über die Aare setzten, ist möglich, sogar wahrscheinlich, aber nicht beglaubigt.

Die Johanniter von Thunstetten e4rhielten durch einen Wilhelm Hevinli Güter in Solothurn, Loichsingen, Selsa, Bella und Grenchen, welche später von seinem Schwiegersohn Johann von Entferld beansprucht wurden. Ja dieser hatte zu Gewalt gegriffen und einen Ordensbruder, Burkhard von Loinegg, beraubt. Ein Schiesdsgericht wurde eingesetzt, bestehend aus Ulrich von Rüssegg und Markwart von Iffenthal. Sie fällten am 20. Mai 1294 den Spruch: Johann und seine Frau Elsbeth haben auf die Güter zu verzichten; dafür erlassen ihm die Johannitercommenden Honrein und Klingnau seine Schulden im Betrag von 29 Pfund Pfennigen und der Orden giebt ihm dazu noch 40 Pfund. Dem Bruder Burkhard hat er das Geraubter wiederzugeben und muss bis Pfingsten im Büssergewande abwechslungsweise einen Sonntag in Aarau und einen in Brugg um die Kirche wandern. Johann von Entfeld unterwarf sich dem Spruche (FRB III.583 und 642-643)

Zwischen dem Cluniacenserpriorat und den Johannitern von Buchse brach damals ein Streit aus, der durch ein Schiedsgericht dahin erledigt wurde, dass Bruder Peter, der Prior von Hettiswyl (dem Leuzigen wahrscheinlich unterstellt war) und das Haus Leuzigen als Schadenersatz eine Summe Geldes erhielten (FRB IV.54-55)

Eoin Burkhard genannt Fingerli, von Leuzigen, Burger von Solothurn, erkaufte sich 1312 am Hause des Niklaus genannt Klukli, in der Schalgasse in Solothurn, Udel und verpfändete ihm dafür ein Haus beim Thurm von Leuzigen und verschiedene Stücke Land „z’dem Kere, in der Deia, zu Schorron, in der Mörchenmatt, in Rübgarten, in Brechwyl, ze Hofurun, in Wellenthal, in Keresbrüclon“ die er alle wieder um einen Zins an sich nahm (FRB IV. 507)

Jakob von Mörigen, Edelknecht, verkaufte 1320 dem Capitel der Kirche von Solothurn Güter in der Dorfmarch bei Leuzigen (FRB V.184)

Ein Haus und Acker in Leuzigen, den ein berchtold von Leuzigen bebaute, gieng 1323 durch Kauf von Ulrich genannt Stalder vom Lon an den schon erwähnten Niklaus genannt Klukli, beide Burger von Solothurn über (FRB V.322)

 Werner von Ergöw, Burger von Solothurn setzte 1341 seiner Tochter Anna, Frau des Heinrich von Velschen, Burger von Thun, 10 Pfund zur Ehesteuer in Geld und Gut, darunter zu Leuzigen eine Schuppose, die Peter Rosnagel und Chunzi Zimermann bauen, im Werthe von 12 Schilling und ¾ Dinkel, eine halbe Schuppose, die Chachina hat , im Werthe von 5 ½ Schilling und eine Hofstatt, die Anshelm hat, 8 Schilling werth (FRB VI.599-600)

Johannes Pfister, genannt Senftleben, Burger von Bern, verkaufte 1342 unter andern Gütern eine Schuppose im Twing und Bann von Leuzigen, die Ulrich Bucher baut und die jährlich 10 Schilling und ¾ Dinkel gilt (FRB VI.647)

1346 verlieh Graf Jmer von Strassberg seinem Ministerialen Werner von Delsberg Güter zu Leuzigen als Erblehen (FRB VII. 177)

Zur Herrschaft Büren gehörig kam Leuzigen mit dieser 1393 an Bern und bildete eines der acht Gerichte des Amtes (Schnell und v.Stürler, Rechtsquellen des Kantons Bern IV. V)

Leuzigen war eine der 15 Dingstätten der Landgrafschaft Klein-Burgund, „Unter der Linde bei dem Capellin“ wurde gericht gehalten(Altes Polizei- Eid- und Spruchbuch Fol. 20 im Stadtarchiv Bern, mitgetheilt von Herrn Staatsarchivar Thürler;Geschichtsforscher XI.53)

Noch heisst eine Oerttlichkeit im Dorfe der Landstuhl; es ist ein Hügel, der einst zu Begräbnissen diente (Jahn, Kanton Bern 126)

Nach der Reformation musste der Pfarrer von Arch in Leuzigen predigen (Rathserkanntniss vom 7. Januar 1530) Am 20 December 1532 wurde Leuzigen zu Arch eingepfarrt. Deshalb sollte der Pfarrer von Arch den Primiz von Leuzigen (17.Juli 1561) und einen Theil vom dortigen kleinen oder St.Ulrichs-Zehnten beziehen, der zur Kapelle gehört hatte. (7.Januar 1530, 234.Juni 1655)

Zur Collatur von Lüslingen gehörte in Leuzigen eben dieser kleine oder St.Ulrichs-Zehnten und einige Bezirke hatten noch den Neunling zu entrichten, der aber unter zweien  Malen, 1597 und 1676 losgekauft wurde. Der Niedere Spital, dem also die Collatur gehörte, hatte hier einen Schaffner, der aber 1642 abgeschafft und einen Zehntspeicher, der 1655 nach Jegistorf verlegt wurde. Die Regierung von Bern kam in unbestimmter Zeit in den Besitz des Grossen Gewächszehntens, der 1664 vom Bauamt an das Niedere Spital überging und der Werch- und Flachs- und Heuzehnten, die1808 und 1813 von der Gemeinde losgekauft wurden (Steck, historische Nachrichten von dem Gotteshause oder Spital zum Heiligen Geiste in Bern, Mss im Burgerspital in Bern II. 50-54, 368-372).

Die Capelle, in romanischem Styl erbaut, ist vor nicht langem restauriert worden (Rahn, Statistik schweiz. Kunstdenkmäler im Anzeiger für schweiz. Alterthumskunde 1882, 244)

Das Geschlecht von Leuzingen, das in früher Zeit viel erwähnt wird, stammt wohl nicht von hier, sondern von Leissigen am Thunersee.

Aus Leuzigen stammen die seit 1889 in Bern auf Metzgern verburgerten Kaiser.

Grosses Brandunglück suchte Leuzigen am 8.April 1832 , kurz darauf ein zweites Mal und wieder am 14. Juli 1834 heim.

Etymologisch

Zahlreiche archäologische Funde aus der Hallstatt- und der Römerzeit deuten auf eine ansehnliche vordt. Niedewrlassung mit langer Siedlungskontinuität hin (Archäologisches Hinweisinventar 1126; Tschumi, Urgeschichte, 273 ff.)

Beim heutigen Namen handelt es sich um eine in die frühe alem. Besiedlungszeit reichende – ingen- Fügung mit einem schwer bestimmbaren zweigliedrigen PN. Die meisten hist. Schreibvarianten des Stammsilbenvokals dürften mhd. Öu (Umlaut von mhd. Ou) u.ä. repräsentieren. Dier x-Graphie ist sekundär und abzuleiten aus der Silbe -ges- der beinah phonetisch notierten Ersterwähnung Logesingen; bes. im Obd. Steht x häufig für inl. Und ausl. Gs, cks, und vor allem chs (Boesch, Urkundensprache, 17; Moser , Frnhd, Grammatik 44)

Zugrunde liegt dem PN evtl. der germ. Wortstamm *leuh- (zur idg. Wz *leuk- <leuchtend, licht>), welcher mit dem kelt. Stamm *louco-/*leuco- <leuchtend, glänzend, weiss> urvdt. Ist (Holder, Sprachschatz II, 195 u. 295; Förstemann I, 1030; Kaufmann, Ergänzungsband , 231; wobei die lautlicheWeiterentwicklung von *leuh- infolge Brechung  wahrscheinlich zu -eo- > -io- > -ie- hätte führen müssen) oder allenfalls auch *laub- , germ. *lauba als Nbf. Zu germ. *leuba <lieb> (Förstemann i ,1014 , Kaufmann EB, 227)

Das 2. – im 12. Jh. Bereits stark abgeschliffene – PN Glied lässt sich kaum mehr rekonstruieren. Nähme man die häufig bezeugte ahd. Kzf. Giso an, so liesse sich damit u.U. der Uml. Der Stammsilbe erklären: *Loubgiso> *Löubgiso (Förstemann I, 644;Kaufmann EB 148) Offen blieben allerdigns phonoporphologische Fragen.

Das LSG (532) erwägt eine Herleitung in Form einer -ingen- Bildung mit dem zweigliedrigen ahd. PN Liutgis, Leutgis (Förstemann I , 1041)

Da keine der dargestellten etym. Versuche richtig zu befriedigen mag, stellt sich die – allerdings gewagte – Frage, ob es sich bei Leuzigen urspr. nicht um einen mit dem Germ. Entlehnten rom. Suffix – ingos gebildeten vordt. ON handeln könnte, der früh – ca. im 7 Jh- germanisiert worden wäre.